Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuckerketten schützen vor Autoimmunerkrankungen

10.11.2016

FAU-Forscher entdecken neuen Mechanismus

Autoimmunerkrankungen wie die Rheumatoide Arthritis sind durch schwerwiegende entzündliche Prozesse an Gelenken und inneren Organen gekennzeichnet. Die Ursachen für den Ausbruch und den meist schubweisen Verlauf solcher Erkrankungen sind bisher unzureichend verstanden.


Blick ins immunologische Gedächtnis: TH17-Zellen und Antikörper-produzierende B-Zellen in der Milz. (Bild: Universitätsklinikum Erlangen)

Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Gerhard Krönke an der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie – des Universitätsklinikums Erlangen (Direktor Prof. Dr. Georg Schett) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen neuen Mechanismus identifiziert, der unmittelbar für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen verantwortlich ist.

Hierbei scheint das Fehlen von bestimmten Zuckermolekülen an den für die Rheumatoide Arthritis verantwortlichen Eiweißstoffen ausschlaggebend zu sein. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im renommierten Fachjournal Nature Immunology veröffentlicht.*

Unser Immunsystem trägt nicht nur zur Abwehr von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen bei, sondern besitzt auch die einzigartige Fähigkeit zeitlebens zu lernen und ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis aufzubauen. Hierbei werden vom Immunsystem spezifische Eiweißstoffe, sogenannte Antikörper, gegen den jeweiligen Krankheitserreger erzeugt und zeitlebens nachgebildet.

Mit Hilfe von Antikörpern kann das Immunsystem im Falle einer erneuten Infektion mit einem dem Immunsystem schon bekannten Krankheitserreger schneller und effektiver reagieren. Somit gewährleisten Antikörper im Regelfall einen ausreichenden Schutz und können einen erneuten Krankheitsausbruch verhindern. Hierauf baut zum Beispiel das Prinzip der Schutzimpfung auf.

Jedoch kann unser Immunsystem auch Antikörper gegen körpereigene Strukturen und Organe erzeugen. Man spricht in diesem Fall von einer „gegen sich selbst gerichteten Immunität“ oder kurz „Autoimmunität“, die durch das Vorhandensein von „Autoantikörpern“ gekennzeichnet ist.

Tatsächlich sind Autoimmunität und Autoantikörper kein seltenes Phänomen, sondern bei vielen gesunden Menschen nachweisbar und helfen unserem Körper beispielsweise bei der Tumorbekämpfung. Bei einer begrenzten Gruppe von Menschen führen Autoantikörper jedoch zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis. Die Gründe hierfür waren bisher weitgehend unklar.

Die Arbeitsgruppe von Gerhard Krönke konnte in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern der FAU und einem internationalen Forscherteam aus den Niederlanden, Schweden und Österreich nun erstmals zeigen, dass eine bestimmte Gruppe von Immunzellen, die TH17-Zellen direkt auf das immunologische Gedächtnis einwirkt und durch eine scheinbar harmlose Veränderung der molekularen Struktur von Autoantikörpern den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung provoziert.

„Tatsächlich ist für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis in diesem Fall nur das Fehlen eines einzigen Zuckermoleküls an den jeweiligen Autoantikörpern verantwortlich“, berichtet Rene Pfeifle, der Erstautor der Studie.

Während bisherige Therapien der Rheumatoiden Arthritis auf die Hemmung der Entzündungsreaktion abzielen, können diese neuen Erkenntnisse in Zukunft dazu dienen, völlig neue Therapieansätze zur Verhinderung des Ausbruchs von Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Hierbei soll das Immunsystem jedoch nicht gehemmt, sondern durch gezielte Modulation von TH17-Zellen einer Art Reprogrammierung unterzogen werden.

Mit Hilfe einer solchen Strategie wiederum könnten die krankheitsauslösenden Veränderungen der Zuckerstruktur von Autoantikörpern rückgängig gemacht werden und somit Immuntoleranz und eine langfristige Heilung von Autoimmunerkrankungen ermöglicht werden.

* doi: 10.1038/ni.3579
www.nature.com/ni/journal/vaop/ncurrent/full/ni.3579.html 

Ansprechpartner für Medien:
Prof. Dr. Gerhard Krönke
Tel.: 09131/85-39109
gerhard.kroenke@uk-erlangen.de

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics