Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissen über Menschen: Soziale Netzwerke auch im Gedächtnis wichtig

16.03.2012
Wenn wir an Menschen denken, spielt die Struktur unseres sozialen Netzwerks offenbar eine wichtige Rolle. So erinnern wir uns häufig nacheinander an Personen, die sich auch gegenseitig kennen.

Über neue Erkenntnisse darüber, wie Wissen über Personen im Gedächtnis repräsentiert ist und welche Strategien wir bei der Suche im sozialen Gedächtnis verwenden, berichten Psychologen der Universität Basel in der Fachzeitschrift «Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition».

Für viele Entscheidungen verwenden wir Wissen über Menschen in unserer sozialen Umwelt – etwa dann, wenn wir aus der Häufigkeit bestimmter Krankheiten unter Bekannten Rückschlüsse über die Häufigkeitsverteilung in der Gesamtbevölkerung ziehen. Wenn wir die Personen, die wir persönlich kennen, aus dem Gedächtnis abrufen, verwenden wir offenbar bestimmte Suchstrategien, die sich an der internen Repräsentation des sozialen Netzwerks zwischen diesen Personen orientieren. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Thomas Hills und Dr. Thorsten Pachur von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel anhand einer mathematischen Modellierung der Reihenfolge, in der sich Versuchsteilnehmer an ihnen bekannte Personen erinnerten.

Die 36 Versuchsteilnehmer wurden zunächst gebeten, in beliebiger Reihenfolge die Namen von Menschen zu nennen, die sie persönlich kennen. Für diese Personen sollte zudem angegeben werden, wie gut sie sich jeweils untereinander kennen, sodass sich die Struktur des sozialen Netzwerks des Versuchsteilnehmers rekonstruieren liess. Darauf wurde für jede erinnerte Person erhoben, wie oft der Versuchsteilnehmer Kontakt mit ihr hat und zu welcher sozialen Kategorie sie gehört (wie Partner, Familie, Bekannte). Anhand dieser Informationen versuchten die Forscher, die Reihenfolge, in der die Namen der Leute erinnert wurden, in einem mathematischen Gedächtnismodell zu beschreiben.

Denkstrategie in Verbindungen
Es zeigte sich, dass sich die Probanden früher an Partner erinnern als an Familienmitglieder und an diese wiederum früher als an Freunde und Bekannte. Doch am besten wurde die Abrufreihenfolge durch eine Gedächtnisstrategie beschrieben, die sich an den Verbindungen zwischen den Personen im sozialen Gedächtnis orientiert: Man erinnerte sich also eher an Personen nacheinander, die sich auch gegenseitig kennen. Zu welcher sozialen Kategorie jemand gehört, hatte keinen zusätzlichen Einfluss auf die Suchreihenfolge.

Neben dieser «lokalen» Strategie zeigt die Suche auch immer wieder «globale» Sprünge im sozialen Netzwerk, die sich an der Kontakthäufigkeit orientieren. Solche Sprünge waren seltener bei Studienteilnehmern mit hoher Kapazität des Arbeitsgedächtnisses. Die Ergebnisse widersprechen der gängigen Annahme, dass soziales Gedächtnis in erster Linie durch die sozialen Kategorien strukturiert wird, und unterstreichen die Wichtigkeit von sozialen Netzwerken für die mentale Gedächtnisrepräsentation.

Originalbeitrag
Hills, T., & Pachur, T. (2012)
Dynamic search and working memory in social recall
Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, Vol 38(1), Jan 2012, 218–228 | doi: 10.1037/a0025161
Weitere Auskünfte
Dr. Thorsten Pachur, Institut für Psychologie der Universität Basel, Abteilung Cognitive and Decision Sciences, Tel. +41 (0)61 267 06 14, E-Mail: Thorsten.Pachur@unibas.ch

Christoph Dieffenbacher | Universität Basel
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21859235

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise