Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Nervenzellen aus Fehlentscheiden lernen

19.02.2009
Wenn wir vor ungewohnten Situationen stehen, müssen die Nervenzellen in unserem Gehirn lernen, sich richtig zu entscheiden.

Wie sie dies tun und wie sie aus Fehlern lernen, versuchen zwei Mathematiker der Universität Bern mit einem neuen Modell zu erklären, das nun publiziert wird.

Alle unsere Entscheidungen beruhen auf der Aktivität tausender Nervenzellen im Gehirn. Viele dieser Entscheide werden routinemässig getroffen. Stehen wir jedoch vor neuen Situationen, sind die Nervenzellen in unserem Hirn in der Lage, das richtige Verhalten zu lernen. Sie passen sich aufgrund von Erfolg oder Misserfolg einer Entscheidung an, um so das nächste Mal in der gleichen oder einer ähnlichen Situation die Chancen auf richtiges Verhalten zu erhöhen. Herkömmliche Modelle scheitern an der Erklärung, wie dieser Lerneffekt abläuft:

Es ist nicht klar, welche der etwa einer Billion Neuronen im Hirn zu einer richtigen Entscheidung beigetragen haben und damit eine Belohnung erhalten sollen. Robert Urbanczik und Walter Senn vom Institut für Physiologie der Universität Bern haben nun einen Lösungsansatz zu diesem Problem entwickelt. Ihr mathematisches Modell wurde in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlicht.

Neuronen entscheiden demokratisch

Entscheide werden im Gehirn von einem ganzen Netzwerk von Neuronen gefällt, wobei alle Zellen ähnliche Informationen erhalten. Die Mehrheit der Neuronen bestimmt auf demokratische Weise, welcher Entscheid getroffen wird. Nachher wird ein Signal ausgesendet, das den Nervenzellen mitteilt, ob die Entscheidung richtig oder fehlerhaft war.

Bisherige Modelle gehen davon aus, dass alle Neuronen das gleiche Signal erhalten: ein Erfolgssignal bei einer richtigen, ein Misserfolgssignal bei einer fehlerhaften Entscheidung. "Das ist, als ob die Lehrerin den Schülern nur mitteilen würde, dass sie als ganze Klasse nicht bestanden habe. Wenn die Klasse gross ist, stehen damit die Chancen schlecht, überhaupt etwas zu lernen", erläutert Senn.

Wer falsch entscheidet, muss sich anpassen

Das Modell der beiden Berner Mathematiker geht nun noch einen Schritt weiter: Damit das Gehirn auf zuverlässige Weise gewisse Alltagsentscheide lernt, müssen die einzelnen Nervenzellen im Entscheidungsnetzwerk herausfinden können, ob sie sich richtig oder falsch verhalten haben.

Folgt auf einen Entscheid hin ein Misserfolgssignal, und war ein Neuron gleicher Meinung wie die Mehrheit, muss es seine Meinung ändern. Wich seine Meinung bei einer fehlerhaften Entscheidung von der Mehrheit ab, hat es sich folglich richtig verhalten und muss sich nicht anpassen. Das ist die Rechnung, die jedes Neutron durchführen muss.

Sie kann mit einfachen zellulären Prozessen realisiert werden. Ob ein Erfolg oder Misserfolg erzielt wurde, kann den Neuronen durch das Ausschütten eines bestimmten Neuromodulators (z. B. Dopamin) mitgeteilt werden. Ein anderer Modulator repräsentiert die Mehrheitsmeinung. Neuromodulatoren sind körpereigene Substanzen, welche die Erregungsbereitschaft von Nervenzellen beeinflussen können.

Quellenangabe: Robert Urbanczik und Walter Senn: Reinforcement learning in a population of spiking neurons. Nature Neuroscience, 2009, doi:10.1038/nn.2264.

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibe.ch
http://www.nature.com/neuro/journal/vaop/ncurrent/full/nn.2264.html
http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2009/ne...

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE