Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue zielgerichtete Therapie für Mastozytose entwickelt

30.06.2016

Ergebnisse einer neuen Studie könnten erstmals einen echten Durchbruch in der Behandlung der seltenen Haut- und Organerkrankung darstellen

Patienten mit der seltenen Erkrankung Mastozytose leiden unter vielen schweren Symptomen wie Anaphylaxie, Hautveränderungen, Gewichtsverlust und Blutarmut. Ursache dieser Beschwerden ist die pathologische Vermehrung von Mastzellen, die durch eine aktivierende Mutation des Gens KIT bedingt ist.


Prof. Dr. Karin Hartmann

Uni Lübeck

In einer bisher weltweit größten Studie an mehr als 100 Patienten mit schweren Verlaufsformen der Mastozytose konnte jetzt erstmals eine internationale Gruppe von Ärzten und Wissenschaftlern die Wirksamkeit eines neuen zielgerichteten Medikaments zeigen.

Der Tyrosinkinaseinhibitor Midostaurin (PKC412) der Firma Novartis, der selektiv KIT-aktivierte Zellen hemmt, führte bei 60 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung. Es kam sowohl zu einer Rückbildung der Organveränderungen als auch zu einem Rückgang der Mastzellinfiltrate.

Das mittlere Überleben war mit 28,7 Monaten deutlich länger als sonst zu erwarten. Ebenfalls zeigte sich ein klar verlängertes progressionsfreies Überleben. Als Nebenwirkungen des Medikaments traten vor allem Übelkeit und Blutbildveränderungen auf.

Unter den Teilnehmern der heute im renommierten New England Journal of Medicine vorgestellten Studie ist Prof. Dr. Karin Hartmann, die die Konzeption und Auswertung der Studie auch intensiv beratend begleitet hat. Prof. Hartmann ist seit 2015 Professorin für Immundermatologie an der Universität zu Lübeck und leitende Oberärztin der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, vormals Oberärztin der Universität zu Köln.

Sie betreut seit vielen Jahren eine der international größten Gruppen von Patienten mit Mastozytose im Rahmen einer spezialisierten Sprechstunde. Prof. Hartmann und ihr Team konnten bereits neue Biomarker der Mastozytose identifizieren und eine neue Klassifikation der kutanen Mastozytose entwickeln. Sie hat zudem das Kompetenznetzwerk Mastozytose e.V. gegründet, ist Board Member des European Competence Network on Mastocytosis (ECNM) und Mitglied des Exzellenzclusters Entzündungsforschung.

„Die Ergebnisse dieser Studie könnten erstmals einen echten Durchbruch in der Therapie der Mastozytose darstellen“, erläutert Prof. Hartmann. „Als nächste Schritte gilt es jetzt, weitere Studien durchzuführen mit Patienten, die an leichteren Mastozytoseformen leiden, und Kombinationsstudien, bei denen Midostaurin mit anderen Inhibitoren kombiniert wird. Als Dermatologin interessiert mich auch besonders, ob die Hautveränderungen und Mediatorsymptome unter Midostaurin zurückgehen.“

Die an der jetzt veröffentlichten Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stammen außerdem von den Universitäten, Klinik- und Forschungseinrichtungen in Stanford, Albuquerque, Boston, Columbus, Philadelphia und New York (USA), Paris (Frankreich), Basel (Schweiz), Wien (Österreich), Groningen (Niederlande), München und Mannheim.

Referenz
Efficacy and Safety of Midostaurin in Advanced Systemic Mastocytosis. Jason Gotlib, Hanneke C. Kluin-Nelemans, Tracy I. George, Cem Akin, Karl Sotlar, Olivier Hermine, Farrukh T. Awan, Elizabeth Hexner, Michael J. Mauro, David W. Sternberg, Matthieu Villeneuve, Alice Huntsman Labed, Eric J. Stanek, Karin Hartmann, Hans-Peter Horny, Peter Valent and Andreas Reiter. New England Journal of Medicine 2016, published online first June 30th, 2016.

Rüdiger Labahn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-luebeck.de

Weitere Berichte zu: Anaphylaxie Gewichtsverlust Hautveränderungen Mastozytose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau