Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

4D-Strahlentherapie: Tumoren in Bewegung erfassen und gezielt bestrahlen

17.06.2014

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 50 000 Menschen an Lungenkrebs. Das Lungenkarzinom ist die am häufigsten zum Tode führende Krebsart.

Für Strahlentherapeuten sind diese durch die Atmung beweglichen Tumoren eine besondere Herausforderung. Mithilfe bildgebender Verfahren können Strahlentherapeuten die Tumorbewegung erfassen und in die Bestrahlungsplanung einbeziehen. Die 4D-Strahlentherapie ist zielgenauer und gerade für ältere Patienten, die nicht operiert werden können, eine wichtige Alternative.

Über Möglichkeiten der 4D-Strahlentherapie diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) am 3. Juli in Düsseldorf. Die Behandlung von Krebserkrankungen mittels Strahlentherapie steht immer dann vor besonderen Herausforderungen, wenn der Tumor „beweglich“ ist.

Dies trifft etwa auf Lungen- und Magentumoren zu. Mitunter verändern sie ihre Lage durch die Atembewegung um mehrere Zentimeter. Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Düsseldorf und DEGRO-Tagungspräsident erläutert: „Noch vor wenigen Jahren gab es keine Möglichkeit, diese Bewegungen mit einzurechnen, sodass der Patient ausgedehnt bestrahlt werden musste, damit der Tumor nicht verfehlt wurde.“

Die Behandlung atembeweglicher Tumoren kann heute durch den Einsatz von 4D-Computertomographie zielgenauer erfolgen. So wird der Tumor nicht nur in seiner Lage, Form und Ausdehnung bestimmt, sondern seine Bewegung wird zudem auf einer „Zeitachse“ erfasst. Professor Dr. med. Matthias Guckenberger, Direktor der Klinik für Radio-Onkologie am UniversitätsSpital Zürich erklärt:

„Wenn sich der Tumor weniger als circa fünf Millimeter bewegt, ist eine 4D-Strahlentherapie nicht unbedingt notwendig. Bei größeren Bewegungen stehen heute verschiedene Strategien und Technologien zur Verfügung, um diese hoch-beweglichen Tumoren präzise zu treffen.“ So kann die Bestrahlung den Tumor aktiv und in Echtzeit verfolgen, die Bestrahlung kann auf eine Position fokussiert werden und wird immer dann ausgeschaltet, wenn sich der Tumor von dieser Position wegbewegt, oder die Bewegung wird direkt in die Bestrahlungsplanung integriert.

Das auch Körperstereotaxie genannte Verfahren zeigt einen sehr guten Behandlungserfolg. Ergebnisse der Körperstereotaxie aus 16 deutschen und österreichischen Zentren zeigten sehr gute Ergebnisse unabhängig von der verwendeten Bestrahlungstechnik. Professor Guckenberger fasst zusammen: „Kleine Lungentumore können mit dieser 4D-Strahlentherapie innerhalb weniger Behandlungssitzungen so effektiv therapiert werden, dass die klinischen Ergebnisse mit denen einer chirurgischen Operation vergleichbar sind.“

Mithilfe der 4D-Strahlentherapie können auch Patienten geheilt werden, die wegen Begleiterkrankungen nicht operiert werden können. Das trifft auf viele ältere Patienten zu. „Bedenkt man die demografische Entwicklung, ist schnell klar, welches Potential in der 4D-Strahlentherapie liegt. Damit steht uns eine nicht nur effektive, sondern auch schonende Behandlungsmethode zur Verfügung.“ Die stereotaktische Bestrahlung kommt inzwischen auch bei anderen Krebserkrankungen wie Leber- oder Nierentumoren zum Einsatz. Die ersten Ergebnisse stuft der Experte aus Zürich als vielversprechend ein. Allerdings seien die Erfahrungen nicht so groß wie bei den Lungentumoren.

Tagungspräsident Budach bilanziert: „Die 4D-Strahlentherapie ist wegweisend in der radioonkologischen Behandlung. Möglich wird sie durch ein hohes technisches Niveau und optimal ausgebildete Teams, denn sie stellt hohe Anforderungen an Ärzte, Physiker und Medizinisch-technische Radiologieassistenten und braucht ein interdisziplinäres Umfeld.“

Literatur:
Guckenberger M, Allgauer M, Appold S, Dieckmann K, Ernst I, Ganswindt U, et al. Safety and efficacy of stereotactic body radiotherapy for stage i non-small-cell lung cancer in routine clinical practice: a patterns-of-care and outcome analysis. J Thorac Oncol. 2013;8(8):1050-8.

Verstegen NE, Oosterhuis JW, Palma DA, Rodrigues G, Lagerwaard FJ, van der Elst A, et al. Stage I-II non-small-cell lung cancer treated using either stereotactic ablative radiotherapy (SABR) or lobectomy by video-assisted thoracoscopic surgery (VATS): outcomes of a propensity score-matched analysis. Ann Oncol. 2013;24(6):1543-8.

Onishi H, Shirato H, Nagata Y, Hiraoka M, Fujino M, Gomi K, et al. Stereotactic body radiotherapy (SBRT) for operable stage I non-small-cell lung cancer: can SBRT be comparable to surgery? Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2011;81(5):1352-8.

Terminhinweise:

Symposium: S14 Update 4D Strahlentherapie: Image Guidance, Gating und Tracking
Vorsitz: M. Guckenberger (Zürich) und C. Bert (Erlangen)
Termin: 05.07.2014, 10:30 bis 12:00
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 16/17
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf

Pressekonferenz anlässlich der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie
Termin: Donnerstag, 3. Juli 2014, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 12
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf,

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter http://www.degro.org/degro2014.

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont. 

Kontakt für Journalisten:

Dagmar Arnold/Lisa-Marie Ströhlein
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380/ -459
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
stroehlein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degro.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften