Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Telemedizin: Landesweite Koordinierungsstelle in Baden-Württemberg eingerichtet

04.06.2014

Um die Rahmenbedingungen für die Telemedizin im Land nachhaltig zu verbessern, fördert das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg mit 600.000 Euro den Aufbau einer landesweiten Koordinierungsstelle für ein „Zentrales Innovatives Netzwerk der Telemedizin-gestützten Versorgung Baden-Württemberg“.

„Die durch Telemedizin gestützte Versorgung und Behandlung muss künftig besser an Kriterien der ‘evidenzbasierten Medizin’ angepasst werden, also belegen, dass sie vorteilhafter oder gleichwertig und kostengünstiger ist als bisherige Methoden. Nur so können telemedizinische Technologien zum Wohl der Patienten entscheidend vorangebracht werden“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Die Koordinierungsstelle solle dafür sorgen, dass Telemedizinprojekte Prototypenentwicklung und Pilotphase überdauern und langfristig die Chance erhalten, als evidenzbasierte Medizin anerkannt und in die Regelversorgung überführt zu werden, so die Ministerin.

„Telemedizin bietet angesichts des demografischen Wandels gerade im ländlichen Raum die Chance auf eine bessere Versorgung chronisch kranker Menschen“, ergänzte Gesundheitsministerin Altpeter.

Die Koordinierungsstelle soll die in Baden-Württemberg vorhandene Kompetenz in der Telemedizin bündeln und als Ansprechpartner für alle dienen, die ein Projekt im Bereich der Telemedizin planen oder Partner für Telemedizinprojekte suchen.

Sie soll Mittler zwischen medizinischen Einrichtungen, Herstellern von Medizinprodukten, Verbänden und Patienten sein, um die Entwicklung telemedizinischer Anwendungen und Geräte und deren Implementierung in die medizinische Versorgung voranzubringen. Sie wird telemedizinische Projekte von der frühen Phase an unterstützen, um deren Nachhaltigkeit zu sichern.

Angesiedelt ist sie am Institut für Medizintechnologie (IMT), einer gemeinsamen Einrichtung der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim. Die Förderung durch das Wissenschaftsministerium dient als fünfjährige Anschubfinanzierung, danach soll sich die Koordinierungsstelle als Verein selbst tragen.

Neben dem Land Baden-Württemberg leisten auch das Universitätsklinikum Mannheim, die Stadt Mannheim, sowie die Landesagentur BIOPRO Baden-Württemberg GmbH organisatorische und fachliche Unterstützung. Leiter der Koordinierungsstelle ist Prof. Dr. Gerald Weisser, der als Mediziner und Physiker dem Geschäftsfeld Informationstechnik und Qualitätssicherung am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mannheim vorsteht und seit 15 Jahren Telemedizin-Projekte koordiniert.

Die Koordinierungsstelle wird eng mit der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg zusammenarbeiten, die gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg ein Qualitätsmanagementhandbuch mit Empfehlungen für die nachhaltige Implementierung der Qualitätssicherung im Bereich der Telematik in Baden-Württemberg erarbeitet. Die Forschungsarbeiten hierzu werden für eineinhalb Jahre mit zusätzlich 130.000 Euro aus Landesmitteln gefördert.

Hintergrundinformation für die Redaktionen:

Bei vielen Telemedizinprojekten hat sich gezeigt, dass sie nicht über die Pilotphase hinauskommen. Dies hat auch eine in 2013 im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführte Studie belegt. Es fehlt die Anschlussfinanzierung durch die Gesetzliche Krankenversicherung, da es bislang keine Abrechnungsziffern für die Vergütung ambulanter telemedizinischer Leistungen gibt.

Ein Grund hierfür ist, dass Telemedizin-gestützte Versorgungs- und Behandlungsmethoden bisher nur vereinzelt zeigen konnten, dass sie Vorteile für die Patienten bringen bzw. zumindest gleichwertig sind oder die Behandlung kostengünstiger gestalten. Davon sind auch Hersteller von Medizinprodukten in Baden-Württemberg betroffen. Ihnen fehlt daher der Absatzmarkt und sie investieren nicht weiter in Innovationen.

Leitprojekte, die zeigen wollen, dass Telemedizin-gestützte Behandlungsmethoden Zukunftspotential besitzen, müssen unter anderem den Datenschutz beachten, die Qualität der ärztlichen Leistungen sichern, wobei gleichzeitig spezifische Qualitätssicherungsstandards für telemedizinische Leistungen einzuhalten sind, sowie Vorgaben des Medizinprodukte-rechts berücksichtigen. Hinzu kommen noch technische Anforderungen, beispielsweise das Sicherstellen der Migrationsfähigkeit in die Telematikinfrastruktur der jeweiligen Nutzer.

Biljana Bojic | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.mwk.bwl.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE