Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Methoden der Kinderwunschbehandlung

13.08.2008
DFG fördert Großprojekt einer deutschlandweit verteilten Forschergruppe im Zusammenwirken mit der Universitäts-Frauenklinik Lübeck

Jedes zehnte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Abhilfe bieten verschiedene Verfahren der Reproduktionsmedizin.

Während die Reagenzglasbefruchtung (in-vitro Fertilisation) heute als etablierte Behandlungsmethode gilt, gibt es eine Reihe von Neulandverfahren, die noch nicht ausreichend erforscht sind, um sie in der Routinebehandlung von Kinderwunschpaaren anzuwenden.

Das besondere Interesse der Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Georg Griesinger, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H) in Lübeck, und Prof. Dr. Klaus Diedrich, Direktor der Klinik, gilt dabei der Gefrierlagerung von Eierstockgewebe und Eizellen, sowie der Reifung von Eizellen aus Eierstockgewebe im Reagenzglas. "Beide Methoden haben das Potential, die Zukunft der Kinderwunschbehandlung entscheidend zu prägen" ist Prof. Diedrich überzeugt.

Menschliche Keimzellen (Samen und Eizellen) können durch Tiefgefrierung gelagert werden (Kryokonservierung). Allerdings sind unbefruchtete Eizellen und Eierstockgewebe sehr empfindlich gegenüber einer Kryokonservierung. Ein neuartiges Verfahren der Gefrierlagerung, die sog. Vitrifikation, gilt in diesem Zusammenhang als äußerst vielversprechend. Die Bildung von Eiskristallen in der Flüssigkeit im Inneren der Eizelle kann bei einer konventionellen Gefrierung die Struktur beschädigen und sie damit unbrauchbar machen.

Bei der Vitrifizierung wird das Wasser aus der Eizelle entfernt, eine nicht gefrierende Lösung hinzugefügt und dann blitzartig in flüssigem Stickstoff eingefroren. Allerdings ist noch zu wenig über die Vor- und Nachteile der Methode bekannt. Um diese Wissenslücke zu schließen, sollen nun Laborversuche zur Tiefgefrierung von Eizellen von Maus und Mensch durchgeführt werden. Die Lübecker Arbeitsgruppe kooperiert dazu mit Kollegen aus der Grundlagenforschung in Bielefeld, München und Mainz.

Eine sichere und effiziente Art der Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen und Keimgewebe eröffnet Frauen mit Kinderwunsch völlig neue Perspektiven. Verfahren zur Lagerung menschlicher Eizellen und Keimgewebe ermöglichen es Frauen, die Mutterschaft zu verschieben. "Die Methode soll allerdings zuerst bei Frauen mit Kinderwunsch und Krebserkrankung zum Einsatz kommen. Da eine Chemotherapie häufig die Eierstöcke irreversibel schädigt, sollte eine Gefrierlagerung von Eierstockgewebe noch vor der Chemotherapie angestrebt werden" berichtet Dr. Griesinger.

Allerdings ist bisher nur unzureichend untersucht, wie aus Eierstockgewebe reife Eizellen gezüchtet werden können. Auch dieser Fragestellung widmet sich die Forschergemeinschaft. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Ursula Eichenlaub-Ritter von der Universität Bielefeld wird dazu die Eizellen aus Lübeck auf ihr Entwicklungspotential und mögliche Schädigungen durch die Gefrierlagerung und die Reagenzglasreifung untersuchen. Die Arbeitsgruppen um Prof. Dr. Thomas Haaf von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und Prof. Dr. Georg Arnold von der Ludwig-Maximilians-Universität zu München erforschen genetische Veränderungen, bzw. Proteinexpressionsmuster der Eizellen.

Das Großprojekt "Potential von Keimzellen", an dem zehn Kliniken und Institute in Deutschland in Form einer ortsverteilten Forschergruppe teilnehmen, wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten drei Jahren mit mehr als drei Millionen Euro gefördert. 130.000 Euro, verteilt auf 3 Jahre, erhält die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Frauenklinik in Lübeck.

Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
Priv.-Doz. Dr. med. Georg Griesinger, M.Sc.,
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe & Ambulanzzentrum des UK S-H gGmbH, Fachrichtung Reproduktionsmedizin,
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck,
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck,
Tel.: 0451 500-4418, Fax: 0451 500-2170,
E-Mail: georg.griesinger@frauenklinik.uni-luebeck.de

| idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-sh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der “Stein von Rosetta” für aktive Galaxienkerne entschlüsselt

21.06.2018 | Physik Astronomie

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics