Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

neuroRAD: Klebstoffe fürs Gehirn: Gefäßfehlbildungen sicher verschließen

06.08.2009
Epileptische Anfälle und chronische Kopfschmerzen können Warnzeichen für Fehlbildungen von Blutgefäßen im Gehirn sein.

Menschen, die an solchen arteriovenösen Malformationen leiden, weisen ein erhöhtes Risiko für eine Hirnblutung auf.

Mit einer Katheterbehandlung lässt sich dieser vorbeugen. Neuroradiologen dichten die betroffenen Gefäße mit einem Embolisat, einem speziellen Klebstoff, ab. Durch den Einsatz neuer Klebstoffe gelingt ein kompletter Verschluss der AV-Malformationen nun deutlich häufiger als noch vor wenigen Jahren.

Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind ein Schwerpunkt von neuroRAD, der
44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR).
Der Kongress findet vom 8. bis zum 10. Oktober 2009 in Köln statt.
"AV-Malformationen sind selten auftretende, angeborene Gefäßknäuel im Gehirn. Das Blut fließt in einem Kurzschluss direkt von den Arterien in die Venen - ohne die sonst übliche Zwischenschaltung von Kapillargefäßen", erklärt Professor Dr. med. Isabel Wanke von der Universitätsklinik Essen im Vorfeld von neuroRAD. Durch den erhöhten Blutfluss und -druck in den Venen sind diese meist extrem erweitert. Zudem können sich Aussackungen an den arteriellen Gefäßwänden, sogenannte Aneurysmen, bilden. Menschen mit AV-Malformationen haben deshalb ein erhöhtes Risiko, eine Hirnblutung zu erleiden. Eine frühzeitige Therapie kann dies verhindern. Ziel ist es, das Gefäßknäuel vollständig auszuschalten.

Kleine und gut erreichbare Gefäßfehlbildungen lassen sich meist durch eine Operation entfernen. Für AV-Malformationen im Inneren des Gehirns trifft dies nicht zu. Diese können zwar mit einer Bestrahlung verödet werden. Die Wirkung tritt jedoch oft erst nach ein bis zwei Jahren ein. Als Alternative kommt eine Katheterbehandlung in Frage. Hiermit lassen sich die AV-Malformation sofort und im Idealfall auch vollständig verschließen.

Bei der Katheterbehandlung bringen Neuroradiologen unter Bildkontrolle spezielle Klebstoffe ein und dichten so die AV-Malformationen ab. "Die Verfeinerung des Verfahrens und vor allem die Entwicklung neuer Klebstoffe hat die Erfolgsrate in den letzten Jahren deutlich erhöht", berichtet Wanke, die die Fortschritte auf diesem Gebiet auch auf dem DGNR-Kongress in Köln vorstellen wird. Im Gegensatz zu früheren Embolisaten werden die neuen Klebstoffe mit einem Katheter direkt in die AV-Malformationen gespritzt. Benachbartes Hirngewebe bleibt so verschont. Die Therapie muss jedoch sehr vorsichtig durchgeführt werden, um die AV-Malformationen selbst nicht zu verletzen. "Nach unserer Erfahrung kommt es während des Eingriffs jedoch nur sehr selten zu gefährlichen Blutungen. Auch Gefäßkrämpfe sind bei richtiger Handhabung des Klebstoffs äußerst unwahrscheinlich", erklärt Wanke.

Dennoch ist die Kathetertherapie - ebenso wie Operation und Strahlentherapie - nicht ohne Risiken. Sie sollte nur dann zur Anwendung kommen, wenn ihr Nutzen überwiegt. Diese Frage stellt sich vor allem bei Patienten, bei denen die AV-Malformation noch keine Symptome verursacht und zufällig entdeckt wird. Aber auch bei Betroffenen mit Beschwerden ist oft schwer vorhersehbar, ob eine Hirnblutung droht. Nähere Hinweise hierzu erhoffen sich die Experten von der internationalen ARUBA-Studie, an der sich auch deutsche Kliniken beteiligen. Sie lässt einen Teil der Patienten mit Absicht unbehandelt. "Auf Basis der Studiendaten werden wir dann hoffentlich genauer jene Patienten auswählen können, die einen Nutzen von der Behandlung haben", so Wanke. Erste Ergebnisse der ARUBA-Studie sollen 2011 vorliegen.

Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle neuroRAD
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
stark@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen zu neuroRAD, der Jahrestagung der DGNR, finden sich unter http://www.neurorad.de.

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.neurorad.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics