Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumororthopädie: UKM-Mediziner entwickelt weltweit erstes Labormodell für Riesenzelltumoren des Knochens

22.06.2009
Dr. Maurice Balke erhält europäischen Forschungspreis / Chance zur Entwicklung neuer Therapieansätze

Zum weltweit ersten Mal ist es an der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie des Universitätsklinikums Münster (UKM) gelungen, ein Labormodell für Riesenzelltumoren des Knochens zu entwickeln.

Der Mediziner Dr. Maurice Balke nutzte dazu das Gewebe von speziell präparierten Hühnereiern zur Entwicklung des Labormodells. "Mit diesem zukunftsweisenden Modell ist jetzt erstmals möglich, die biologischen Grundlagen der Riesenzelltumoren auf diesem Weg im Labor zu erforschen und neue Therapieansätze zu entwickeln.

Ein Schwerpunkt wird dabei sicher die Entwicklung und Prüfung neuer Medikamente sein, ohne dass hierfür Tierversuche nötig sind", bewertet Prof. Dr. Georg Gosheger den Erfolg, den er als "bahnbrechend" beschreibt. Bislang sind die zugrunde liegenden Mechanismen bei dieser Art der Tumorentwicklung, insbesondere der Metastasenentstehung, nur sehr wenig bekannt. Das werde sich nun ändern.

Dr. Balke gelang es in zweieinhalb Jahren intensiver Forschungsarbeit, das Tumorgewebe in der Membran speziell präparierter Hühnereier zum Wachstum zu bringen, und so die Grundlage für das biologische Labormodell der Riesenzelltumoren zu entwickeln. Dr. Balke: "Bisher war es nicht möglich, diese Tumoren, etwa in Zellkulturen, anzuzüchten und sie dadurch zu erforschen." Die so genannte Chorioallantois-Membran des Hühnereis ist seit vielen Jahren ein gängiges Labormodell besonders zur Untersuchung der Gefäßentwicklung. Für Knochentumoren wurde dieses Modell bislang jedoch nicht eingesetzt.

Ein Grund für den jetzigen Erfolg lag sicher in der engen Zusammenarbeit mit den Instituten am UKM, aber auch mit verschiedenen Kooperationspartnern in ganz Europa. Zu den Kooperationspartnern zählen die Abteilung "Molekulare Pathologie" des Gerhard-Domagk-Institutes für Pathologie am UKM, das auf Gefäßentwicklung spezialisierte INSERM-Forschungslabor der Universität Bordeaux in Frankreich, die Abteilung für Pathologie an der Universität Leiden in den Niederlanden und die Abteilung für Pathologie der Universität Oxford in England. Unterstützt wird die Arbeit zudem durch "EuroBoNeT", ein von der Europäischen Kommission gefördertes "Network of Excellence" zur Erforschung der pathologischen und genetischen Grundlagen von Knochentumoren.

Prof. Gosheger: "Riesenzelltumoren des Knochens sind meist gutartige, aber lokal sehr aggressiv wachsende Tumoren, charakterisiert durch wachsende Zerstörung des Knochens und leider hohe Rückfall-Raten. In einigen Fällen muss der Tumor großflächig operativ entfernt werden. Dies hat den Einsatz spezieller Prothesen zur Folge. Die Fortentwicklung z.B. von speziellen Wachstumsprothesen zählt daher zu den Schwerpunkten unserer Klinik. Gleichzeitig wollen wir aber auch andere Therapieoptionen erforschen. Hier ist uns nun ein gewaltiger Schritt gelungen." Die Klinik für Orthopädie und Tumororthopädie am UKM zählt zu den größten Tumorzentren dieser Art in Europa.

Die Arbeit an der Entwicklung des neuen Modells erfolgte in mehreren Schritten. Dr. Balke: "Die übliche Behandlung von Patienten mit Riesenzelltumoren des Knochens besteht aus einer operativen Entfernung des Tumors. Von dem entfernten Gewebe wird, natürlich nur mit Einverständnis und ausführlicher Information der Patienten, ein kleiner Teil direkt in der Abteilung für Molekulare Pathologie verarbeitet, so dass es in die zuvor vorbereiteten befruchteten Hühnereier implantiert werden kann. Dort wachsen die Tumoren dann auf der Gefäßmembran und können während des Wachstumsprozesses untersucht werden. Nach ca. einer Woche Wachstum folgen dann weitere Untersuchungen des Gewebes. Zu diesen Zwecken werden Proben unter anderem an verschiedene Labore in Leiden, Bordeaux und Oxford geschickt. Der nächste Schritt ist dann der Test von Medikamenten an diesen Proben im Labor - und das sicher schon in naher Zukunft."

Für seinen Erfolg wurde Dr. Maurice Balke bereits ausgezeichnet: Im Mai erhielt er von der "European Musculo-Skeletal Oncology Society" (EMSOS) den Europapreis für die beste wissenschaftliche Arbeit in der Grundlagenforschung zur Behandlung von Tumoren des Bewegungsapparates.

"Unser Ziel ist es, erstklassige Patientenversorgung zu bieten und durch zielgerichtete Forschung diese Versorgung auch permanent auszubauen. Mit der Arbeit von Dr. Balke eröffnen sich dadurch ganz neue Möglichkeiten, von denen zukünftig auch unsere Patienten profitieren werden", betont Prof. Gosheger.

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://orthopaed.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

17.01.2017 | Physik Astronomie

Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

17.01.2017 | Geowissenschaften

Kieselalge in der Antarktis liest je nach Umweltbedingungen verschiedene Varianten seiner Gene ab

17.01.2017 | Biowissenschaften Chemie