Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Motten und Fliegen als Versuchsmäuse der Zukunft

08.09.2009
Billige und schnelle Alternativen bei Arzneimitteltests

Mehrere Insekten wie etwa Motten und Fruchtfliegen könnten für Wirksamkeitstests neuer Medikamente eingesetzt werden, da sie auf mikrobielle Infektionen genauso wie Säugetiere reagieren. Das berichtet Kevin Kavanagh von der National University of Ireland in Maynooth auf einem Mikrobiologenkongress, der derzeit im schottischen Edinburgh stattfindet.

Als wichtigsten Nutzen dieser Methode sieht der Forscher, dass weniger Säugetiere bei Tests herangezogen werden müssen und auch der finanzielle Aufwand der Forschung geringer wird. "Wir konnten zeigen, dass die Immunzellen bei Insekten und Säugetieren strukturell und funktionell gleich sind, obwohl sie seit über 400 Mio. Jahren getrennte evolutionäre Wege gehen", so Kavanagh.

Der irische Wissenschaftler konzentrierte sich vor allem auf den Vergleich von neutrophilen Granulozyten, die Teil der weißen Blutkörperchen von Säugetieren bilden und zugleich als Fresszellen wichtigen Teil der Immunabwehr bilden, mit Hämatozyten. Bei letzteren handelt es sich um Blutzellen von Insekten, die eine ähnliche Funktion wie die Neutrophile besitzen. Was die Reaktion auf mikrobielle Erreger betrifft, gleichen sich die beiden Blutbestandteile. Sowohl die Säugetier- als auch die Insektenzellen produzieren Chemikalien mit einer ähnlichen Struktur, die sich beim Auftauchen eines Eindringlings in Richtung der Zelloberfläche bewegen, um dort den Feind abzutöten. Die Immunzellen schließen die Erreger in Folge ein und stoßen Enzyme aus, um sie abzubauen.

Insekten werden schon bisher für anfängliche Tests neuer Medikamente eingesetzt, jedoch nur im Larvenstadium und gefolgt von Mäusetests. Kavanagh geht mit seiner Behauptung einen Schritt weiter. Die Fruchtfliege (Drosphila), die große Wachsmotte (Galleria mellonella) und eine Art der Schwärmer (Manducae) würden sich besonders eignen, um die Effizienz von antimikrobiellen Wirkstoffen zu testen oder um zu prüfen, wie ansteckend Pilzerreger sind. Dadurch könnte man die Anzahl benötigter Mäuse um 90 Prozent reduzieren und die Versuche erheblich beschleunigen, da Test mit Insekten schon in 48 bis 72 Stunden Ergebnisse liefern, während es bei Mäusen vier bis sechs Wochen dauert.

Damit die für Medikamententests nötige Sicherheit garantiert wird, ist noch einiges an Forschungsarbeit nötig. "Wir werden die Ähnlichkeiten zwischen der Immunreaktion von Insekten und Säugetieren weiter erforschen. Doch es scheint sehr wahrscheinlich, dass Insekten eines Tages als Modelle benutzt werden, um verschiedene menschliche Krankheiten zu untersuchen", so Kavanagh.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nuim.ie
http://www.sgm.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten