Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Möglichkeit, Krebs bei entzündlichen Darmerkrankungen zu verhindern

26.11.2010
Chronische entzündliche Darmerkrankungen, wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, stellen einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs dar.

Jetzt ist einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Markus Neurath, Direktor der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikums Erlangen, der Nachweis gelungen, dass das Molekül “VEGF” (vascular endothelial growth factor) das Tumorwachstum begünstigt. Das berichtet das Wissenschaftsjournal “The Journal of Experimental Medicine” in seiner aktuellen Ausgabe.

„Damit eröffnet sich die Chance, Patienten mit chronischen Darmentzündungen durch VEGF-hemmende Medikamte vor Darmkrebs zu schützen oder das Tumorwachstum zu stoppen”, sagte Prof. Markus Neurath. Dies soll in einer klinischen Studie untersucht werden.

„Aus unserer Forschungsarbeit ergeben sich neue Behandlungsansätze für chronisch entzündliche Darmerkrankungen, da VEGF-hemmende Medikamente bereits in der Klinik bei verschiedenen Tumorerkrankungen regelmäßig eingesetzt werden. Das bietet einen möglichen Ansatzpunkt zur Therapie und Prävention von Darmkrebs bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa”, sagte Prof. Neurath. Hatte man bisher angenommen, dass VEGF nur an der Gefäßneubildung in bereits bestehenden Tumoren beteiligt ist, legen die Daten dieser Arbeit nahe, dass eine Aktivierung von VEGF schon bei sehr frühen Stadien der Tumorentstehung von Bedeutung ist und durch eine Hemmung von VEGF sogar die Tumorentstehung verhindert werden könnte.

Ferner gibt es bei den unterschiedlichen Tumorarten immer wieder Patienten, bei denen eine VEGF-Hemmung wirkungslos ist. Der hier gezeigte Mechanismus der VEGF- Signalübertragung in Tumorzellen könnte diese Unterschiede erklären, da er vielleicht auch bei anderen Tumorerkrankungen für eine effektive Therapie mit VEGF-hemmenden Medikamenten verantwortlich ist.

Verminderung von Darmentzündungen bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Neben der Bedeutung auf die Tumorentstehung zeigen weitere Studien, dass VEGF auch direkt an der Aufrechterhaltung der chronischen Entzündungsreaktion beteiligt ist. Somit könnte eine Hemmung von VEGF bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa die Tumorentstehung verhindern, bereits entstandene Tumoren hemmen und zu einer Verringerung der Darmentzündung führen.

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die Neubildung von Gefäßen eine wichtige Voraussetzung für das Tumorwachstum darstellt. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei das Molekül “VEGF”. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung wird VEGF bei verschiedenen Tumorarten von Tumorzellen gebildet, bindet nach seiner Freisetzung an Gefäßzellen und fördert deren Wachstum. Verhindert man die Bindung von VEGF an dessen Zielzellen, z. B. durch spezifische Antikörper, wird das Wachstum der Gefäßzellen gehemmt und der Tumor kann aufgrund von Sauerstoff- und Nährstoffmangel nicht weiter wachsen. Dieser Effekt wird bereits bei verschiedenen Tumorarten therapeutisch angewandt.

Intensive Forschungsarbeit brachte die zündende Idee
Die Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Prof. Markus Neurath untersuchten an einem Modell des entzündungsbedingten Darmkrebses bei Mäusen die Rolle des VEGF-Moleküls. „Als wir genauer untersuchten, welche Zellen in entzündungsbedingten Darmtumoren die nötigen Bindungsrezeptoren tragen, stellten wir mit erstaunen fest, dass nicht nur Gefäßzellen, sondern auch Tumorzellen VEGF binden können”, erklärten Prof. Markus Neurath und sein Mitarbeiter Dr. Maximilian Waldner. „Daraus ergab sich die Frage, ob VEGF, ähnlich wie bei Gefäßzellen, das Wachstum von Tumorzellen beeinflussen kann.” In weiteren funktionellen Untersuchungen zeigte die Arbeitsgruppe mit Hilfe genetischer Methoden, dass eine dauerhafte Entzündung die Bindung von VEGF an zuvor gesunden Darmzellen ermöglicht. Dabei führte ein wichtiger entzündungsfördernder Botenstoff, das Interleukin-6, welches auch an der Entstehung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt ist, dazu, dass Darmzellen den Rezeptor für VEGF tragen. Bindet nun VEGF an Darmzellen, kann es einen wichtigen Wachstumsfaktor, das sogenannte STAT3, aktivieren und dadurch die Tumorenstehung fördern.
Mehr Informationen:
Dr. Maximilian Waldner
Tel.: 09131/85-45025
maximilian.waldner@uk-erlangen

Pascale Anja Dannenberg | idw
Weitere Informationen:
http://jem.rupress.org/cgi/content/abstract/jem.20100438
http://www.uk-erlangen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik