Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Starker Anstieg der Gelenkoperationen

26.02.2009
Gesundheitswesen: Regionale Unterschiede in der Versorgung

Eine systematische Auswertung der in der Schweiz vorgenommenen orthopädischen Eingriffe hat aufgezeigt, dass die Anzahl Knie- und Schulteroperationen viel mehr angestiegen ist als das wachsende Durchschnittsalter der Bevölkerung erwarten liesse. Zudem schwanken diese Eingriffe regional sehr stark.

Zu diesem Schluss kommt ein Projekt des Nationalen Forschungsprogramms "Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen" (NFP 53).

In den Jahren 2002 bis 2005 wurden in der Schweiz insgesamt über eine halbe Million Operationen durchgeführt, um den Stütz- und Bewegungsapparat zu erhalten oder wiederherzustellen. Darin inbegriffen sind chirurgische Eingriffe an Hüfte, Wirbelsäule sowie Knie- und Schultergelenken. Nun hat im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen" (NFP 53) eine Forschungsgruppe in Bern die zeitlichen und regionalen Schwankungen solcher Eingriffe untersucht *.

Über ein Viertel mehr ersetzte Gelenke
Die Wissenschaftler analysierten, wie sich die Anzahl Eingriffe pro Tausend Einwohner während eines Jahres, das heisst die Eingriffsraten, mit der Zeit veränderten. Sie erwarteten aufgrund des wachsenden Durchschnittsalters der Bevölkerung einen leichten Zuwachs der Eingriffe. Den fanden sie bei Operationen vor, die nach Frakturen des Oberschenkelhalses nötig werden.

Zwischen 2002 und 2005 pendelte die Anzahl zwischen 7000 und 7500 solcher Eingriffe pro Jahr. Insgesamt ist die Rate um drei Prozent angestiegen. Sie eignet sich laut den Wissenschaftlern besonders gut, um das wachsende Durchschnittsalter der Bevölkerung abzubilden, weil die Diagnose von Oberschenkelhalsbrüchen eindeutig ist und solche Brüche fast ausnahmslos operiert werden müssen.

Ganz anders sieht es bei der Entwicklung der Gelenkersatzoperationen aus. Während 2002 knapp 19'000 Gelenke ersetzt wurden, waren es 2005 schon mehr als 24'000 solcher Operationen. Im gleichen Zeitraum sind die Eingriffsraten für den Ersatz von Knie und Schulter durch künstliche Gelenke um 36, beziehungsweise 45 Prozent gewachsen - also weit stärker, als aufgrund der Alterung der Bevölkerung zu erwarten gewesen wäre.

Mehr Transparenz in der Versorgung
Die Forscher unterteilten zudem die Schweiz in 83 verschiedene Spitaleinzugsgebiete, und verglichen deren Eingriffsraten. Die Raten für Gelenkersatzoperationen variieren dabei zwischen knapp einem Eingriff pro 1000 Einwohner pro Jahr bis über drei Eingriffe. Eine noch viel stärkere Variation haben die Wissenschaftler bei Raten von Knie- und Schultergelenkspiegelungen - so genannten Arthroskopien - gefunden.

Während die Ärzte in einem Einzugsgebiet beispielsweise nur eines von zehntausend Schultergelenken arthroskopisch untersuchten, fanden andernorts zur selben Zeit knapp 40 solcher Spiegelungen statt.

Dass in einigen Regionen 40 Mal weniger Leute an Schulterproblemen leiden als in anderen, scheint wenig plausibel. Starke Ungleichheiten geben Hinweise für die Ineffizienz des Gesundheitssystems. Die festgestellten Unterschiede verweisen daher auf die Notwendigkeit, allgemein gültige, klinische Richtlinien für orthopädische Eingriffe festzulegen, und dadurch die optimale Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Über die Ursachen für die regionale Variation der Eingriffsraten und die Zunahme insbesondere der Gelenkersatzoperationen lässt sich derzeit nur spekulieren. Mit der neu entwickelten Methode steht aber ein zentrales Instrument zur Verfügung, um Ungleichheiten in der medizinischen Versorgung der Schweiz aufzuzeigen. Dieses kann nun auch für weitere Operationen ausserhalb der Orthopädie eingesetzt werden.

* Marcel Widmer, Pius Matter, Lukas Staub, Franziska Schoeni-Affolter, and André Busato: Regional variation in orthopedic surgery in Switzerland. Health & Place (2009), doi:10.1016/j.healthplace.2008.12.009.

Kontakt:
Mathis Brauchbar
Umsetzungsbeauftragter des NFP 53
Tel.: +41 (0)79 407 93 62
E-Mail: brauchbar@advocacy.ch
Nationales Forschungsprogramm "Muskuloskelettale Gesundheit - Chronische Schmerzen" (NFP 53)

Die Gesundheit des Bewegungsapparats ist für das Schweizer Gesundheitswesen von grosser Bedeutung: Rund ein Drittel aller Arztkonsultationen geht auf Beschwerden im Bewegungsapparat zurück. Das Nationale Forschungsprogramm "Muskuloskelettale Gesundheit - chronische Schmerzen" (NFP 53) will die Gesundheit des Bewegungsapparats in der Schweizer Bevölkerung erforschen und Möglichkeiten entwickeln, wie diese verbessert werden kann.

Regionale Eingriffsraten für Schulterarthroskopien sind auf folgender Website abrufbar: http:///www.healthatlas.unibe.ch/index.php?id=518

Weiterführende Informationen zur Gesundheitsversorgung in der Schweiz:
http://www.healthatlas.unibe.ch

Mathis Brauchbar | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.nfp53.ch
http://www.healthatlas.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten