Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Strategien gegen das Multiple Myelom

16.04.2013
Eine europäische Großinitiative will neuartige Substanzen gegen eine bösartige Blutkrebs-Erkrankung erproben, gegen das Multiple Myelom. Mediziner der Universität Würzburg sind an dem Projekt maßgeblich beteiligt.

Jährlich erkranken in den westlichen Industrienationen rund eine halbe Million vor allem ältere Menschen am Multiplen Myelom. Bei dieser Krebskrankheit entarten im Knochenmark bestimmte Immunzellen.

Sie überfluten dann den Körper mit fehlerhaft produzierten Antikörpern, unterdrücken durch ihr aggressives Wachstum die Blutbildung und schädigen durch verstärkten Knochenabbau das Skelett. Mit den verfügbaren Standardtherapien ist das Multiple Myelom bislang nicht heilbar.

Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Krebsart höchstwahrscheinlich vielfältige Ursachen hat. „Alles deutet darauf hin, dass die bösartigen Zellen stark von den spezifischen Umgebungsbedingungen des Knochenmarks abhängig sind“, sagt Professor Hermann Einsele, Krebsspezialist von der Universität Würzburg. Darum konzentriert sich die Forschung nicht nur auf den Tumor selber, sondern auch verstärkt auf dessen Umgebung.

Auf diesem Gebiet hat sich das neue internationale Forschungsnetzwerk „Optatio“ gegründet (Optimizing Targets and Therapeutics in high risk and refractory Multiple Myeloma). Es vereint zwölf europäische Partner aus Österreich, Tschechien, Italien, Ungarn, Großbritannien, Spanien und Deutschland. Sie wollen gemeinsam neue Wirkstoffe gegen das Multiple Myelom finden. Die Europäische Union fördert das Projekt bis 2014 mit fast drei Millionen Euro. Rund 300.000 Euro davon fließen nach Würzburg.

Warum Würzburg eine wichtige Rolle spielt

Das am Projekt beteiligte Team vom Würzburger Universitätsklinikum wird von Professor Hermann Einsele geleitet, dem Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II. Es spielt in dem Netzwerk eine maßgebliche Rolle, weil es innovative Technologien einbringt. Zudem sorgen die Würzburger dafür, dass Multiple-Myelom-Patienten möglichst rasch von den neu gewonnenen Erkenntnissen profitieren können.

Innovativ sind unter anderem die Behandlungsstrategien, die am Würzburger Uniklinikum verfolgt werden: Sie setzen auf Antikörper und auf die Kombination neu entwickelter Medikamente. Darüber hinaus hat die Forschungsgruppe von Dr. Andreas Beilhack Mausmodelle entwickelt, an denen sich die Wirksamkeit neuer Substanzen gegen Myelom-Zellen untersuchen lässt. Zur Auswertung dieser Versuche hat Beilhacks Team eine Mikroskopietechnik erarbeitet, mit der die dreidimensionale Darstellung von Tumorzellen im intakten Knochen möglich ist.

Diese neuartigen Methoden haben die Wissenschaftler Anfang April auf dem Internationalen Multiplen Myelom-Kongress in Kyoto vorgestellt. Publiziert wurden sie bereits 2012 im Journal of Clinical Investigation und in PLoS ONE.

Wie Patienten direkt profitieren können

Myelom-Patienten sollen von der Optatio-Initiative direkt profitieren. Möglich wird das durch die „Early Clinical Trial Unit“ (ECTU) der Würzburger Medizinischen Klinik und Poliklinik II. In dieser Einrichtung bieten die Wissenschaftler Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen in aussichtslosen Situationen viel versprechende neuartige Therapien an. Eine große Rolle spielt dabei die Erprobung von Substanzen, die erstmals überhaupt bei Tumorpatienten eingesetzt werden.

Knochenmarkspenden erwünscht

„Der Fortschritt unserer Forschungsinitiative hängt zu einem großen Teil auch davon ab, dass Patienten, die an einem Multiplen Myelom erkrankt sind, Proben ihres Knochenmarks spenden“, sagt Professor Einsele. Auf solche Proben sei man angewiesen, um neue Wirkstoffe gegen die Erkrankung erforschen zu können.

Myelom-Patienten, die Knochenmarkproben spenden möchten, können sich an diese Ansprechpartner wenden: Dr. Stefan Knop, T (0931) 201-40941, Dr. Martin Schreder, T (0931) 201-44212.

Publikationen zum Thema

Brede C, Friedrich M, von Krosigk V, Jordán-Garrote AL, Riedel SS, Bäuerlein CA, Heinze K, Bopp T, Schulz S, Mottok A, Rosenwald A, Einsele H, Negrin RS, Harms GS, Beilhack A. (2012): Mapping immune processes in intact tissues at cellular resolution. The Journal of Clinical Investigation, 122 (12), 4439-4446, doi: 10.1172/JCI65100

Riedel SS, Mottok A, Brede C, Bäuerlein CA, Jordán Garrote AL, Ritz M, Mattenheimer K, Rosenwald A, Einsele, H, Bogen B, Beilhack A. (2012): Non-invasive imaging provides spatiotemporal information on disease progression and response to therapy in a murine model of multiple myeloma. PLoS ONE 7: e52398, doi:10.1371/journal.pone.0052398

Kontakt

Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-40001, einsele_h@klinik.uni-wuerzburg.de

Dr. Andreas Beilhack, Forschungsgruppenleiter am Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung, Universität Würzburg, T (0931) 201-44040, beilhack_a@klinik.uni-wuerzburg.de
Weitere Informationen:
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0052398

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie