Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verabreichung bestimmter Arzneimitteln soll für Patienten einfacher werden

14.02.2012
Saar-Universität und HIPS an BMBF-Projekt beteiligt

Arzneimittel, die sich aus biologischen Substanzen ableiten und unter anderem in der Krebs-Immuntherapie eingesetzt werden, müssen in den meisten Fällen über Spritzen verabreicht werden, was für Patienten – insbesondere bei Langzeittherapien – sehr lästig ist.

Das will das interdisziplinäre Forschungsprojekt „PeTrA“ ändern: Sein Ziel ist es, Biotherapeutika zu entwickeln, die sich in Form von Tabletten oder Sprays verabreichen lassen und überdies besser bioverfügbar sind als bisher. Das über drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es ist mit einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro ausgestattet, das etwa zur Hälfte von den drei Industriepartnern getragen wird. Am Forscherkonsortium aus Unternehmen, Forschungsinstituten und Universitäten beteiligt sind auch die Arbeitsgruppe um Juniorprofessor Marc Schneider von der Saar-Uni und das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS).

Biotherapeutika sind in der modernen Arzneimitteltherapie seit Jahren auf dem Vormarsch. Sie werden nicht wie traditionelle Medikamente chemisch hergestellt, sondern aus biologischen, meist körpereigenen Substanzen entwickelt. Bei den großen Molekülen handelt es sich beispielsweise um Proteine, Nukleinsäuren und Blutkomponenten. Die aus ihnen entwickelten Arzneimittel werden unter anderem für Krebs-Immuntherapien, zur Blutverdünnung (Heparine) oder zur Regulierung des Blutzuckerspiegels (Insuline) eingesetzt. Biopharmazeutika haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie müssen meistens per Spritze verabreicht werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Über die Darmschleimhaut und die Lunge werden die makromolekularen Wirkstoffe nur sehr schlecht in den Körper aufgenommen, außerdem können sie im Magen abgebaut werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten.

Diese Hindernisse will das im Juli 2011 gestartete Projekt „PeTrA“ überwinden: Die beteiligten Wissenschaftler wollen die hochempfindlichen Biotherapeutika in Nano- und Mikropartikel verpacken, die sie unbeschadet durch die Schleimhäute des Körpers transportieren und vor Zersetzung im Magen schützen. Diese könnten dann in Form von Sprays oder Tabletten verabreicht werden, die für Patienten gerade bei Langzeittherapien viel komfortabler sind.

Am Projekt beteiligt sind auch Forscher des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und der Universität des Saarlandes aus dem Bereich der Pharmazeutischen Nanotechnologie. „Unser Ziel ist es, die empfindlichen Moleküle effektiv in geeignete Nanopartikel zu verpacken“, erläutert Marc Schneider. Der Juniorprofessor für Pharmazeutische Nanotechnologie an der Saar-Uni will mit seiner Arbeitsgruppe verschiedene Transporter entwickeln und untersuchen, wie sich Biopharmazeutika darin verpacken lassen. „Darüber hinaus testen wir auch die Freisetzung des Wirkstoffs und bauen die Nanopartikel zu größeren Einheiten zusammen, die gezielter in der Lunge deponiert werden können“, erklärt der Juniorprofessor. Deren Testung auf Toxizität und Effektivität übernehmen dann verschiedene Projektpartner. Einer davon ist die Abteilung „Wirkstoff-Transport“ von Professor Claus-Michael Lehr am HIPS. „Wir erforschen im Rahmen des Projektes außerdem, ob sich oral eingenommene Biopharmazeutika auch als Impfstoffe eignen“, erläutert Lehr.

Die Projektpartner von PeTrA sind ein Konsortium aus Evonik Industries AG, Merck KGaA, dem High-Tech-Unternehmen für Peptid und Peptidomimetikasynthese EMC microcollections GmbH, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) mit dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB). Von Hochschulseite beteiligt sind neben der Universität des Saarlandes auch die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Nijmegen (Niederlande), das Universitätsklinikum Bonn, die Charité Berlin, die Universität Kiel und die Universität Würzburg.

PeTrA steht für „Plattform für effizienten epithelialen Transport für pharmazeutische Applikationen durch innovative partikuläre Trägersysteme“ und ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme „Effizienter Wirkstofftransport in biologischen Systemen – BioMatVital: Biotransporter“.

Kontakt:
Prof. Dr. Marc Schneider, Juniorprofessor für Pharmazeutische Nanotechnologie
Tel.: 0681 302-2438, E-Mail: marc.schneider@mx.uni-saarland.de
www.uni-saarland.de/schneider
Prof. Claus-Michael Lehr:
www.helmholtz-hzi.de/de/forschung/forschergruppen/
pharmazeutische_forschung/wirkstoff_transport/
Pressemitteilung des Projektkoordinators Evonik Industries:
http://corporate.evonik.com/de/presse/pressemitteilungen/Pages/news-details.aspx?newsid=24833
Presse und Kommunikation
Universität des Saarlandes
Gebäude A2 3, 2. OG
Postfach 151150, 66041 Saarbrücken
Tel.: 0681/302-2601
Fax: 0681/302-2609
E-Mail: presse@univw.uni-saarland.de

Gerhild Sieber | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/nc/aktuelles/presse.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie