Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stereotaxie: Präzisionsbestrahlung bei Krebs erhöht Heilungschancen trotz Metastasen

02.07.2014

Fernmetastasen von Krebstumoren wurden in der Vergangenheit nur bestrahlt, um Schmerzen oder andere Symptome zu lindern.

Inzwischen ermöglichen moderne Bestrahlungstechniken punktgenaue „stereotaktische“ Eingriffe, die Metastasen auch dort beseitigen, wo eine chirurgische Operation zu riskant wäre. Bei bestimmten Krebsarten dürfen die Patienten dadurch sogar auf ein Langzeitüberleben hoffen, erklären Experten im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) vom 3. bis 6. Juli in Düsseldorf.

Stereotaktische Operationen wurden ursprünglich von Hirnchirurgen entwickelt, um millimetergenau Metastasen oder Hirntumoren entfernen zu können, ohne das umgebende Gewebe stark zu schädigen.

Heute kommen die Ärzte ohne Skalpell aus. DEGRO-Tagungspräsident Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, erläutert: „Moderne Bestrahlungsgeräte richten die Strahlen von mehreren Seiten auf ihr Ziel und zerstören wie ein Brennglas den Tumor, während das umgebende Gewebe geschont wird.“

Das Verfahren heißt stereotaktische Strahlentherapie (Stereotaxie) und wird nach Auskunft von Professor Dr. med. Stephanie E. Combs, Direktorin der Klinik und Poliklinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie am Klinikum rechts der Isar in München, nicht mehr nur bei Hirnmetastasen eingesetzt.

„Auch Metastasen am Körperstamm, etwa in der Lunge, können auf diese Weise unblutig entfernt werden“, erläutert die Expertin. Die Stereotaxie kann hierbei an einem Behandlungstag (Radiochirurgie), oder verteilt auf mehrere Behandlungstage (Fraktionierte Stereotaktische Strahlentherapie) eingesetzt werden.

Bei einem weiteren Verfahren, der intensitätsmodulierten Strahlentherapie (IMRT), die durch moderne Bestrahlungsgeräte eine vergleichbar hohe Genauigkeit gewährleisten kann, können die Ärzte, sofern dies notwendig ist, auch die Strahlendosis innerhalb des Tumors variieren. Bei diesen Geräten ist moderne Strahlentherapie mit Bildgebung kombiniert.

Dabei legen die Mediziner auf dem Monitor fest, welche Regionen sie bestrahlen wollen. Bildgeführte Strahlentherapie (Image Guided Radiotherapy) nennen die Radioonkologen dieses Verfahren. „Dabei ist es sogar möglich, mehrere Metastasen gleichzeitig zu behandeln“, berichtet Professor Combs: „Die technischen Möglichkeiten haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert.“

Neue Erkenntnisse in der Tumorbiologie haben zudem Vorgehensweise und Therapieplanung geschärft, erklärt die Expertin aus München: „Metastasierung ist nicht gleich Metastasierung. Bei einigen Tumorarten schreitet die Fernmetastasierung sehr rasch voran und es kommen immer wieder neue Areale hinzu.“ Bei diesen Tumoren habe der Patient nicht immer Vorteile von der High-Tech-Strahlentherapie. Es gebe aber auch Tumore mit einem langsameren Ausbreitungsmuster, die nur an bestimmten Orten vereinzelte Metastasen bilden. Die Expertin spricht von einer Oligometastasierung (oligo gr. wenige). „Genau diese Patienten profitieren von einer gezielten Strahlentherapie“, erklärt sie.

Als Beispiel nennt Professor Combs Patienten mit Lungentumoren, Prostatakarzinomen oder Brustkrebs. In diesen Fällen können Operationen manchmal extrem riskant sein. Die Gefahr, dass der Patient den Eingriff nicht überlebt, ist dann hoch. Eine Hochpräzisionsstrahlentherapie sei hier für den Patienten sicherer und genauso effektiv wie eine Operation.

„Bei einer begrenzten Anzahl von Metastasen kann die Strahlentherapie durchaus zu einem Langzeitüberleben führen“, ergänzt Professor Combs. Doch auch hier müssen die Voraussetzungen stimmen. „Wir benötigen exakte und präzise Informationen über die Größe und Ausbreitung der Metastasen. Erst wenn diese Informationen belegen, dass die Strahlentherapie eine Erfolgschance hat, wird die Behandlung durchgeführt.“

Literatur:
Ashworth AB et al., An Individual Patient Data Metaanalysis of Outcomes and Prognostic Factors After Treatment of Oligometastatic Non-Small-Cell Lung Cancer. 2014 May 15. pii: S1525-7304(14)00077-1. Abstract
Ashworth AB et al., Is there an oligometastatic state in non-small cell lung cancer? A systematic review of the literature. Lung cancer 2013. Lung Cancer. 2013 Nov;82(2):197-203.
De Vin T et al., Stereotactic radiotherapy for oligometastatic cancer: a prognostic model for survival. 2014 Feb;25(2):467-71. Abstract

Terminhinweise:
Pressekonferenz anlässlich der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie
Termin: Donnerstag, 3. Juli 2014, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 12
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf

Symposium: Extrakranielle Stereotaxie bei Oligometastasierung
Vorsitz: R. Engenhart-Cabillic (Marburg), M. Kocher (Köln)
Termin: Samstag, 5. Juli 2014, 14:30 bis 16:00 Uhr
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 2
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter www.degro.org/degro2014

Kongress-Pressestelle:
Dagmar Arnold/ Lisa-Marie Ströhlein
0711 8931 380/ -459
arnold@medizinkommunikation.org
stroehlein@medizinkommunikation.org

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont. 

Weitere Informationen:

http://www.degro.org/degro2014

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise