Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Modernste Fraunhofer-Technologie für die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten Südafrikas

21.03.2011
Mobiles Diagnostik-Labor des Fraunhofer IBMT offiziell an die Regierung der Westkap-Region übergeben

Die jahrelange Arbeit des saarländischen Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik IBMT auf dem Gebiet der HIV/AIDS-Forschung gemeinsam mit der Stellenbosch-Universität in Kapstadt (Südafrika) bildete die Grundlage zum erfolgreichen Start des mobilen Diagnostiklabors der biologischen Sicherheitsstufe 3 am 16. März 2011. Im Juli 2010 hatte der Gesundheitsminister der Westkap-Region, Theuns Botha, das Fraunhofer IBMT auf seinem Weg zur Internationalen AIDS-Konferenz in Wien im Saarland besucht und konnte sich von der Leistungsfähigkeit des mobilen Labors einen ersten Eindruck verschaffen.

Am 16. März 2011 war es nun soweit: Das hochmoderne »Lastwagen«-Labor wurde in einem feierlichen Akt an der Stellenbosch-Universität in Kapstadt in Anwesenheit von Vertretern aus Südafrika und Deutschland übergeben.
Das mobile Diagnostiklabor wird nun seine Reise in der Region um Kapstadt beginnen und als »rollende« Diagnostik- und Therapieeinheit die Versorgung von Patienten mit Infektionskrankheiten wie HIV/AIDS und Tuberkulose unterstützen.

Das Projekt ist begründet auf einer Public-Private-Partnership zwischen den folgenden Partnern:

Stellenbosch-Universität, Südafrika
National DoH International Health Relations, Südafrika
HOPE Cape Town Association, Südafrika
National Health Laboratory Service (NHLS)
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Saarland
Das Projekt wird weiterhin unterstützt vom Deutschen Generalkonsulat in Kapstadt.

Mobiles Diagnostiklabor der biologischen Sicherheitsstufe 3

Die Erreichbarkeit von Risikogruppen für Infektionskrankheiten wie AIDS, Tuberkulose (TB) oder Malaria in ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern stellt ein großes Problem bei der medizinischen Versorgung in diesen Regionen dar. Für diese Gruppen steht eine ärztliche Aufklärung und Grundbetreuung, eine optimale Diagnostik sowie eine Probennahme und -asservierung kaum oder gar nicht zur Verfügung. Häufig treten vor allem Koinfektionen, z. B. HIV-Tuberkulose, mit resistenten TB-Stämmen auf, wofür angepasste optimierte Diagnostik und Therapie notwendig sind. Aus diesem Kontext heraus wird der Bedarf nach fahrbaren, autarken Einrichtungen gemäß der biologischen Sicherheitsstufe 3 mit Kryoausstattung ersichtlich.

Da entsprechende zugelassene Fahrzeuge so gut wie nicht existieren, wurde auf der Grundlage einer breiten Technologieexpertise in der Fraunhofer-Gesellschaft am Standort des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik in Sulzbach/Saar gemeinsam mit einem KMU der Sonderfahrzeugbranche (Bischoff und Scheck Fahrzeugtechnik GmbH & Co. KG) ein vollständig den deutschen Normen entsprechendes mobiles Sicherheitslabor nach dem Infektionsschutzgesetz und der Biostoffverordnung entwickelt.

Das erste mobile Labor des Fraunhofer IBMT der Sicherheitsstufe 3 ist für eine Patientenbehandlung mit angeschlossenem Analyselabor konzipiert und wurde 2009 für die Straßennutzung freigegeben. Das Labor kann frei stehend im Feld betrieben werden und benötigt keinerlei weitere Versorgungsleitungen wie Strom-, Wasser- oder Abwasseranschluss. An Bord sorgt ein 65 kW Dieselaggregat mit 1000 l Dieseltank für elektrische Energie. Hydraulische Hubstützen ermöglichen eine horizontale Ausrichtung des Fahrzeugs auf Freiflächen. Die für einen sicheren Betrieb wesentlichen Komponenten wurden durch Redundanz oder Diversifikation ausfallsicher gestaltet.

Ein Aufnahme- und Behandlungsraum mit medizinischer Ausstattung bietet einem Arzt eine komfortable Umgebung zur Blutabnahme und Behandlung von Patienten. Die gewonnenen Proben werden dann in einem Labor der biologischen Sicherheitsstufe 3 analysiert, das durch eine Personenschleuse zu erreichen ist.

Die Erstausstattung des Labors ist für die Diagnostik und Behandlung von HIV- und TB-Patienten ausgelegt. Die Installationen der Systeme sind flexibel gestaltet, um je nach Bedarf Systeme nachzurüsten oder schnell auszutauschen. Erweiterung auf Malaria- oder andere Erreger ist möglich.

Zur generellen Ausstattung des Labors gehören zwei Sterilwerkbänke ebenso wie ein Durchreiche-Autoklav mit Vakuumdampfsterilisation für die zuverlässige und sichere Vernichtung von Keimen. Mit bis zu 300 l Flüssigstickstoff gekühlte Behälter an Bord machen das Labor außerdem zu einem fahrenden Kryolager, in dem auch infektiöse Proben sicher tiefgefroren transportiert werden können.

Der flexible Aufbau des Labors ermöglicht einen Einsatz für unterschiedliche Anwendungsfälle in vielen Ländern und Regionen weltweit. Das standardisierte Sattelauflegerformat erlaubt ein Versenden des Labors als Seefracht zu günstigen Konditionen. Das Fahrzeug ist unabhängig von der Zugmaschine, die vor Ort für die Weiterfahrt angemietet werden kann. Für den internationalen Einsatz als Hochsicherheitslabor und natürlich auch für den Normalbetrieb wurde bei der Ausstattung auf verfügbare Serviceunterstützung in den meisten Ländern der Welt geachtet. Die eingebauten Kommunikationsmittel (z. B. Satellitentelefon) gewährleisten zudem eine Fernüberwachung und Steuerung des Aufliegers. Auf die gewonnen Daten kann online zugegriffen werden.

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hagen von Briesen
Telefon: +49 (0) 6894/980-286
E-Mail: hagen.briesen@ibmt.fraunhofer.de

Annette Maurer | idw
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de
http://www.ibmt.fraunhofer.de/fhg/ibmt/biomedizintechnik/zellbiologie_angewandte_virologie/index.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten