Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zielgerichtete Impfstoffe gegen HIV

28.11.2008
Seit über 20 Jahren sind Forscher weltweit intensiv darum bemüht, einen HIV-Impfstoff zu entwickeln. Bei 12 000 HIV-Neuinfektionen pro Tag bleibt dies eine der drängendsten Aufgaben biomedizinischer Grundlagenforschung.

Unsere Arbeitsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum verfolgt dabei die Strategie, Gen-basierte Impfstoffe zu entwerfen, die gezielt Schaltzellen des Immunsystems ansprechen und daher die Immunantwort gegen HIV sehr viel stärker aktivieren als bisherige Impfstoffe.

Wie andere Viren auch, kommt HIV in zwei Phasen vor: als vollständiges Viruspartikel außerhalb und in seine Untereinheiten zerlegt innerhalb von Wirtszellen. Dabei dient das Viruspartikel selbst nur der Übertragung des viralen Genoms von einer Wirtszelle zur nächsten bzw. von einem Individuum zum anderen. Innerhalb einer von einem einzigen Virus infizierten Wirtszelle kann sich der Erreger in zwei bis drei Tagen hundert- bis tausendfach vermehren.

Diesen zwei Phasen der Virusvermehrung stehen zwei Arme der Immunantwort gegenüber - Antikörper bzw. sog. zytotoxische T-Zellen. Die Antikörper erkennen virale Proteine ausserhalb der Zelle, die zytotoxischen T-Zellen erkennen die infizierten Zellen. Dafür müssen aber den zytotoxischen T-Zellen kleine Bruchstücke (Peptide) des Virus durch spezialisierte Oberflächenproteine (MHC-Moleküle) der infizierten Zelle wie auf einem Tablett präsentiert werden. Wenn dann die zytotoxischen T-Zellen die infizierte Zelle zerstören, bevor diese Viruspartikel freisetzen kann, wird die Virusvermehrung verhindert.

Die Impfung mit viralen Proteinen aktiviert überwiegend die Antikörperantwort gegen diese viralen Proteine. Im Gegensatz dazu kommt es durch Gen-basierte Impfstoffe auch zur Bildung zytotoxischer T-Zellen. Bei den Gen-basierten Impfstoffen wird nicht das virale Protein verabreicht, sondern das Gen, das die Bildung des viralen Proteins in Zellen des Impflings ermöglicht. Die Eigenproduktion erlaubt eine bessere Präsentation auf MHC-Molekülen und führt damit zu einer stärkeren Aktivierung von zytotoxischen T-Zellen. Diesen Effekt der Gen-basierten Impfstoffe gilt es nun zusätzlich zu stärken. Dazu werden die Gen-basierten Impfstoffe so verändert, dass das von ihnen kodierte virale Protein an einen besonderen Antikörper gekoppelt ist. Dieser Antikörper bindet hoch-spezifisch an ein Oberflächen-Protein von sog. Dendritischen Zellen, den Schaltzellen des Immunsystems. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Dr. Ralph Steinman von der Rockefeller University konnten wir bereits zeigen, dass dieser Antikörper die Aufnahme des viralen Proteins durch Dendritische Zellen deutlich verbessert. Durch gleichzeitige Gabe zusätzlicher immunstimulierender Substanzen sollen die Dendritischen Zellen, die das virale Protein aufgenommen haben, nun dazu gebracht werden, hoch-aktive zytotoxische T-Zellen auszubilden. Mit dieser breit-anwendbaren Strategie hoffen wir, die Wirksamkeit Gen-basierter Impfstoffe gegen Viruserkrankungen, wie HIV, deutlich zu verbessern.

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Überla, Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie, Ruhr-Universität Bochum. Telefon: 49-234-3223189 / E-Mail: klaus.ueberla@rub.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 120.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften