Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über Alzheimer-Verlauf

16.05.2014

Junge Menschen zeigen trotz genetischer Vorbelastung keine Symptome

Nachlassende Gedächtnisleistungen sind erste Symptome der Alzheimer-Krankheit, und die zeigen sich bei den meisten Betroffenen im Alter von 65 bis 75 Jahren.

Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Patienten sehr wahrscheinlich schon etwa zehn bis 20 Jahre an Alzheimer erkrankt. Wann die Krankheit jedoch genau einsetzt, ist bisher unklar. Wissenschaftler um Prof. Dr. Piotr Lewczuk von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik (Klinikdirektor: Prof. Dr. Johannes Kornhuber) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben darüber jetzt neue Erkenntnisse gewonnen: Sie haben herausgefunden, dass junge Menschen – ca. 30 bis 40 Jahre vor dem typischen Einsetzen der Krankheit – trotz genetischer Vorbelastung noch keine Spuren von Alzheimer zeigen.

In ihrem frühen Stadium lässt sich die Alzheimer-Krankheit nur durch Untersuchungen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit nachweisen. Dort suchen die Mediziner nach Änderungen der Konzentrationen eines Peptids mit dem Namen Amyloid β, das sich bei Alzheimer-Patienten im Hirn ablagert.

Ein niedriger Amyloid β-Spiegel in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit gilt als frühestes Anzeichen der Alzheimer-Krankheit. Diese Untersuchung wird bei Patienten mit Verdacht auf Alzheimer routinemäßig – unter anderem auch im von Prof. Lewczuk geleiteten Labor in Erlangen – durchgeführt.

Die Erlanger Wissenschaftler wollten nun herausfinden, ob schon bei jungen Erwachsenen dieses erste Alzheimer-Anzeichen nachzuweisen ist. Dazu untersuchten sie Blutproben von Freiwilligen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Ein Teil der Probanden trägt einen genetischen Risikofaktor für Alzheimer in sich – das so genannte Apolipoprotein e4-Allel –, zeigt aber keine Gedächtnisprobleme. Das Ergebnis der Untersuchung: Im Vergleich mit genetisch nicht vorbelasteten Probanden wiesen ihre Blutproben keine Unterschiede auf.

Das Resultat der FAU-Forscher scheint auf den ersten Blick unspektakulär, hilft der medizinischen Wissenschaft jedoch, den Verlauf der Alzheimer-Krankheit besser zu verstehen. „Aus den Ergebnissen können wir ablesen, dass auch die Personen, die mit genetischen Risikofaktoren belastet sind, in einem frühen Lebensalter noch nicht krank sind. Sehr wahrscheinlich beginnt die Krankheit etwa zehn bis 20 Jahre bevor sich die ersten Symptome zeigen, darauf lassen ältere, schwedische Untersuchungen schließen, aber nicht früher“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Piotr Lewczuk.

Das Apolipoprotein e4-Allel gilt als ein Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Aber nicht alle Träger dieses genetischen Merkmals erkranken im Laufe ihres Lebens tatsächlich an Alzheimer. Darüber hinaus können Menschen ohne Vorbelastung im Erbgut die Alzheimer-Krankheit entwickeln. Diabetes, Bluthochdruck und ganz einfach das fortgeschrittene Alter gelten als zentrale Faktoren, die der Krankheit Vorschub leisten.

Wichtige Ergebnisse darüber, wann und wie sich die Krankheit entwickelt, könnte eine Folgestudie zur Untersuchung der FAU-Forscher liefern. „Wir möchten gern untersuchen, ob die Konzentrationen der Amyloid β-Peptiden der bereits untersuchten Personen tatsächlich stabil bleiben, bis sich eventuelle erste Veränderungen in Gedächtnisleistungen zeigen“, sagt Lewczuk. „Bevor wir dieses Langzeitprojekt in Angriff nehmen können, müssen aber erst grundlegende ethische und logistische Fragen geklärt werden.“

Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler jetzt im renommierten Fachmagazin „Journal of Alzheimer’s Disease“ veröffentlicht.

Zimmermann R., Huber E., Schamber C., Lelental N., Mroczko B., Brandner S., Maler J.M., Oberstein T., Szmitkowski M., Rauh M., Kornhuber J., Lewczuk P. J., Alzheimers Dis. 2014 Feb 20.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Piotr Lewczuk
Tel.: 09131/85-34324
piotr.lewczuk@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schneller und sicherer Fliegen

21.06.2018 | Informationstechnologie

Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

21.06.2018 | Innovative Produkte

Sensoren auf Gummibärchen: Team druckt Mikroelektroden-Arrays auf weiche Materialien

21.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics