Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Präzise Prognose für Epilepsiepatienten

12.07.2013
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn und des Max-Planck-Instituts für neurologische Forschung in Köln haben eine Methode entwickelt, mit der sich die Erfolgsaussichten eines operativen Eingriffs bei Schläfenlappenepilepsien präzise vorhersagen lassen. Die Trefferquote liegt bei mehr als 90 Prozent. Die Ergebnisse werden nun im Fachjournal „NeuroImage:Clinical“ vorgestellt.

Wenn im Gehirn viele Nervenzellen gleichzeitig feuern, kommt es zu einem epileptischen Krampfanfall. Die häufigste Form ist die Temporallappenepilepsie. Sie hat in einem der beiden Schläfenlappen ihren Ursprung, die unter anderem wichtige Strukturen für die Koordination des Gedächtnisses enthalten.

Weil viele Patienten nicht dauerhaft auf Medikamente ansprechen, wird häufig in einem neurochirurgischen Eingriff der Anfallsherd im betroffenen Schläfenlappen entfernt. Bei rund einem Drittel der Operierten zeigt sich jedoch nach der OP keine Besserung. „Der Eingriff ist mit Risiken verbunden - deshalb ist eine verlässliche Prognose über die Erfolgsaussichten sehr wichtig“, sagt Prof. Dr. Bernd Weber von der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn.

Ein Algorithmus wertet Gehirnaufnahmen von Patienten aus

Die Bonner Epileptologen haben nun am Life&Brain Center zusammen mit Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln einen Weg gefunden, wie sich bei Epilepsie-Patienten die Erfolgsaussichten eines Eingriffs am Schläfenlappen erstaunlich präzise vorhersagen lassen. Die Forscher nutzten die Kernspintomografie-Aufnahmen von insgesamt 49 Epilepsie-Patienten, denen zuvor im linken Schläfenlappen der Anfallsherd operativ entfernt wurde.

Mit einem speziellen Computerprogramm, welches von Lisa Feis vom Max-Planck-Institut im Rahmen ihrer Doktorarbeit entwickelt wurde, suchten die Wissenschaftler in den Aufnahmen der Gehirne nach Unterschieden zwischen der Patientengruppe, bei denen sich nach der Operation die Krampfanfälle besserten, und denjenigen mit unveränderten Beschwerden. „Wir trainierten den Algorithmus anhand der Gehirnaufnahmen darauf, anfallsfreie und nicht-anfallsfreie Patienten bestmöglich zu unterscheiden“, berichtet Prof. Weber.

Erstaunlich gut ins Schwarze getroffen

Anschließend berechneten die Wissenschaftler anhand der Algorithmusergebnisse die Erfolgsaussichten eines Eingriffs und verglichen sie mit den tatsächlichen Befunden nach der Operation. Weil sich Frauen- und Männergehirne beispielsweise in der Symmetrie der Gehirnhälften voneinander unterscheiden, werteten die Forscher die Daten nach dem jeweiligen Geschlecht aus. Bei den weiblichen Patienten lag die Trefferquote bei 96 Prozent und bei den männlichen bei 94 Prozent.

Noch weitere Forschung erforderlich

Bislang erfolgten die Tests in der Retrospektive: Die Forscher wendeten das Verfahren im Nachhinein an bereits operierten Patienten an. Als nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler prüfen, wie gut die Methode die Erfolgsaussichten bei Epilepsiepatienten vorhersagt, denen ein Eingriff am Schläfenlappen noch bevorsteht. Dabei sollen auch andere Unikliniken und noch detailliertere bildgebende Verfahren mit einbezogen werden. „Für eine klinische Anwendung ist es im jetzigen Stadium noch zu früh, es ist noch weitere Forschung notwendig“, sagt Prof. Dr. Christian Elger, Leiter der Bonner Klinik für Epileptologie.

Publikation: Prediction of post-surgical seizure outcome in left mesial temporal lobe epilepsy, Journal „NeuroImage:Clinical“, DOI: 10.1016/j.nicl.2013.06.010

Kontakt:

Prof. Dr. Bernd Weber
Klinik für Epileptologie
des Universitätsklinikums Bonn
Tel. 0228/6885262
E-Mail: bernd.weber@ukb.uni-bonn.de
Weitere Informationen:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213158213000788
Publikation im Internet

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise