Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Zeitalter zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen

17.08.2005


Deutschlandweit erste Edwards-Cribier Aortenklappenimplantation ohne Narkose

Bisher führte kein Weg an einer offenen Herzoperation vorbei, wenn ein Patient eine neue Herzklappe benötigte. Für ältere Menschen bedeutete die Narkose dabei immer ein Risiko - gerade wenn Sie unter Diabetes, eingeschränkter Nierenfunktion oder Lungenerkrankungen litten. Erstmals in Deutschland gelang es jetzt der Uni-Klinik für Kardiologie im Westdeutschen Herzzentrum Essen, eine neue Herzklappe ohne Narkose einzusetzen. "Das neue Verfahren bietet einen großen Vorteil", so der leitende Oberarzt Dr. Stefan Sack nach den Eingriffen bei den beiden 77- und 82-Jährigen und ergänzt: "Der Brustkorb wird nicht geöffnet und eine Narkose ist auch nicht nötig." Den Patienten geht es gut. Sie sind bereits wieder zu Hause.

Zum Verfahren: Der Arzt punktiert die Adern in der Leiste und schiebt dann von dort aus vorsichtig einen Ballon mit der montierten, zusammengefalteten Herzklappe zum Herzen. Sobald er die richtige Position erreicht hat, dehnt er den Ballon unter hohem Druck aus. Dabei legt sich die neue Herzklappe über die alte, verkalkte. Die auf den Ballon montierte Bioprothese wurde von Professor Cribier in Rouen/Frankreich entwickelt. "Das Verfahren klingt einfach, verlangt aber hohe Präzision und ein eingespieltes Team", weiß Privatdozent Dr. Stefan Sack, Leitender Oberarzt des Herzkatheterlabors.

Bisher bestand die Therapie im operativen Herzklappenersatz. Dafür öffnete der Mediziner den Brustkorb und ersetzte die Aortenklappe durch eine technische Klappe oder eine Bioprothese. Während des Eingriffs musste er den Patienten an die Herz-Lungen-Maschine anschließen. Schon 1986 wurde versucht mit Hilfe von Ballons, die über die Leistenarterie im Rahmen einer so genannten Herzkatheteruntersuchung eingeführt wurden, die verkalkte Aortenklappe aufzudehnen. "Dies gelang sehr gut, aber die Klappenverengung bildete sich innerhalb von sechs Monaten wieder zurück", erklärt Dr. Stefan Sack. Bei seinem jetzt durchgeführten Eingriff ohne Narkose handelt es sich um die Weiterentwicklung dieser Ballontechnik.

Warum die Herzklappe versagt: Zunehmende Verkalkungen der Herzklappe führen zu einer Einengung bis hin zur Funktionsunfähigkeit. Die Folge: Es kann weniger Blut durch die Herzklappe gepumpt werden. Die verkalkte Aortenklappe findet sich vor allem bei älteren Menschen. Dabei ist die Aortenklappe die größte der vier Herzklappen. Sie ist das Ventil zwischen der großen linken Herzkammer und der Körperschlagader, der Aorta. Zieht sich der Herzmuskel zusammen, öffnet sich die Aortenklappe und das Blut gelangt in die Körperschlagader. Ein Zurückströmen wird durch die sich schließende Aortenklappe verhindert. Das Blut strömt durch die Adern, als Pulswelle beispielsweise am Hals oder am Handgelenk tastbar. Im Laufe eines 80-jährigen Lebens öffnet und schließt sich die Aortenklappe mehr als 3 Milliarden Mal. Durch die mechanische Belastung und zusätzliche Faktoren (Genetische Faktoren, Risikofaktoren etc.) kann eine zunehmende Unbeweglichkeit und Enge der Aortenklappe auftreten: die Aortenklappenstenose. Das Blut passiert nur mit großer Mühe die Klappe. Der Herzmuskel arbeitet verstärkt, er wird dicker und steifer. Im Endstadium könnte der Herzmuskel versagen. Vorher treten aber meist Beschwerden auf, die den Patienten zum Arzt führen: Luftnot, vor allem unter körperlicher Belastung, Brustenge (Angina pectoris) und Bewusstseinsverluste (so genannte Synkopen) infolge einer ungenügenden Blutversorgung des Gehirns.

Nähere Informationen: Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Sack, Klinik für Kardiologie, Westdeutsches Herzzentrum Essen, Tel: +49 (0)201 723 - 48 04 oder 48 77, E-Mail: stefan.sack@uni-essen.de

Kristina Gronwald | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-essen.de

Weitere Berichte zu: Aortenklappe Herzklappe Herzmuskel Narkose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie