Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wirkungsvoll ist die Vernichtung von Krebszellen?

17.08.2010
Biozentrum Innsbruck: Überraschende Forschungsergebnisse erfordern mögliches Umdenken bei Krebstherapie

Wenn jemand an Krebs erkrankt ist, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Einige davon aktivieren den programmierten Zelltod – mittels stimulierten, körpereigenen Funktionen. Dabei werden die bösartigen Zellen zerstört.

ForscherInnen des Biozentrums an der Medizinischen Universität Innsbruck sind in einer innerhalb des vom Österreichischen Wissenschaftsfond (FWF) geförderten Sonderforschungsprogramms, „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“, durchgeführten Studie auf ein überraschendes Ergebnis gestoßen: Zuviel Schutz kann krank machen! „Der programmierte Zelltod dient primär dazu, beschädigte oder veränderte – und deshalb gefährliche - Zellen auszuschalten, bevor sie einen Tumor bilden. Experimente lassen nun darauf schließen, dass genau dieses gesteuerte Zellsterben selbst die Entstehung einer Krebserkrankung fördern kann“, erklärt Univ. Prof. Dr. Andreas Villunger, Leiter der Sektion für Entwicklungsimmunologie.

Die Forschungsergebnisse der Studie könnten Antworten darauf geben, warum beispielsweise nach einer Leukämie gesundete Kinder oft 20 oder 30 Jahre später andere Krebserkrankungen entwickeln. „Bei etwa 15% von Neuerkrankungen an Krebs handelt es sich mittlerweile um neue Tumortypen, die bei Krebsüberlebenden auftreten. Dies kann mit der aggressiven Apoptose-induzierenden Therapie, also die gezielte Vernichtung von fehlerhaften Zellen, bei der ersten Krebserkrankung zusammenhängen.“ Zu denselben Forschungsergebnissen wie das Team der Entwicklungsimmunologie des Biozentrums Innsbruck sind Wissenschaftler in Australien gekommen. Beide Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Genes & Development veröffentlicht und erregten internationales Interesse. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass MedizinerInnen die Intensität von Bestrahlung oder Chemotherapie bei Tumortherapien neu überdenken sollten. Das in den Studien verwendete Tumormodell bietet nun erstmals die Möglichkeit, die molekularen Mechanismen der Entstehung solcher Therapie-induzierten Krebserkrankungen besser zu verstehen.

Experiment: Schutzmechanismus ausschalten

„Wächter des Genoms“ nennt sich das in der Medizin gut erforschte Protein p53: Es ist in vielen Typen von entarteten Zellen verstärkt aktiv, in ruhenden Zellen kaum oder gar nicht zu finden und bei mehr als der Hälfte aller TumorpatientInnen inaktiv. Das Protein ‚ortet‘ Schäden in den Zellen und entsendet andere Proteine als Helfer: Manche hindern die beschädigte Zelle am Wachsen während andere den Schaden zu reparieren versuchen. Wenn all diese Maßnahmen nicht helfen, wird das Protein PUMA aktiviert, welches die beschädigte Zelle vernichtet. „Die Aktivierung von Apoptose gilt als zentraler Schutzmechanismus im Körper, der normalerweise Tumorentwicklung verhindern soll. Dessen Aktivierung stellt eines der wichtigsten Therapiekonzepte in der Krebsbehandlung dar. Bei einem Experiment haben wir PUMA und damit den Schutzmechanismus in Zellen ausgeschaltet. Wir erwarteten, dass diese Zellen in vivo nun in höchstem Maße anfällig für Tumorbildungen sind, wenn sie schädlicher Strahlung ausgesetzt werden.“

Gefährliche Zellmutationen durch Doppelbelastung der Stammzellen

Genau das Gegenteil war aber der Fall: Bei Lymphozyten ohne PUMA konnten keine Tumorbildungen nachgewiesen werden. Kontrollgruppen mit dem intakten PUMA-Schutzprogramm entwickelten hingegen nach mehrmaliger, Erbgut-schädigender Bestrahlung sehr wohl Lymphome. „Wahrscheinlich ein Resultat hervorgerufen von der Überarbeitung der Stammzellen des Knochenmarks“, so Villunger. Normalerweise verursache die verwendete Strahlung so viel Schaden an der DNA, dass das PUMA-Schutzprogramm aktiviert wird. Allerdings bedeutet dies auch, dass in Folge rund 90% der betroffenen Blut- und Stammzellen absterben. Die überlebenden Stammzellen müssen also einerseits den entstandenen DNA-Schaden beheben. Gleichzeitig kümmern sie sich aber auch um die Neubildung der abgestorbenen Blutzellen. „Diese Doppelaufgabe setzt die Stammzellen unter großen Druck bei der Zellteilung – was erneut Zellschäden hervorrufen kann, wenn so eine Doppelbelastung wiederholt auftritt“, erklärt Villunger. Den Stammzellen, bei welchen PUMA ausgeschaltet worden war, bleibt dieser Druck erspart, da die meisten Zellen die Strahlung überleben und die Schäden reparieren.

Bilder zur Forschungsgruppe sowie zur Studie finden Sie unter http://www.i-med.ac.at/public-relations/medienservice/

Details zur Medizinischen Universität Innsbruck

Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.700 MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden drei Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. In der Forschung liegen die Schwerpunkte im Bereich der Molekularen Biowissenschaften (u.a. bei dem Spezialforschungsbereich „Zellproliferation und Zelltod in Tumoren“, Proteomik-Plattform), der Neurowissenschaften, der Krebsforschung sowie der molekularen und funktionellen Bildgebung. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck in der hochkompetitiven Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Rückfragen
Prof. Andreas Villunger, PhD
BIOCENTER
Division of Developmental Immunology/Sektion für Entwicklungsimmunologie
Innsbruck Medical University
Fritz-Pregl. Str.3
A-6020 Innsbruck, Austria
Phone:+43-512-9003-70380 (or ext. 70964)
Fax:+43-512-9003-73960
Kontakt
Mag. Amelie Döbele
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Telefon: +43 512 9003 70080
Mobil: +43 676 8716 72080
public-relations@i-med.ac.at

Amelie Döbele | Medizinische Universität Innsbru
Weitere Informationen:
http://www.apoptosis.at
http://www.i-med.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie