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Pbx1 abhängige Effekte auf die Nebennierentumorgenese

08.01.2009
Tumoren der Nebenniere werden häufig als Zufallsbefund im Rahmen einer abdominellen Bildgebung diagnostiziert oder fallen durch Beschwerden als Folge einer übermäßigen Hormonproduktion auf.

Bei manchen dieser Patienten besteht als Grunderkrankung ein bösartiges Nebennierenrinden-Karzinom. Die therapeutischen Möglichkeiten für Patienten mit dieser insgesamt seltenen Diagnose ist - trotz wissenschaftlicher und klinischer Erfolge der vergangenen Jahre - weiterhin sehr eingeschränkt. Einer der Gründe für die schlechte Prognose dieser Tumorerkrankung ist die noch immer zu geringe Kenntnis über die Entstehung dieser Karzinome.

Vor diesem Hintergrund, forschen die Teams um Prof. Dr. Felix Beuschlein und PD Dr. Jürgen Scheele, in einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt, an dem Einfluss eines bestimmten Transkriptionsfaktors als potentiell neuem Regulator der Nebennierentumorentstehung.

Das langfristige Ziel dieser Arbeit besteht darin, geeignete Angriffspunkte für eine lokale oder systemische Therapie von Nebennieren-Karzinomen zu definieren, um den klinischen Verlauf betroffener Patienten zu verbessern.Die Nebennieren produzieren lebenswichtige Hormone, die wesentlichen Anteil an der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes, des Zucker-Stoffwechsel und der Reifung und Fortpflanzung des Menschen haben. Tumore der Nebenniere können durch eine ungezügelte Produktion dieser Hormone zu charakteristischen Erkrankungsbildern führen, die sich etwa als Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose oder vermehrter Behaarung manifestieren können. In selteneren Fällen wird beim Vorliegen eines Nebennierentumors ein bösartiges Nebennierenkarzinom diagnostiziert, das infolge des sehr raschen Zellwachstums häufig bereits bei Diagnosestellung zu Absiedelungen in Leber, Lunge oder Knochen geführt hat.

Trotz wissenschaftlicher und klinischer Fortschritte der letzten Jahre ist die Aussicht von Patienten mit Nebennierenkarzinomen weiterhin ausgesprochen schlecht; die 5-Jahresüberlebensrate liegt unter 20%. Diese schlechte Prognose ist zum Teil dadurch bedingt, dass die molekularen Ursachen der Nebennierentumorgenese nur ansatzweise verstanden sind, was den Einsatz gezielter - und damit effektiver - Therapien gegen das Tumorwachstum erschwert.

Die Regulation des Nebennierenwachstums während der Organentwicklung und im erwachsenen Organismus ist von der Anwesenheit bestimmter Transkriptionsfaktoren abhängig, die als molekulare Schalter untergeordnete Zellprogramme aufrufen. Ausgehend von der phänotypischen und molekularen Charakterisierung spezifisch genetisch veränderter Mäuse konnte Pbx1 als weiterer essentieller Transkriptionsfaktor für normales Nebennierenwachstum und -funktion etabliert werden. Pbx1 war ursprünglich als auslösender Faktor für die Entwicklung verschiedene kindlicher Leukämien beschrieben worden.

Da in den letzten Jahren zunehmend Beispiele für molekulare Mechanismen definiert werden konnten, die sowohl in der Organentwicklung als auch während der Tumorgenese eine essentielle Rolle spielen, erscheint ein Pbx1 - abhängiger Einfluss auf die Nebennierentumorgenese ebenfalls wahrscheinlich. Diese Hypothese soll durch Untersuchung an Nebennierentumorzellen und an spezifischen Mausmodellen in den Arbeitsgruppen um Prof. Dr. Felix Beuschlein (Klinikum der Universität München, Schwerpunkt Endokrinologische Forschung) und PD Dr. Jürgen Scheele (Universitätsklinik Freiburg, Abteilung Haematologie/Onkologie) getestet werden. Zusammengenommen sollen diese Untersuchungen Hinweise darauf geben, ob eine pharmakologische oder genetische Modulation von Pbx1 - abhängigen Signalkaskaden als zukünftige Behandlungsoptionen von Patienten mit Nebennierentumoren eine Rolle spielen könnte.

Kontakt: Prof. Dr. F. Beuschlein, Klinikum der Universität München, Med. KJlinik Innenstadt Schwerpunkt Endokrinologische Forschung, München / PD Dr. Jürgen Scheele, Medizinische Universitätsklinik Freiburg, Abt. Haematologie/Onkologie, Freiburg

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Felix Beuschlein, Tel.: +49 89 5160 2110, Fax.: +49 89 5160 4467
Email: felix.beuschlein@med.uni-muenchen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 90.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

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