Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Therapiestandard für Nebennierenkrebs

03.05.2012
Das Nebennierenkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der im fortgeschrittenen Stadium schwierig zu beherrschen ist.
Eine internationale Studie zeigt nun erstmals, mit welcher Chemotherapie sich dieser Tumor am besten behandeln lässt. Koordiniert wurde die Studie am Universitätsklinikum Würzburg.

Nebennierenkarzinome werden zu den seltenen Krankheiten gerechnet: In Deutschland treten pro Jahr „nur“ 80 bis 120 Fälle auf. Betroffen sind oft auch junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Aussichten auf Heilung stehen schlecht; mehr als die Hälfte der Patienten sterben in den ersten drei bis vier Jahren nach der Diagnosestellung.

Was ein Nebennierenkarzinom so gefährlich macht: Viele Patienten haben schon zu Beginn der Erkrankung Metastasen im Körper, meistens in Leber, Lunge und Knochen. Darum bricht der Krebs auch nach der operativen Entfernung des Tumors – sofern diese überhaupt möglich ist – häufig wieder aus.

„Wie diese Krebskrankheit im fortgeschrittenen Stadium am besten zu behandeln ist, war bislang nicht klar“, sagt Martin Fassnacht vom Würzburger Universitätsklinikum. Darum wurde im Jahr 2004 die große internationale Studie FIRM-ACT gestartet. Ihr Ziel: Die beiden Chemotherapie-Strategien zu vergleichen, die den größten Erfolg versprechen.

Resultate der Studie veröffentlicht

Die Ergebnisse der Studie sind jetzt online im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Resultat: Eine Chemotherapie mit einer Kombination aus den vier Medikamenten Mitotane, Etoposid, Doxorubicin und Cisplatin erwies sich als deutlich effektiver als die Behandlung mit einer Zweierkombination aus Mitotane und Streptozotocin.

Mit der Viererkombination lebten ein Jahr nach dem Beginn der Behandlung noch 26 Prozent der Patienten, ohne dass die Erkrankung in dieser Zeit weiter voranschritt. Mit der Zweierkombi waren es nur sieben Prozent. Bei der Viererkombination war zudem die Zahl der Patienten, bei denen sich die Tumormasse verkleinerte, deutlich größer.

„Die Viererkombination ist damit deutlich effektiver. Ab nun wird sie darum die Standardtherapie bei dieser Erkrankung sein. Aber trotz dieser Verbesserung sterben immer noch sehr viele Patienten, und das ist natürlich sehr frustrierend“, so Fassnacht.

Vernetzung wertvoll für Patienten

Die an der Studie beteiligten Zentren wollen nun weiter daran arbeiten, die Behandlung zu verbessern. „Dank dieser Studie sind die internationalen Zentren für Nebennierenkarzinome jetzt erstmals sehr gut vernetzt. Das wird für die Patienten auf lange Sicht zu neuen, wirksameren Therapien führen“, sagt Professor Bruno Allolio, Leiter der Endokrinologie am Universitätsklinikum Würzburg und Mitautor der Studie.

Fakten zur Studie FIRM-ACT

Insgesamt waren 304 Patienten mit einem Nebennierenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium in die Studie eingebunden. Betreut wurden sie an 40 medizinischen Zentren in zwölf Ländern in Europa, Australien und den USA. Damit ist FIRM-ACT weltweit die bislang größte Studie ihrer Art. Sie hat laut Martin Fassnacht mehr Patienten untersucht als alle bisherigen Chemotherapiestudien beim Nebennierenkarzinom zusammen.

Aus Deutschland kamen 103 Patienten. 58 davon wurden am Würzburger Universitätsklinikum betreut, unter Mitwirkung des hiesigen Zentrums für Krebsforschung und -behandlung (Comprehensive Cancer Center Mainfranken). Neben Würzburg waren in Deutschland 19 weitere universitäre Einrichtungen an der Studie beteiligt.

International koordiniert wurde die Studie am Universitätsklinikum Würzburg, geleitet wurde sie gemeinsam von Martin Fassnacht und Britt Skogseid vom Universitätsklinikum in Uppsala (Schweden). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Studie mit 1,7 Millionen Euro maßgeblich gefördert.

„Combination Chemotherapy in Advanced Adrenocortical Carcinoma”, Fassnacht M., Terzolo M., Allolio B., et al., New England Journal of Medicine, online first, May 2, 2012, doi 10.1056/NEJMoa1200966

Kontakt

PD Dr. Martin Fassnacht, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-39021, fassnacht_m@medizin.uni-wuerzburg.de

Zur Homepage der Studie FIRM-ACT: http://www.firm-act.org

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.firm-act.org
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

20.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Digitale Medien für die Aus- und Weiterbildung: Schweißsimulator auf Hannover Messe live erleben

20.04.2018 | HANNOVER MESSE

Neurodegenerative Erkrankungen - Fatale Tröpfchen

20.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics