Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alzheimer: Bluttest rückt entscheidend näher

08.07.2014

Test sagt Erkrankung mit einer Genauigkeit von 87 Prozent voraus

Wissenschaftlern der University of Oxford http://www.ox.ac.uk ist laut eigenen Angaben ein "entscheidender Schritt" bei der Entwicklung eines Bluttests zur Vorhersage einer Alzheimererkrankung gelungen. Die Analyse der Daten von mehr als 1.000 Personen hat zur Identifizierung einer Reihe von Proteinen im Blut geführt, die das Einsetzen einer Demenz mit einer Genauigkeit von 87 Prozent vorhersagbar machen.

Die in dem Fachmagazin Alzheimer's & Dementia http://www.alzheimersanddementia.com veröffentlichten Forschungsergebnisse sollen in Zukunft für die Verbesserung von klinischen Studien zu neuen Medikamenten gegen Demenz eingesetzt werden.

Die Suche nach Behandlungsansätzen für Alzheimer war laut BBC stark von Misserfolgen geprägt. Zwischen 2002 und 2012 scheiterten 99,6 Prozent aller Studien, die darauf abzielten, diese Krankheit zu verhindern oder ihre Auswirkungen wieder rückgängig zu machen.

Experten gehen davon aus, dass dieses Scheitern darauf zurückzuführen ist, dass die Behandlung erst dann einsetzt, wenn es für die Patienten bereits zu spät ist. Die Symptome werden ja erst rund zehn Jahre nach dem Beginn der Erkrankung sichtbar. Das Identifizieren der Betroffenen ist daher eines der Hauptziele der Forschung.

Klinische Studien zur Früherkennung

Wissenschaftler aus Forschung und Industrie suchten deshalb nach den Unterschieden im Blut von 452 gesunden Personen, 220 Teilnehmern mit einer leichten kognitiven Einschränkung und 476 Alzheimer-Patienten. Es gelang mit einer Genauigkeit von 87 Prozent vorherzusagen, welche der leicht beeinträchtigen Patienten innerhalb des nächsten Jahres an Alzheimer erkranken würden. Laut dem leitenden Wissenschaftler Simon Lovestone ist das Ziel der Forschung, Menschen früher an klinischen Studien zu beteiligen als es derzeit möglich ist. Es sei dem Wissenschaftler zufolge durchaus denkbar, dass dieser Test in Zukunft auch in Arztpraxen zum Einsatz kommt.

Test ist noch nicht reif für die Praxis

"Solange es keine Behandlungsmöglichkeit gibt, kann man auch den Wert eines Tests in Frage stellen. Menschen kommen jedoch ins Krankenhaus, um zu erfahren, was mit ihnen los ist. Derzeit kann ich ihnen aber keine Antwort auf ihre Fragen geben", so Lovestone. Er sei gezwungen, ihnen zu sagen, sie sollten in einem Jahr wieder kommen, um zu überprüfen, ob ihre Probleme schwerwiegender geworden sind. "Ich habe wirkliche Vorbehalte gegen die Durchführung eines derartigen Tests. Es gibt jedoch Menschen, die ins Krankenhaus kommen und genau das fordern."

Ian Pike, der COO von Proteome Sciences http://www.proteomics.com betont, dass ein Proteintest einen wirklichen Fortschritt bedeute. "Es werde allerdings mehrere Jahre und zahlreiche weitere Studien brauchen, bis sichergestellt sei, dass dieser Test im Krankenhaus eingesetzt werden kann. Damit können wir jetzt jedoch bald beginnen."

Gefahr einer Fehldiagnose

Eric Karran, der Direktor von Alzheimer's Research UK http://www.alzheimersresearchuk.org , bezeichnete die aktuelle Studie als technische Hochleistung. Er warnte jedoch davor, dass die derzeit erzielbare Genauigkeit das Risiko beinhalte, dass gesunden Menschen gesagt werde, sie dürften an Demenz erkranken. Das wiederum könne zu Ängsten und Depressionen führen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass der Test in Krankenhäusern jemals allein eingesetzt wird. Ein positives Ergebnis könnte durch Gehirnscans und die Entnahme von Proben aus dem Rückenmark überprüft werden.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion

Weitere Berichte zu: Alzheimer BBC Blut Bluttest Demenz Fehldiagnose Gefahr Gehirnscans Genauigkeit Krankenhaus Oxford Studie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie