Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnelltest für Asthma auf dem Prüfstand

29.04.2009
Neues Analyseverfahren auf Stickstoff-Monoxid kann Diagnose erleichtern, ist aber noch zu ungenau und teuer / Heidelberger Wissenschaftler veröffentlichen Studie in "Respiratory Research"

Mit einem neuen und einfachen Schnelltest kann der Hausarzt innerhalb weniger Minuten prüfen, ob sein Patient an Asthma leidet. Er bestimmt den Gehalt von Stickstoff-Monoxid (NO) in der Atemluft, der bei Asthmatikern erhöht ist. Der Schnelltest ist aussagekräftiger als die gängige Asthmadiagnostik durch die Bestimmung des Atemvolumens (Spirometrie).

Dennoch wäre eine Erhöhung der diagnostischen Präzision wünschenswert, da der Test nur bei relativ hohen und relativ niedrigen Werten wirklich aussagekräftig ist. Zudem ist das Testverfahren noch verhältnismäßig teuer, für den Einsatz beim Hausarzt noch nicht rentabel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Abteilung Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg; sie wurde im März 2009 in der Fachzeitschrift "Respiratory Research" veröffentlicht.

Rund 10 Prozent der Deutschen leiden an Asthma

Leidet der Patient tatsächlich an Asthma oder haben seine Beschwerden eine andere Ursache? Mit dieser Frage wird der Hausarzt häufig konfrontiert, denn rund 10 Prozent der Deutschen leiden an dieser chronischen Erkrankung der Atemwege. Die Diagnose Asthma macht die Verschreibung spezifischer Medikamente erforderlich.

Der neue Test ist einfach und schnell: Patienten mit Verdacht auf Asthma blasen in ein handliches Testgerät (NIOX MINO®); innerhalb weniger Minuten hat der Hausarzt eine Diagnose. In der unabhängigen Studie wurde das neue Analysegerät der Firma Aerocrine auf seine Diagnose-Genauigkeit und seinen Nutzen in der Hausarztpraxis geprüft.

NO-Schnelltest unkompliziert und aussagekräftiger als Lungenfunktionstest

Asthmatiker leiden unter überempfindlichen Atemwegen, die sich auf eine Vielzahl von Reizen verengen und entzünden. Das übliche Diagnoseverfahren ist der Lungenfunktionstest (Spirometrie), mit dem das Atemvolumen bestimmt wird. Der Test ist allerdings nur beschränkt aussagekräftig: Ist der Patient zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht asthmatisch, sind die Testergebnisse unauffällig.

Bleibt der Verdacht auf Asthma bestehen, führen Lungen-Fachärzte die sogenannte Bronchoprovokation durch: Der Patient atmet aufsteigende Konzentrationen des leicht reizenden Gases Methacholin ein. Die empfindlichen Atemwege der Asthmatiker reagieren bereits bei sehr geringen Gaskonzentrationen in der Luft. Der Patient verspürt Luftnot.

Das tragbare Analysegerät NIOX MINO®, das seit 2005 auf dem Markt ist, soll Patienten die unangenehme und zeitaufwendige Bronchoprovokation ersparen. Dazu prüft es eine bereits bekannte Testgröße, den Gehalt von Stickstoff-Monoxid (NO) in der Atemluft, im Schnellverfahren. Dies war bisher bei unklaren Befunden nur durch ein sehr aufwendiges und teures Verfahren möglich.

Klare Diagnose nur bei niedrigen und hohen Konzentrationen von NO

Das Gerät stellt allerdings nicht bei allen NO-Konzentrationen die richtige Diagnose: "Bei niedrigen und hohen Konzentrationen NO in der Atemluft trifft die Diagnose zu mindestens 80 Prozent zu und ist damit sehr zuverlässig. "Im Bereich dazwischen ist mit dem Gerät keine klare diagnostische Entscheidung möglich", erklärt Privatdozent Dr. Antonius Schneider, Facharzt in der Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und Erstautor der Studie. In diesem Übergangsbereich muss der Schnelltest durch die Bronchoprovokation beim Lungenspezialisten ergänzt werden.

Handlich und zeitsparend, aber noch ungenau und teuer

Die Vorteile des NO-Analysegeräts: Es ist handlich, einfach zu bedienen, zeitsparend und das Testverfahren weniger belastend als eine Bronchoprovokation mit Methacholin. "Das Gerät eignet sich innerhalb seiner Grenzen gut für die Diagnose von Asthma. Aber die Hersteller sollten die Genauigkeit im Grenzbereich zwischen gesunder und erkrankter Lunge noch weiter verbessern", so Dr. Schneider. Bisher erspart NIOX MINO® durchschnittlich jedem dritten Patienten die Bronchoprovokation.

Noch sind drei Messungen mit NIOX MINO® so teuer wie eine Bronchoprovokation. Damit wäre die Integration dieses Messverfahrens in den diagnostischen Ablauf prinzipiell kostenneutral. Für eine Hausarztpraxis alleine ist die diagnostische Effizienz jedoch noch zu gering, da sich hier zuwenig Patienten zur Erstdiagnostik vorstellen. "Bei der bestehenden Genauigkeit ist dieser Schnelltest noch zu teuer für die Hausarztpraxis, kann sich aber für Großpraxen oder Lungen-Fachärzte rentieren", sagt Dr. Schneider.

Literatur:
Schneider A, Tilemann L, Schermer T, Gindner L, Laux G, Szecsenyi J, Meyer FJ. Diagnosing asthma in general practice with portable exhaled nitric oxide measurement - results of a prospective diagnostic study. Respir Res. 2009; 10: 15
Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsmedizin:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Abteilung-Allgemeinmedizin-und-Versorgungsforschung.7452.0.html
Informationen zu dem Testgerät:
www.aerocrine.com/en/niox-mino/?productlocation=true
Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Antonius Schneider
Universitätsklinikum Heidelberg
Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
E-Mail: antonius.schneider@med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie