Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risikofaktor Eule - Jugendliche Abendtypen bilden häufiger psychische Symptome aus

28.10.2014

Die Herausbildung des Schlaf- oder Chronotyps zeigt sich bereits im Kindesalter. Einige Studien diskutieren hierbei genetische Einflüsse.

„So zeigen diese, dass Eltern mit einer Morgenorientierung, mit höherer Wahrscheinlichkeit Kinder bekommen, die eine Morgenorientierung aufweisen als Eltern, die dem Abendtyp zuzuordnen sind“, erklärt Prof. Dr. Angelika Schlarb, Kinder- und Jugendpsychologin an der Uni Bielefeld. Während des Erwachsenwerdens verändert sich jedoch meist diese Präferenz, so sind in der Regel Jugendliche eher abendorientiert und oftmals spät abends noch hellwach während ihre Eltern bereits müde oder sogar schon schlafen gegangen sind.

„Diese jugendliche Abendorientierung ergibt sich bei vielen durch die körperliche Umstellung, bei der im Jugendalter das Schlafhormon Melatonin erst später ausgeschüttet wird und somit werden die Jugendlichen dann auch erst später müde und schläfrig. Dies gilt besonders für Jungen“, erzählt Angelika Schlarb. Mit ca. 20 Jahren kehrt dann meist die ursprüngliche Tendenz wieder zurück und diejenigen, die zuvor Morgentypen waren, werden dies dann auch wieder.

Doch die Zeit als „nachtaktive Eule“ birgt Risiken: Kinder und Jugendliche mit einer ausgeprägten Abendorientierung weisen oftmals eine geringere Stresstoleranz sowie einen höheren Reizbarkeitsgrad auf als ihre morgenorientierten Altersgenossen. Zudem sind die Schulleistungen meist schlechter als bei den Morgentypen. Das überrascht nicht, wenn man überlegt, dass diese Kinder und Jugendlichen in der Regel später ins Bett gehen, jedoch am nächsten Morgen wieder früh aufstehen müssen, um in die Schule zu gehen.

„Dieser dadurch hervorgerufene „social jetlag“ bewirkt bei nicht wenigen eine emotionale Instabilität mit höherer Reizbarkeit und mehr emotionaler Belastung sowie geringeren Konzentrations- und Schulleistungen. Darüber hinaus „lungern“ Jugendliche mit ausgesprochener Abendorientierung eher herum, rauchen und konsumieren auch eher Alkohol oder Drogen als diejenigen, die eine solche ausgeprägte Orientierung nicht aufweisen“, sagt die Bielefelder Schlafforscherin.

Jugendliche mit Schlafstörungen und einer solchen Abendorientierung weisen deutlich mehr psychische Symptome auf als Jugendliche ohne diese zusätzliche Orientierung. Somit kann insgesamt eine ausgeprägte Abendorientierung ein Risikofaktor für die weitere Entwicklung des Jugendlichen sein.

In der Regel findet man zwischen Schlafstörungen und psychiatrischen Erkrankungen einen Zusammenhang: Es zeigen sich Verbindungen von Schlafstörungen zu emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten. Darüber hinaus ist bei auftretenden Schlafschwierigkeiten das Risiko für weitere psychische, soziale und medizinische Risiken zu erwarten.

„In bisherigen Studien zeigte sich unter anderem ein erhöhtes Risiko für Verhaltensprobleme bei Kindern mit Schlafschwierigkeiten“, erläutert die psychologische Psychotherapeutin Julia Grünwald, die sich in ihren Untersuchungen an der Universität Tübingen, mit der Frage beschäftigt, ob Kinder mit Störung des Sozialverhaltens ein individuelles Muster an Schlafschwierigkeiten aufweisen. Als Studienkollektiv wurde eine Gruppe von Kindern gewählt, die sich aufgrund einer diagnostizierten psychischen Störung in psychotherapeutische Behandlung begaben.

„Entsprechend bisherigen Befunden zeigte sich am Gesamtkollektiv der untersuchten Kinder, dass diese im Vergleich zu gesunden Stichproben ein erhöhtes Maß an verschiedenen Schlafbeschwerden aufwiesen“, konnte Julia Grünwald feststellen. Auch zeigte sich, dass Kinder mit einer Störung des Sozialverhaltens oder ADHS insgesamt weniger zu schlafen schienen und mehr Schwierigkeiten mit dem Schlafen hatten. In einer weiteren Studie, an der 2000 Studenten an einer Online-Befragung zu Schlaf, Aggression und psychischer Belastung teilnahmen, wurde der Zusammenhang zwischen Chronotyp, ADHS-Symptomatik, Aggression und Impulsivität untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Studenten mit einer Abendorientierung eine erhöhte Neigung zu einer ADHS-Symptomatik aufweisen.

Die Schlafmedizin hat in den vergangenen Jahren eine Reihe erstaunlicher Zusammenhänge zwischen Schlafverkürzung, Schlafstörung und Schlaf zum falschen Zeitpunkt einerseits sowie Störungen des circadianen Systems und deren Konsequenzen für die allgemeine Gesundheit andererseits vorgestellt. Damit ergeben sich neue Perspektiven für eine Vielzahl von Erkrankungsbildern, auch bei denen Schlaf bislang nicht im Fokus stand.

Die 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) befasst sich mit den Auswirkungen von unzureichendem und nicht erholsamem Schlaf auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen. Vom 4. bis 6. Dezember 2014 werden im Congress-Centrum Ost Koelnmesse in Köln unter dem Leitthema „Schlaf und Rhythmus“ zur größten europäischen Tagung dieses Fachgebietes über 2000 Mediziner und Wissenschaftler erwartet. Das gesamte Programm der Jahrestagung ist ersichtlich auf der Homepage www.dgsm-kongress.de. Medienvertreter sind herzlich eingeladen die 22. Jahrestagung der DGSM im Dezember in Köln zu besuchen.

Pressekontakt/Akkreditierung:

Conventus Congressmanagement
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Romy Held
Tel.: 03641/3116280, romy.held@conventus.de
http://www.dgsm-kongress.de/allgemeine-informationen/presse/

Weitere Informationen:

http://www.dgsm-kongress.de/ - Kongress-Homepage

Wolfgang Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie