Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Universitätsklinikum Heidelberg und IBM testen erfolgreich mobiles Patientenmonitoring junger Dialysepatienten

14.02.2006


Die Pädiatrische Nephrologie des Universitätsklinikums Heidelberg und IBM haben in einem Pilotprojekt den Einsatz von Telematik für die Betreuung nierenkranker Kinder erfolgreich getestet: Sowohl die Patienten als auch das betreuende medizinische Personal profitierten enorm vom mobilen Patientenmonitoring. Verbessert werden konnten die Qualität der Überwachung und der gemessenen Daten ebenso wie die Lebensqualität der betroffenen Familien.

Die eingesetzte Technologie ermöglicht auch auf Reisen oder an jedem anderen beliebigen Ort eine sichere Übertragung der ermittelten Messwerte. Innovativ an diesem Telematikprojekt ist der Einsatz ausnahmslos mobiler Technologie sowie die hohe Integrationsfähigkeit und Plattform-Unabhängigkeit der Lösung. Das Fern-Monitoring erlaubt den Behandlern eine verbesserte Einschätzung des Flüssigkeitshaushalts der kleinen Dialysepatienten. Ein Vorteil gleich in doppelter Hinsicht: Es gibt weniger belastende Klinikbesuche und echte Kosteneinsparungen.

"Die Ergebnisse der letzten vier Monate sind absolut überzeugend", betont Professor Dr. Franz Schäfer, Leiter der Sektion für Pädiatrische Nephrologie, Universitätsklinikum Heidelberg, "die Eltern der betroffenen jungen Patienten empfanden die tägliche mobile Überwachung als spürbare Entlastung. Wir hatten jederzeit einen zuverlässigen Einblick in die Situation der jungen Patienten. Einen engen Kontakt gewissermaßen, ohne jedes Mal persönlich kommunizieren zu müssen."

Die gemessenen Daten -Blutdruck und Gewicht als wichtigste Indikatoren für den Verlauf der Flüssigkeitsbilanz der Patienten - werden per Bluetooth ausgelesen und über Handy und Internet an einen Server übermittelt, der die Informationen dem medizinischen Personal des Krankenhauses zur Verfügung stellt. Dort werden sie täglich kontrolliert und gegebenenfalls werden entsprechende Maßnahmen eingeleitet. "Wir waren überrascht, wie gerne und konsequent diese Möglichkeit der Datenübertragung genutzt wurde. Es wurden sogar häufiger Daten gesendet als es vom rein medizinischen Standpunkt aus notwendig gewesen wäre. Damit bekamen wir ein viel genaueres Bild vom gesundheitlichen Zustand unserer Patienten.

Und das wohlgemerkt ohne höheren Aufwand für unser betreuendes Team", wie Professor Dr. Schäfer erläuterte.

Qualität und Kosteneinsparungen

Insgesamt nahmen an dem vier Monate dauernden Pilotprojekt 12 junge Dialysepatienten im Alter zwischen 6 und 18 Jahren teil. Vorstellbar, so Schäfer weiter, wäre auch die telematische Überwachung von nierentransplantierten Patienten oder anderen betreuungsintensiven Patientengruppen.

Das Projekt dient aber nicht nur der Verbesserung der Lebens-und Betreuungsqualität, sondern würde auf lange Frist vermutlich erhebliche Kosteneinsparungen bringen. Im Fall der Dialysepatienten könnte durch eine engmaschige Fernüberwachung die Frequenz der ambulanten Behandlungen und die Häufigkeit von Abweichungen bei Flüssigkeitsbilanz und Blutdruck gesenkt werden. Das reduziert nicht nur die belastenden Krankenhausaufenthalte, sondern auch die Kosten der aufwändigen, chronischen Dialysebehandlung.

"Das Neue und Innovative an diesem Projekt ist der ausschließliche Einsatz mobiler Technologien und die hohe Integrationsfähigkeit", unterstreicht Dr. Mark Mattingley-Scott, Projektleiter der IBM. "Die Patienten haben damit absolute Mobilität in einem unbegrenzten Aktionsradius. Das gilt auch im Fall von Funklöchern und Netzüberlastung. Denn die eingelesenen Daten bleiben auf dem Handy gespeichert, bis sie zuverlässig übermittelt werden können."

Die Datenübertragung geschieht dabei verschlüsselt und auch auf dem Bildschirm im Ärztezimmer tauchen keine Namen, sondern nur Nummern auf. Kein Unbefugter ist somit in der Lage, die Identitäten der Patienten zu ermitteln. Ein IBM Personal Care Connect Server nimmt die Daten über das Internet aus dem Handy entgegen und legt sie in seiner internen Datenbank ab, zu der nur das autorisierte medizinische Personal Zugriff hat. Der komplette Vorgang basiert auf IBM Middleware-Produkten und IBM Software-Applikationen zur Datenerkennung, -verwaltung und -darstellung.

Offene Standards und Integration

Wichtig für eine bessere Akzeptanz solcher Lösungen und deren möglichst flächendeckenden Einsatz sind offene Systeme und Standards, um beliebige Systeme problemlos integrieren zu können. So wäre es ohne besonderen Aufwand möglich, das mobile Überwachungssystem in das bereits etablierte Krankenhausinformationssystem des Klinikums zu integrieren. "Proprietäre Systeme sind für eine nahtlose Integration in das medizinische Umfeld kaum geeignet", sagt Mattingley-Scott, "der große Durchbruch für telematische Gesundheitsdienste ist nur möglich, wenn sich alle Geräte miteinander verstehen." IBM als einer der führenden IT-Dienstleister im Gesundheitsbereich bietet hierfür das komplette Spektrum: von der Integration in beliebige Systemlandschaften, über das Management unterschiedlichster Endgeräte bis hin zum kompletten Roll-out auch groß angelegter komplexer Projekte.

Über IBM

IBM ist mit 80 Jahren Erfahrung in der Unternehmensinnovation der weltweit größte Anbieter von Informationstechnologie und weltweit führend in On Demand Lösungen. Das Unternehmen hilft Firmen, Geschäftspartnern und Entwicklern dabei, das Potenzial des Internets und der Vernetzung von Computern über verschiedene Unternehmen und Industrien hinweg wirksam einzusetzen. IBM ist heute das einzige Unternehmen der IT-Branche, das die komplette Produktpalette von Hardware, Software bis Dienstleistungen anbietet und industrieübergreifende und branchenspezifische Lösungen für die Anforderungen und Bedürfnisse von Unternehmen aller Größen bereitstellt.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibm.com/de/pressroom
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Dialysepatient Patientenmonitoring

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten