Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ultraschall erleichtert Schmerzausschaltung

17.06.2011
Moderne Ultraschallgeräte machen den Verlauf von Nerven sichtbar.

Waren sie lange Zeit für die Regionalanästhesie zu unhandlich, nutzen Schmerztherapeuten heute tragbare Sonografie-Geräte, um treffsicher gezielt einzelne Nerven zu betäuben, sei es zum Beispiel in der Achselhöhle oder an der Wirbelsäule. So gelingt eine schmerzlose Geburt mittels Epiduralanästhesie häufiger, wenn diese unter Ultraschallsicht gelegt wird. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Obwohl es bereits seit mehr als 20 Jahren möglich ist, Nervenzellen mit Ultraschall darzustellen, hat sich die Sonografie lange nicht in der Regionalanästhesie durchgesetzt. „Lange Zeit waren die Geräte für die Anwendung in der Schmerztherapie zu unhandlich”, sagt Dr. med. Stefan Nöldeke, Vorstandsmitglied der DEGUM und Chefarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie – Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie – Venenzentrum, am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Mit zunehmender Verkleinerung und wachsender Verbreitung tragbarer hochauflösender Geräte haben sich die Voraussetzungen inzwischen deutlich verbessert. „Heute müssen wir den Patienten nicht mehr zum Ultraschallgerät transportieren”, erläutert Dr. Nöldeke: „Die Untersuchung ist auch am Krankenbett möglich.”

Bei der Regionalanästhesie führt der Schmerztherapeut mit einer Hand die Ultraschallsonde, während er mit der anderen Hand die Injektionsnadel in Richtung des Zielnerven vorschiebt. Beides, Nadel und Nerv, werden auf dem Monitor sichtbar. „Selbst die Verteilung des Betäubungsmittels im Gewebe kann verfolgt werden”, sagt Dr. Nöldeke.

Unter diesen Bedingungen gelingen Nervenblockaden auch an schwierigen Stellen, zum Beispiel die Plexusblockade in der Achselhöhle, wo eine Vielzahl von Sehnen, Blutgefäßen und Nerven neben- und übereinander verlaufen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Epiduralanästhesie in der Geburtshilfe. Für eine schmerzfreie Geburt müssen die Ärzte das Betäubungsmittel in die unmittelbare Nähe des Rückenmarks leiten. Zu diesem Zweck schieben sie eine feine Nadel zwischen zwei Dornfortsätze der Wirbelsäule etwa vier bis fünf Zentimeter vor. Die Ärzte müssen dabei darauf achten, keine Blutgefäße zu verletzen und die Rückenmarkshaut nicht zu durchstechen. „Das gelingt auch erfahrenen Anästhesisten nicht immer auf Anhieb”, berichtet Dr. Nöldeke: „Ultraschall ist hier eine willkommene Hilfe.” Die Steigerung der Erfolgsrate sei inzwischen durch Studien belegt. Im Einzelfall könnten Anfänger mit einem Ultraschallgerät sogar ihre erfahrenen Kollegen übertreffen.

Die Ultraschalluntersuchung selbst ist allerdings nicht einfach. Dr. Nöldeke: „Die optimale Darstellung der Zielstruktur gelingt nur, wenn der Untersuchende das Ultraschallgerät richtig einstellt und das Bild korrekt bewertet.” Die DEGUM organisiert deshalb Fortbildungen für interessierte Schmerztherapeuten. Mit den Zertifikaten können diese ihre Fähigkeiten auch gegenüber ihren Patienten dokumentieren.

Quellen:
Schnabel A, Schuster F, Ermert T, Eberhart LH, Metterlein T, Kranke P.
Ultrasound Guidance for Neuraxial Analgesia and Anesthesia in Obstetrics: a Quantitative Systematic Review.

Ultraschall in der Medizin 2010; doi: 10.1055/s-0029-1245724

Schwemmer, U.; Markus, C. K.; Brederlau, J.; Schuster, F.; Redel, A.; Roewer, N.:
Einsatz von Ultraschall zur Durchführung peripherer Nervenblockaden
Use of Ultrasound in Peripheral Nerve Blocks
Ultraschall in Med 2009; 30: 6-24
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Julia Hommrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-423
Fax: 0711 8931-167
hommrich@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics