Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen: Affinität der Antikörper ist entscheidend

10.03.2014

Anhand der Affinität der Antikörperreaktion gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) können Patienten mit LADA – einer Form des autoimmunen Typ-1-Diabetes im Erwachsenenalter – von Patienten mit nicht-autoimmunem Typ-2-Diabetes unterschieden werden. GAD-Antikörper mit hoher Affinität treten bei Patienten auf, die nur noch wenig eigenes Insulin produzieren und schon nach relativ kurzer Zeit eine Insulintherapie benötigen, berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der Fachzeitschrift ‚Diabetes Care‘.

Anhand der Affinität der Antikörperreaktion gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) können Patienten mit LADA – einer Form des autoimmunen Typ-1-Diabetes im Erwachsenenalter – von Patienten mit nicht-autoimmunem Typ-2-Diabetes unterschieden werden.

GAD-Antikörper mit hoher Affinität treten bei Patienten auf, die nur noch wenig eigenes Insulin produzieren und schon nach relativ kurzer Zeit eine Insulintherapie benötigen, berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der Fachzeitschrift ‚Diabetes Care‘.

LADA (latent autoimmune diabetes in adults) ist eine Form des Typ-1-Diabetes im Erwachsenalter. Wie bei der kindlichen Form werden die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Immunsystem zerstört.

Der Krankheitsverlauf ist jedoch schleichend, die klinische Manifestation erfolgt erst nach dem 30. Lebensjahr und die Patienten benötigen zu Beginn der Erkrankung noch keine Insulintherapie zur Blutzuckereinstellung. Die Unterscheidung zwischen LADA und Typ-2-Diabetes ist deshalb oft schwierig.

Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), haben nun untersucht, inwiefern die Affinität von GAD-Antikörpern, als ein Maß für den Reifegrad der Immunantwort, die Klassifikation des Diabetes im Erwachsenenalter verbessert. Darüber hinaus wollten Sie herausfinden, ob eine Impfung mit GAD die Antikörper-Affinität beeinflusst.

Hohe Antikörper-Affinität identifiziert Typ-1-Diabetes

Gemeinsam mit nationalen und internationalen Kollegen untersuchte das Team um PD Dr. Peter Achenbach, Stephanie Krause und Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler die GAD-Antikörper-Affinität bei 46 LADA-Patienten, die an einer GAD-Impfstudie teilgenommen hatten. Den Studienteilnehmern wurde GAD in verschiedener Dosierung oder ein Placebopräparat unter die Haut injiziert, um eine Toleranz des Immunsystems gegen die Betazellen zu induzieren.

Interessanterweise variierte die GAD-Antikörper-Affinität bereits vor Beginn der Behandlung erheblich, sodass Patienten mit hoher und niedriger Affinität unterschieden werden konnten. Die Patienten mit hoher GAD-Antikörper-Affinität wiesen eine geringe Insulinproduktion auf, passend zu einer fortgeschrittenen autoimmunen Zerstörung der Betazellen.

Diese Patientengruppe benötigte häufig schon nach relativ kurzer Zeit eine Insulintherapie. Patienten mit niedriger Affinität zeigten dagegen eine deutlich höhere Insulinproduktion, die über einen Zeitraum von 30 Monaten konstant blieb. Die GAD-Antikörper-Affinität wurde durch die Impfung mit GAD nicht beeinflusst.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die GAD-Antikörper-Affinität ein wertvoller neuer diagnostischer Marker bei LADA-Patienten ist. Wir können – ähnlich wie beim kindlichen Typ-1-Diabetes – Vorhersagen über den Krankheitsverlauf treffen und die Therapiemaßnahmen entsprechend anpassen“, erklärt Studienleiter Achenbach. „Die Antikörper-Affinität sollte nun auch in klinischen Studien bei LADA-Patienten berücksichtigt werden.“

Neben dem Helmholtz Zentrum München waren das Center for Regenerative Therapies der TU Dresden, ein weiterer Partner des DZD, sowie das Skane Universitätshospital, Schweden an den Arbeiten beteiligt.

Lesen Sie hier mehr zu Typ-1-Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München:http://www.helmholtz-muenchen.de/diabetes/news/index.html

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Diabetes-Studien am Helmholtz Zentrum München/ Technische Universität München finden Sie unter: http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net/index.php/betroffenen-info/studie...

Original-Publikation:
Krause, S. et al. (2014): GAD Autoantibody Affinity in Adult Patients with Latent Autoimmune Diabetes, the Study Participants of a GAD65 Vaccination Trial, Diabetes Care, doi: 10.2337/dc13-1719

Link zur Fachpublikation: http://care.diabetesjournals.org/content/early/2014/03/04/dc13-1719.abstract

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. www.helmholtz-muenchen.de

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universitätsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. www.dzd-ev.de

Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Entstehung und Prävention von Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes als Spätfolge eines Gestationsdiabetes. Ein vorrangiges Projekt ist die Entwicklung einer Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes. In groß angelegten Langzeitstudien untersucht das IDF den Zusammenhang von Genen, Umweltfaktoren und Immunsystem für die Pathogenese von Typ 1 Diabetes. Mit den Daten der Geburtskohorte BABYDIAB, die 1989 als weltweit erste prospektive Diabetes-Geburtskohorte etabliert wurde, konnten Risikogene sowie Antikörperprofile identifiziert werden. Diese lassen Vorhersagen über Entwicklung und Ausbruch von Typ 1 Diabetes zu und werden die Klassifizierung und den Diagnosezeitpunkt verändern. Das IDF ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC). 

Ansprechpartner für die Medien
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2238 - Fax: 089-3187-3324 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Diabetesforschung, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-3405 - E-Mail: anette-g.ziegler@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:

http://care.diabetesjournals.org/content/early/2014/03/04/dc13-1719.abstract
http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net/index.php/betroffenen-info/studie...
http://www.helmholtz-muenchen.de/diabetes/news/index.html
http://www.helmholtz-muenchen.de
http://www.dzd-ev.de

Susanne Eichacker | Helmholz Zentrum München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie