Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwanger mit Epilepsie: Das Risiko fürs ungeborene Kind minimieren

12.08.2011
Ärzte können mit der richtigen Medikamentenauswahl für schwangere Epilepsie-Patientinnen das Risiko für das Kind reduzieren. Neue Daten des EURAP Epilepsie- und Schwangerschaftsregisters, die in der Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlicht wurden, zeigen die Risikoprofile der vier am häufigsten verschriebenen Medikamente gegen Epilepsie.

Die Auswertung von fast 4000 Schwangerschaften in 42 Ländern durch Wissenschaftler um Prof. Torbjörn Tomson (Karolinska Institut, Stockholm) bestätigte zwar, dass alle vier Epilepsie-Medikamente bei hoher Dosierung das Risiko von Geburtsfehlern erhöhen können.

„Insgesamt kann jedoch bei einer niedrig dosierten Therapie mit einem einzigen Medikament von einem Missbildungsrisiko ausgegangen werden, dass die Entscheidung für ein Kind nicht wesentlich beeinflussen sollte“, schätzt Professor Christian Elger von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, die Ergebnisse ein.

Etwa drei von tausend Schwangeren sind Epilepsie-Patientinnen. Da unvorhersehbar auftretende Krampfanfälle vor allem die Mutter und damit auch das Kind gefährden können, müssen die meisten Patientinnen ihre Medikamente auch in der Schwangerschaft weiter einnehmen. Gleichzeitig können die Arzneien aber das Risiko für Fehlbildungen erhöhen. „Die neuen Daten helfen dem behandelnden Arzt, das Risiko für Mutter und Kind so gering wie möglich zu halten“, erklärt Elger (Foto), der an der Universität Bonn die Klinik für Epileptologie leitet.

Es zeigte sich, dass mit dem in Deutschland am häufigsten verschriebenen Wirkstoff Lamotrigin bei einer Dosierung von unter 300 Milligramm täglich die geringste Rate an Fehlbildungen auftrat. Mit zwei Prozent liegt diese Rate allerdings noch im Spektrum gesunder Frauen ohne Medikament, genauso wie Carbamazepin in einer Dosierung von weniger als 400 Milligramm und einer Fehlbildungsrate von 3,4 Prozent. Deutlich höher fiel sie unter Phenobarbital und Valproinsäure aus, wo bei niedriger Dosierung 5,4 bzw. 5,6 Prozent Fehlbildungen beobachtet wurden. Dies liegt laut englischem Schwangerschaftsregister etwa ein Prozent über der Rate von epilepsiekranken Schwangeren ohne Medikamenteneinnahme, bei denen die unbehandelten Krampfanfälle zu Problemen führen können. Zudem fanden die Wissenschaftler bei allen vier Medikamenten in höheren Dosierungen mehr Fehlbildungen, besonders bei dem Wirkstoff Valproinsäure. Die Auswertung zählte alle Fehlbildungen, die bis zu einem Jahr nach der Geburt beobachtet werden konnten, einschließlich solcher Fälle, die zu einem Schwangerschaftsabbruch führten.

Wichtiges Thema auf dem Neurologenkongress
Die Behandlung der Epilepsie wird auch auf dem 84. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 28. September bis 1. Oktober in Wiesbaden eine wichtige Rolle spielen. Unter anderem wird es ein Videoforum mit Fallvorstellungen und einen interaktiven Kurs zu Therapiestrategien bei Epilepsie und anderen Anfallsleiden geben. Auf der Pressekonferenz am Freitag, dem 30. September werden außerdem aktuelle Ergebnisse der Grundlagenforschung diskutiert und ein Ausblick auf Neurostimulationsverfahren als mögliche Therapie der Zukunft geboten. Zum Welt-Epilepsie-Tag am 5. Oktober organisiert die Epilepsie-Selbsthilfe mit der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie und weiteren Verbänden einen bundesweiten Aktionstag.
Quelle:
Tomson T et al. Dose-dependent risk of malformations with antiepileptic drugs: an analysis of data from the EURAP epilepsy and pregnancy registry. Lancet Neurol. 2011 Jul;10(7):609-617
Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. med. Christian E. Elger (FRCP)
Leiter der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straβe 25
53105 Bonn
Tel.: 0228-287-15727
E-Mail: christian.elger@ukb.uni-bonn.de
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

http://www.dgn.org

Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Neurologie 1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang Oertel
Reinhardtstr. 14 2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Heinz Reichmann
10117 Berlin 3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
Tel: +49 (0)30- 531437-930 Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Fax: +49 (0)30- 531437-939
E-Mail: info@dgn.org
Ansprechpartner für die Medien
Pressestelle: Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22,
E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org/pressemitteilungen/1744-schwanger-mit-epilepsie-das-risiko-fuers-ungeborene-kind-minimieren.html
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21652013

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften