Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuentwickelte Drainage-Systeme helfen Patienten mit Glaukom (Grüner Star)

01.03.2013
Greifswalder Augenärzte finden Lösung für das Kammerwasser

Greifswalder Augenärzte haben ein neues Drainage-System für Glaukompatienten entwickelt und bereits bei 15 Patienten implantiert. Hintergrund ist, dass bei den Betroffenen das Augenkammerwasser nicht ordnungsgemäß abläuft und damit vielfältige Komplikationen verbunden sind.

„Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Implantat sind sehr viel versprechend und sollen jetzt wissenschaftlich ausgewertet werden“, kündigte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Prof. Stefan Clemens (Foto), an. Der Mediziner hat die Innovation eingeführt.

Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine der häufigsten Erblindungsursachen in den westlichen Industrienationen. Allein in Deutschland leiden rund 800.000 Menschen unter der veranlagungsbedingten Augenerkrankung. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Der erhöhte Augeninnendruck ist die Hauptursache für Glaukom. Geschädigt werden die Netzhaut und der Sehnerv, was zu Ausfällen im Gesichtsfeld und späterer Blindheit führt. Ziel ist es daher, das noch verbliebene Sehvermögen zu erhalten und die drohende vollständige Blindheit zu verhindern.

Das aktuelle Behandlungsspektrum umfasst hauptsächlich die Gabe von Augentropfen, modernen Laserverfahren und Fistulationsoperationen. Bei der Laserbehandlung geht es um die Regulierung des Abflusssystems im Kammerwinkel des Auges. In der Regel kommt es jedoch wiederholt zu Verwachsungen und Verschlüssen, so dass der Augendruck wieder ansteigt. In solchen Fällen helfen Verödungsbehandlungen der Kammerwasserproduktion mit dem Laser oder der Kältesonde bis zu einem Anteil von etwa zwei Drittel. Eine große Gruppe operativer Verfahren besteht in der Anlage einer perforierenden oder nicht perforierenden Fistel. Hiermit kann ein großer Teil bereits abgedeckt werden. Bei besonders ungünstiger Ausgangssituation hilft dieses Verfahren oft nicht. Dann kommt es häufig zu einem schmerzhaften geröteten und gereizten Zustand und fortschreitender Erblindung. „Zur Befreiung von diesem quälenden Zustand wünschen die Patienten oft aus sich heraus die Entfernung des Augapfels“, sagte der Greifswalder.

Seit etwa zehn Jahren werden in solchen Fällen Implantate eingesetzt, die das Kammerwasser in ein Reservedepot unter die Bindehaut ableiten. Die Bindehaut gleicht den Übergang vom Augenlid bis zur Hornhaut aus. Meist verschließen sich aber auch hier die Ventile durch eine zunehmende Einkapselung von Fremdmaterial.

Ableitung hinter die Aderhaut

„In Greifswald konnten wir jetzt mit einem neuen System die Ableitung unter die Bindehaut vermeiden“, erläuterte Prof. Stefan Clemens. Das Drainageprinzip besteht in einer Ableitung hinter der Aderhaut. Dort entsteht immer dann ein kleiner Hohlraum, wenn das Auge unabhängig vom Glaukom einen zu niedrigen Augeninnendruck aufweist. Es kommt infolge dessen zu einer Absonderung von Flüssigkeit in entgegengesetzter Richtung. Dadurch wird die Aderhaut zunehmend abgehoben und kann auch bei niedrigem Augeninnendruck die Formkonstanz des Auges noch in etwa erhalten.

Dieser von der Natur vorgegebene Zustand wird bei der neuartigen Glaukomoperation in Greifswald nachgeahmt. Dem Auge wird vorgetäuscht, dass der Druck nicht zu hoch, sondern zu niedrig ist. Daher werden Teile des Kammerwassers in den Raum hinter der Aderhaut abgegeben. Dort findet eine schnelle Versickerung über die Aderhaut und Sklera (äußere Umhüllung des Augapfels) statt und der Druck bleibt niedrig.

Das in Greifswald entwickelte Implantat hält diesen Raum unter der abgehobenen Aderhaut permanent auf. Je nach Drucklage vermag es sogar, den Versickerungsraum zu erweitern oder zu verengen. Das Wiederverwachsen in dieser Region ist im Vergleich zur Bindehaut verschwindend gering. Auch Fälle von sonst nicht mehr behandelbaren Sekundärglaukomen durch Gefäßwucherung nach Gefäßverschluss der Netzhaut oder diabetischer Retinopathie kommen durch ausbleibende Vernarbungsreaktionen zur Druckregulation, Schmerzfreiheit und Erhalt des Sehens. „Eine Entfernung des Auges musste seitdem nicht mehr vorgenommen werden“, betonte Clemens abschließend.

Ansprechpartner Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Direktor: Prof. Dr. med. Stefan Clemens
Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-59 00
E ophcle@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie