Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pro und Contra Ampelkennzeichnung

07.10.2009
Diskussion festgefahren

Die Folgen von Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten werden über kurz oder lang dazu führen, dass die Lebenserwartung wieder sinkt, stellte Professor Berthold Koletzko, Universität München, auf dem Symposium "Verbraucherschutz und Lebensmittelkennzeichnung" fest.

Dem bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz war es gelungen, Referenten aus Industrie, Wissenschaft und Verbraucherorganisationen zur kontroversen Kennzeichnungsdebatte nach München zu holen. Koletzko ist zuversichtlich, dass positive Änderungen der Ernährungsgewohnheiten möglich sind. So verzeichnete beispielsweise Finnland im Jahr 1973 die höchste Sterblichkeit an Herzkreislaufkrankheiten weltweit.

Seitdem ist viel passiert im Land der Fjorde und Schären, vor allem in Sachen Fettverzehr. Bei konstantem Milchkonsum ging der Verzehr von Milchfett innerhalb von 50 Jahren von 18 Kilo auf zwei Kilo pro Kopf zurück. Die Verwendung von Pflanzenöl hingegen hat zugenommen. Ein führender Kekshersteller beispielsweise spart 80 Tonnen gesättigte Fette im Jahr ein, berichtete der Ernährungsmediziner. Bei der Lebensmittelkennzeichnung setzen die Finnen auf ein rotes Herz, das besonders gesunde Produkte auslobt. Der Erfolg der Maßnahmen war durchschlagend: Die Sterblichkeit an Herzkreislauferkrankungen ging seit 1969 um 80 Prozent zurück.

Koletzko berichtete auch von dem schwedischen Kennzeichnungsmodell. Die schwedische Ernährungsbehörde NFA hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wirtschaft Bewertungskriterien für das grüne Schlüsselloch erarbeitet. Es prangt auf besonders gesunden Lebensmitteln, die weniger Zucker, Salz und Fett, aber mehr Ballaststoffe enthalten als vergleichbare Produkte. "Einfache Symbole wirken", so Koletzko. Die Ampelkennzeichnung, wie sie derzeit in Großbritannien aber auch in Deutschland diskutiert wird, überzeugt den Mediziner weniger: "Was mache ich bei zweimal grün und zweimal rot?", fragte er.

Von einer interessensübergreifenden Diskussion nach Art der Schweden ist Deutschland aber noch weit entfernt. Ob von Coca Cola, Frosta oder Foodwatch, alle Referenten waren sich sicher, das beste Kennzeichnungsmodell zu vertreten. Die Argumente sind mehr oder weniger seit einem Jahr dieselben, mit dem Unterschied, dass jede Seite nun wissenschaftliche Studien zu ihren Gunsten auslegt. Die Gewinner der Debatte finden sich unter anderem auf Unternehmensseite.

Die Einführung einer umfassenden Nährwertkennzeichnung in McDonald's Restaurants hat dem Unternehmen nicht geschadet; im Gegenteil es ist weiter gewachsen. Auch die Einführung der Nährwertampel bei einigen Produkten des Tiefkühlherstellers Frosta wurde von den Kunden sehr positiv kommentiert und führte bei einem Produkt kurzfristig zu einem zweistelligen Umsatzwachstum. Nährwertkennzeichnung eignet sich also offensichtlich auch als Marketinginstrument.

Gesa Maschkowski | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de
http://www.aid.de/verbraucher/kennzeichnung_naehrwertkennzeichnung.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie