Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Strom gegen Bluthochdruck - Methode erstmals in Sachsen-Anhalt angewendet: Verödung von Nierennerven

08.02.2011
Obwohl zunächst keine Symptome auftreten, ist die Hypertonie (Bluthochdruck) weltweit der Risikofaktor Nummer 1 für einen frühzeitigen Tod und betrifft etwa ein Drittel der Erwachsenen.

Klinische Studien zeigen nun, dass eine neue katheterbasierte Behandlung von Bluthochdruck zu einer deutlichen und nachhaltigen Senkung des Blutdrucks führt. Erstmals in Sachsen-Anhalt führte Dr. Alexander Plehn, Kardiologe der Universitätsklinik für Innere Medizin III, erfolgreich eine beidseitige Nierenarterienablation („renale Sympathikusablation“) zur Behandlung von Bluthochdruck bei vier Patienten durch.

Schlaganfall, Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen in den Beinen - am Anfang solcher Erkrankungen steht meist ein zu hoher Blutdruck. Bluthochdruck, auch als „leiser Killer“ bezeichnet, ist die Volkskrankheit schlechthin und eine der häufigsten Todesursache in Deutschland. Bei Patienten die an einem schweren Bluthochdruck leiden, ist die Regulation des sympathischen Nervensystems („Stressnerven“) häufig gestört und die Niere schüttet in Folge dessen vermehrt Stresshormone wie beispielsweise Adrenalin aus. Diese überaktiven Nierennerven, die den Bluthochdruck verursachen, können neuerdings per Katheter mittels Hochfrequenzstrom verödet und somit ausgeschaltet werden.

Auf dem kürzlich veranstalteten Kongress der American Heart Association in Chicago wurden Ergebnisse einer internationalen Studie vorgestellt, die den Erfolg der Methode belegen. Eine Veröffentlichung erfolgte in dem renommierten Fachmagazin "The Lancet".

„Dieser minimal-invasive Eingriff dauert etwa 30-60 Minuten, wird unter örtlicher Betäubung ähnlich einer Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und ist als risikoarm anzusehen“, sagt der Kardiologe. Nach dem Eingriff kommt es in den folgenden Monaten zu einer erheblichen Blutdrucksenkung von durchschnittlichen etwa 30 mmHg systolisch und 12 mmHg diastolisch.

Das Verfahren wird derzeit bei Patienten eingesetzt, die trotz einer medikamentösen Mehrfachkombination (mindestens drei Medikamente) noch immer Blutdruckwerte über 150mmHg haben. Die Zulassungsstudien, so Dr. Plehn, zeigen einen dauerhaften Effekt der Behandlung (Nachbeobachtungszeitraum zwei Jahre).

Es sei bekannt, dass sich die Wahrscheinlichkeit an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zu versterben über einen Zeitraum von zehn Jahren jede 20mmHg Blutdrucksteigerung über normal (120mmHg) verdoppelt. Im Umkehrschluss gehen bereits geringe Senkungen des Bluthochdrucks mit deutlich weniger Schlaganfällen und Herzinfarkten einher.

Die medikamentöse Therapie steht seit Jahrzehnten im Zentrum der Hypertoniebehandlung. Trotz einer Vielzahl verfügbarer Bluthochdruck-mittel haben etwa 60 Prozent der behandelten Patienten weiterhin erhöhte Blutdruckwerte über 140mmHg. „Diese Patienten sind auf Dauer einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko ausgesetzt, weshalb innovative alternative Therapieansätze notwendig sind.“

Bisher in nur wenigen Zentren weltweit verfügbar, stellt die Nierenarterienablation ein vielversprechendes therapeutisches Konzept dar. Die Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III (Direktor Professor Dr. Karl Werdan) betreut zusammen mit der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin II (Direktor Professor Dr. Matthias Girndt) seit vielen Jahren Patienten mit schwer kontrollierbaren Bluthochdruckerkrankungen und eröffnet mit der renalen Sympathikusablation als erstes Zentrum in Sachsen-Anhalt diesen Patienten ein neues Therapiekonzept, das zudem eine relativ geringe Komplikationsrate aufweist. Dr. Plehn: „Es wird erwartet, dass Spätschäden des Bluthochdrucks, wie Schlaganfälle, Herzinfarkte und Nierenversagen gemindert werden können.“ Durch die Blutdrucksenkung könnte es zu einer langsamer fortschreitenden Nierenfunktionsstörung kommen.

Über Hypertonie (Bluthochdruck)

Fast die Hälfte der Europäer leidet an Bluthochdruck und in den Vereinigten Staaten sind etwa 75 Millionen Menschen betroffen, nur zwei Drittel von ihnen werden behandelt. Von den Behandelten erreicht etwa die Hälfte nicht die Zielblutdruckwerte. Die Medikamente, die häufig zur Behandlung von Bluthochdruck verschrieben werden, müssen täglich für die gesamte Lebenszeit eines Patienten genommen werden, dies kann teuer werden und ist oft mit Nebenwirkungen verbunden, die sich negativ auf die Lebensqualität auswirken. Weltweit betragen die geschätzten jährlichen Gesundheitskosten, die direkt mit Bluthochdruck zusammenhängen, etwa 500 Milliarden Dollar.

Jens Müller
Unternehmenskommunikation
Leiter und Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)
Tel.: (0345) 557-1032
Fax: (0345) 557-5749

Jens Müller | Universitätsklinikum Halle
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise