Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chip im Auge soll Blinden die Sehkraft zurückgeben

24.09.2009
Prototypenstatus - Erste Tests mit Schweinen verliefen bereits positiv

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben den Prototypen eines künstlichen Sehsystems vorgestellt. Bestandteile des Systems sind eine auf eine Brille montierte Kamera sowie ein Chip, der in den Körper des Patienten implantiert werden soll. Dieser leitet die Daten, welche die Kamera liefert, an den Sehnerv weiter und soll so beschädigte Netzhaut ersetzen.

Auf diese Art und Weise hofft das interdisziplinäre Forscherteam um den Elektrotechniker John Wyatt, Erblindeten ihr Augenlicht zurückgeben zu können. Im Gegensatz zu Implantaten, die Sehbehinderungen korrigieren (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090720001/), adressiert das MIT-Projekt endgültig erblindete Menschen. Die gesamte Sehkraft vermag das System allerdings nicht wiederherzustellen. Gedacht sind die Implantate, die im Laufe der nächsten drei Jahre erstmals an Menschen getestet werden sollen, für Opfer der Krankheiten Retinitis Pigmentosa und altersbedingte Makuladegeneration - beide sind häufig Ursache von Erblindungen. Prototypen der in das Auge zu implantierenden Chips wurden über einen Zeitraum von zehn Monaten bereits erfolgreich an Schweinen getestet.

Das Konzept des künstlichen Sehsystems ist, die von der Krankheit zerstörten Netzhautzellen zu umgehen und mithilfe des in das Auge implantierten Chips direkt den Sehnerv zu stimulieren. Der Chip wird im Auge installiert und steuert Elektroden an, die an den Sehnerv angeschlossen sind, welcher die elektrischen Signale dann an das Gehirn überträgt. Dort entsteht daraus ein Bild. Die Signale für den Chip kommen von einer Kamera, die an einer Brille befestigt ist. Sie nimmt die Umwelt auf und überträgt die Bilder drahtlos an den Chip im Auge. Drahtlos funktioniert auch die Stromversorgung - die Elektrizität wird über Spulen in der Brille an den Chip übertragen. Als Empfänger für die Energie dienen Spulen, die am Augapfel befestigt werden müssen.

Bereits seit 20 Jahren forschen John Wyatt und seine Kollegen in diesem Bereich. Mit der Vorstellung des aktuellen Prototypen glaubt man, einen großen Schritt in Richtung Versuchsphase geschafft zu haben. Binnen drei Jahren sollen die künstlichen "Augen" erstmals an Menschen erprobt werden. Ist es erst so weit, rechnet man damit, dass die Entwicklung sehr schnell vorangehen wird. Im Gegensatz zu Schweinen können menschliche Versuchsobjekte nämlich Feedback über das Gesehene liefern. Auf diese Art hofft man, sehr viel mehr über die für optimales Sehvermögen notwendige Konfiguration des Chips zu erfahren, um die verwendeten Algorithmen so zu modifizieren, dass sie brauchbare Bilder an das Gehirn übertragen. Das endgültige Ziel der Bemühungen Wyatts und seines Teams ist es, einen zuverlässigen Chip zu entwickeln, der mindestens zehn Jahre lang im Auge belassen werden kann.

Eine große Herausforderung bei der Entwicklung der künstlichen Sehsysteme ist, das Auge durch das Implantat und dessen Installation nicht zu verletzen. Im Gegensatz zu früheren Prototypen, bei denen die Elektroden in einem riskanten Verfahren direkt auf der Netzhaut angebracht waren, sitzen sie nun hinter dieser, was die Nutzung des Implantats ungefährlicher macht. Des weiteren wurde der Chip mit einem robusten Titangehäuse ausgerüstet - in früheren Tests wurde eine Silikonhülle verwendet, die sich jedoch als nicht dauerhaft wasserdicht erwies. Erblindete Patienten hoffen indes vor allem darauf, mit dem künstlichen Sehsystem wieder Gesichter zu erkennen. "Wenn sie die Gesichter der Personen in einem Raum erkennen können, bringt sie das wieder in die soziale Umwelt ein. Sie müssen nicht mehr warten, bis jemand etwas sagt, um ihn zu erkennen", sagt Shawn Kelly, ein Mitglied des Forschungsteams.

Dominik Erlinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://web.mit.edu

Weitere Berichte zu: Blind Brille Elektrode Implantat Netzhaut Sehkraft Sehnerv Sehsystem Spule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten