Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elektronenmikroskop durchleuchtet ultradünne Schnitte

08.02.2006


Neues Gerät am Institut für Pathologie vergrößert 630.000-fach

Das Universitätsklinikum Rostock verfügt jetzt über ein für Mecklenburg-Vorpommern einmaliges hochmodernes Mikroskop. Bei dem Gerät handelt es sich um ein Transmissionselektronenmikroskop, das die Präparate, zum Beispiel ultradünne Gewebeschnitte, durchleuchtet. Das Mikroskop vergrößert bis zu 630.000-fach, mit seiner Hilfe können Partikel von bis zu 0,3 Nanometer Größe dargestellt werden. Benötigt wird das Mikroskop für die Erforschung und Diagnose seltener Erkrankungen und ist damit eine wichtige "core facility" der medizinischen Fakultät und des Uniklinikums. Bearbeitet werden aber auch externe Aufträge: Die Rostocker Einrichtung fungiert als Referenzlabor für die Elementanalyse im Elektronenmikroskop, Aufträge kommen aus der ganzen Bundesrepublik und aus dem Ausland. Außerdem wird nun Internet basierte Telepathologie zum Beispiel mit Spezialisten aus den Universitäten Regensburg und Greifswald möglich.

"Mit dem Gerät ist eine Arbeit auf ganz neuem Niveau möglich", sagt Professor Dr. Ludwig Jonas, Leiter des Elektronenmikroskopischen Zentrums am Institut für Pathologie. Mehrere Wochen dauerte der komplizierte Aufbau des unlängst angeschafften Transmissionselektronenmikroskops, jetzt liefert es Bilder von winzigen Partikeln. "Das Mikroskop hat ein Spektrum von 80-facher bis zu 630.000-facher Vergrößerung", sagt Prof. Jonas. Damit seien Partikel von 0,3 Nanometer Größe darstellbar. Das Mikroskop arbeitet nach dem Prinzip des Durchleuchtens: Präparate wie ultradünne Gewebeschnitte werden durch einen Lichtstrahl durchleuchtet. Bei Elektronenmikroskopen ist dieser Lichtstrahl nicht sichtbares Licht, wie beim Lichtmikroskop, sondern ein Strahl von hoch beschleunigten Elektronen im Vakuum. Das jetzt aufgebaute Gerät ist in seinen Möglichkeiten und seiner Leistungsklasse einmalig in Mecklenburg-Vorpommern.

"Mit dem Mikroskop sind jetzt Untersuchungen möglich, die wir bislang nicht machen konnten", sagt Prof. Jonas. Dazu gehören zwei verschiedene Arten von Elementanalysen (EELS, EDX). Das Mikroskop macht mit einer hoch auflösenden CCD-Kamera digitale Aufnahmen von den Präparaten und ermöglicht auch die 3-D-Darstellung von Schnitten und Strukturen (Tomographie). Möglich ist nun auch die Telepathologie, bei der das Mikroskop in Rostock mit dem Internet verbunden ist und Ärzte und Wissenschaftler an anderen pathologischen Instituten und Forschungseinrichtungen live mit den Rostocker Kollegen über die Bilder im Elektronenmikroskop diskutieren können und damit eine abgestimmte Diagnose finden. Konkret arbeiten die Rostocker zum Beispiel mit Kollegen von den Universitäten Regensburg und Greifswald zusammen.

Für das Universitätsklinikum Rostock wird das Elektronenmikroskop auch bei der Erforschung von seltenen Krankheiten eingesetzt. Darüber hinaus ist das neue Gerät im Elektronenmikroskopischen Zentrum Teil der so genannten "core facility" und kann auch von anderen Fakultäten der Universität Rostock für Forschungszwecke genutzt werden. Zudem arbeitet die Einrichtung des Instituts für Pathologie als Referenzlabor für Elementanalysen. Entsprechende Aufträge kommen aus der ganzen Bundesrepublik, aus Salzburg oder Frankfurt am Main zum Beispiel, aber auch aus dem Ausland, etwa aus Zypern. Das Elektronenmikroskopische Zentrum mit seinen jetzt drei modernsten Elektronenmikroskopen wird auch von innovativen Firmen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern für Materialentwicklungen und Schadensanalysen genutzt.

Ansprechpartner
Professor Dr. Ludwig Jonas
Medizinische Biologie
Institut für Pathologie
Strempelstraße 14
18057 Rostock
Tel. 0381/4945589

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Elektronenmikroskop Pathologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie