Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Schlauch im Bauch gegen extremes Übergewicht

16.12.2013
Als erstes Schweizer Spital bietet das UniversitätsSpital Zürich eine neue Methode zur Behandlung von Adipositas und Altersdiabetes an: den sogenannten Endo Barrier. Der Kunststoffschlauch wird in den Dünndarm eingesetzt, wo er die Umwandlung der Nahrung in Energie in einem bestimmten Abschnitt verhindert.

Der Endo Barrier ist ein Schlauch aus Kunststoff mit rund 60 Zentimeter Länge und einem Durchmesser von rund drei Zentimeter. In der Hand fühlt sich der Endo Barrier an wie ein feiner Plastiksack.


Der Endo Barrier – ein Kunststoffschlauch zur Behandlung von Adipositas und Altersdiabetes. zvg


Der Endo Barrier wird nach dem Magenausgang am Beginn des Dünndarms befestigt. zvg

Die Ärzte führen ihn endoskopisch über den Mund ein und platzieren ihn via Speiseröhre und Magen unmittelbar nach dem Magenausgang im Dünndarm (vgl. Schema). Der Eingriff kommt ohne Schnitte und Narben aus, dauert rund 30 Minuten und wird unter Narkose vorgenommen. Schliesslich wird der Schlauch mit einem ausdehnbaren Draht-Ring an der Darmwand befestigt.

Kein Durchkommen für Verdauungs-Enzyme

Im Dünndarm bildet der Kunststoffschlauch eine künstliche Barriere, die den Körper davon abhält, die aufgenommene Nahrung in Energie umzuwandeln. Der Schlauch verhindert, dass die Nahrung in Kontakt kommt mit Verdauungs-Enzymen, welche die Nahrung in ihre Bestandteile zerlegen und so im Körper aufnehmen.

«Wir haben bis heute 12 Endo Barriers eingesetzt und damit gute Erfahrungen gemacht», sagt PD Dr. Christoph Gubler, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des UniversitätsSpitals Zürich. Es sei gelungen, das Übergewicht der Patienten deutlich zu reduzieren und die Blutzuckereinstellung günstig zu beeinflussen. Prof. Kaspar Berneis, Leitender Arzt der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung, sieht einen weiteren Vorteil: «Der Endo Barrier kann die Behandlung des Diabetes optimieren, indem er erlaubt, die Anzahl der Diabetesmedikamente zu reduzieren.» Um Aussagen über die Langzeitwirkung der Therapie zu machen, wird eine Begleitstudie durchgeführt.

Nicht für alle Patienten geeignet

Der Endo Barrier stellt eine Alternative zu irreversiblen chirurgischen Eingriffen dar wie Magenband oder Magenbypass. Die neue Therapie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 («Altersdiabetes») sowie an stark übergewichtige Menschen mit einem Bodymass-Index (BMI) deutlich über 30 kg/m2. Zum Vergleich: Ein 180 cm grosser Mann mit einem Gewicht von 132 kg hat einen BMI von knapp 41 kg/m2. Der Endo Barrier ist aber nicht für alle diese Patienten geeignet. «Zentral ist, dass die Patienten bereit sind, an ihrem Essverhalten zu arbeiten und die körperliche Aktivität zu erhöhen», so Prof. Paolo Suter, Leitender Arzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, «sonst macht die Therapie keinen Sinn». Nach einem Jahr muss der Endo Barrier wieder entfernt werden. Gelingt es in diesem Zeitraum das Essverhalten günstig zu beeinflussen, kann die Gefahr einer erneuten Gewichtszunahme verringert werden.

Gelebte Interdisziplinarität

Am UniversitätsSpital Zürich werden die entsprechenden Patienten interdisziplinär betreut: Die Abklärungen im Vorfeld einer Endo Barrier-Therapie finden durch eine Arbeitsgruppe statt, welche in der Verantwortung steht von Prof. Kaspar Berneis (Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung), PD Dr. Christoph Gubler (Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie) und Prof. Paolo Suter (Klinik und Poliklinik für Innere Medizin). Ob ein Eingriff sinnvoll ist, entscheidet das betreuende Ärzteteam aufgrund der Abklärungsresultate zusammen mit den Patienten. Die Einsetzung des Endo Barriers erfolgt schliesslich in der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, während die Nachbetreuung im Rahmen der Adipositassprechstunde des Universitätsspitals Zürich stattfindet.

Ansprechpartner für technische Aspekte des Endo Barriers:
PD Dr. Christoph Gubler
Oberarzt
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
Tel.: +41 044 255 34 19
E-Mail: christoph.gubler@usz.ch
Ansprechpartner für Fragen zur Stoffwechselwirkung des Eingriffs:
Prof. Kaspar Berneis
Leitender Arzt
Klinik für Endokrinologie
Diabetologie und Klinische Ernährung
Tel.: +41 044 255 35 85
E-Mail: kaspar.berneis@usz.ch
Ansprechpartner für Fragen von Adipositas-Therapiemöglichkeiten:
Prof. Paolo Suter
Leitender Arzt
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
Tel.: +41 044 255 56 61
E-Mail: paolo.suter@usz.ch

Martina Pletscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.endobarrier.usz.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie