Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumor ein Erfolgsmodell der Urologie

23.08.2011
Aktuelle Entwicklung zum Keimzellkrebs beim 63. DGU-Kongress in Hamburg

Mit jährlich etwa 5000 Neuerkrankungen zählt Hodenkrebs zu den vergleichsweise selteneren Diagnosen in der Urologie, ist aber gleichzeitig der häufigste bösartige Tumor des jungen Mannes: Die Heilungsaussichten dieser Tumorentität gelten in der Regel als sehr gut.

Um in Deutschland flächendeckend eine optimale Behandlung für diese Erkrankung zu gewährleisten, hatten die Deutsche Hodentumor Studiengruppe mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) das Projekt „Zweitmeinung Hodentumor“ initiiert.

Nach fünf Jahren hat sich das Projekt zu einem Kompetenznetzwerk entwickelt, auf dessen Expertise behandelnde Ärzte inzwischen in rund 2000 Fällen zurückgegriffen haben. „Das nationale Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumor hat sich als Erfolgsmodell uroonkologischer Versorgung unter urologischer Leitung etabliert und zur nachweisbaren Verbesserung der Versorgungsqualität geführt“, sagt DGU-Präsident Prof. Dr. Joachim Steffens. Beim 63. DGU-Kongress vom 14. bis 17. September 2011 in Hamburg werden neueste Entwicklungen in der Behandlung von Keimzellkrebs, besonders die Aussichten auf eine weitere Reduzierung der Therapieumfänge, vorgestellt.

Der Leiter des Zweitmeinungsnetzwerkes Hodentumor, Prof. Dr. Mark Schrader, erläutert: „Unser Ziel ist es, bei dezentralen Strukturen höchste Versorgungsqualität durch eine leitlinienkonforme Therapie von Hodentumoren zu gewährleisten. Das ist inzwischen flächendeckend möglich, da jeder behandelnde Urologe vor der Planung der primären Therapie kostenfrei und unkompliziert Zweitmeinungen von Spezialisten aus dem Netzwerk einholen kann.“ Ältere Studien hatten nach Angaben des ärztlichen Direktors der Ulmer Universitätsklinik für Urologie gezeigt, dass es in Deutschland deutliche regionale Unterschiede der Mortalitätsraten von Hodenkrebs gibt, was darauf schließen lasse, dass aktuellste Therapiestandards nicht flächendeckend implementiert seien. Die alleinige Veröffentlichung von Leitlinien genüge nicht.

Diese Studien hatten den Ausschlag für die Einrichtung des Zweitmeinungsprojektes Hodentumor gegeben, das von der Deutschen Krebshilfe zunächst noch bis 2014 finanziell gefördert wird. Nach Angaben von Prof. Dr. Schrader sind Keimzelltumore bei Männern unter 50 Jahren in Deutschland die häufigste maligne Tumorerkrankung. Die Heilungsaussichten bezeichnet er als exzellent: „Hodentumor ist der am besten heilbare unter den soliden Tumoren.“ Eine inadäquate Therapie könne jedoch diese Heilungschance reduzieren, zu schweren Komplikationen und Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Der Uroonkologe ermutigt Hodenkrebspatienten vor diesem Hintergrund, ihren behandelnden Arzt nach Hodenentfernung und Ausbreitungsdiagnostik um eine Abstimmung des Therapieplans mit einem Experten des Zweitmeinungsnetzwerkes Hodentumor zu bitten. Einen verbindlichen Anspruch gibt es noch nicht, bedauert der Leiter des Netzwerks.

Der Ablauf der internetbasierten Zweitmeinungs-Konsultation ist einfach: „Nach einer einmaligen Registrierung auf der Internetseite ‚www.zm-hodentumor.de’ kann der Urologe einen anonymisierten Patientendatensatz an eines von heute 32 Zweitmeinungszentren des Netzwerkes online übermitteln. Pro Datensatz werden 21 für die Therapieentscheidung relevante Informationen abgefragt. Auf deren Grundlage erfolgt dann binnen 48 Stunden eine Empfehlung durch den Spezialisten des Zweitmeinungszentrums“, sagt Prof. Dr. Schrader. Drei Monate nach der Anfrage werde vom angegliederten Datenzentrum erhoben, welche Therapie letztlich erfolgt sei. Nach zwei Jahren werde schließlich noch ein Follow-up durchgeführt.

Bei der Mehrzahl der inzwischen fast 600 Anfragen pro Jahr wird nach Angaben von Prof. Dr. Schrader die geplante Therapie des behandelnden Urologen durch die Zweitmeinung bestätigt. In etwa einem Drittel der Fälle unterschieden sie sich jedoch – tendenziell eher bei Nichtseminomen und bei fortgeschritteneren Tumorstadien. Bei etwa 40 Prozent dieser diskrepanten Fälle sah die Planung des behandelnden Arztes eine intensivere Therapie vor als durch die Zweitmeinung empfohlen. In gut 26 Prozent der Fälle war es umgekehrt. Bei Unterschieden zwischen Erst- und Zweitmeinung übernahmen rund 70 Prozent der anfragenden Ärzte den Vorschlag des Zweitmeinungszentrums.

DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch, selbst Zweitmeinungsärztin in dem Netzwerk, unterstreicht die Bedeutung einer europäischen Konsensus-Leitlinie zum Hodentumor: „Die Konformität von Diagnostik und Therapie mit diesem interdisziplinären Konsensus ist das Maß. Die Leitlinie wird ständig dem neusten Erkenntnisstand angepasst.“ Darin sieht die Urologin und Andrologin vom Universitätsklinikum Münster denn auch eine Ursache für die häufige Diskrepanz zwischen Therapieplanung und Zweitmeinung. „Besonders für Niedergelassene ist es bei einer vergleichsweise so seltenen Erkrankung ungeheuer schwer, permanent auf dem aktuellsten Stand zu sein.“ Für sie ist das Netzwerk ein zeitgemäßer Ansatz der Urologie, uroonkologische Versorgungsqualität in der Fläche zu stärken.

Hodenkrebs wird auch beim 63. DGU-Kongress vom 14. bis 17. September 2011 in Hamburg ein Thema sein. Dort werden in mehreren Vorträgen die jüngsten medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Tumorentität vorgestellt. Prof. Dr. Mark Schrader: „Zurzeit wird der Therapieumfang im klinischen Stadium 1 beim Nichtseminom diskutiert, was etwa 35 Prozent aller Patienten betrifft. Einiges deutet darauf hin, dass hier künftig ein Zyklus PEB Chemotherapie statt bisher zwei ausreichen könnte.“

Akkreditierung und Anmeldung zur Eröffnungs-Pressekonferenz unter:
www.otseinladung.de/event/ea4daf8604
oder
www.dgu-kongress.de
Weitere Informationen:
DGU-Pressesprecherin
Prof. Dr. med. Sabine Kliesch
Chefärztin Klinische Andrologie
Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie
Head Clinical Andrology
Centre for Reproductive Medicine and Andrology
WHO Collaborating Center
EAA Training Center
University Clinic Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1
Gebäude Domagkstraße 11
48149 Münster
Phone +49-251-8356097
oder
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17 

21149 Hamburg
Tel: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de

Bettina-Cathrin Wahlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.zm-hodentumor.de/
http://www.otseinladung.de/event/ea4daf8604
http://www.dgu-kongress.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit

Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns

25.09.2017 | Medizin Gesundheit

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten