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Die moderne Krebsmedizin arbeitet personalisierter, präziser und schonender zum Wohle des Patienten

21.09.2009
Die moderne Krebstherapie wird die Lebensqualität von Menschen mit einer Krebsdiagnose deutlich verbessern.

Das betonten Experten der Krebsmedizin in der deutsch-sprachigen Pressekonferenz heute (21.September) zum Auftakt von Europas größtem Krebskongress ECCO 15-ESMO 34 in Berlin. Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Schlag, Vorsitzender des Nationalen Organisationskomitees und Direktor des Charité Comprehensive Cancer Center in Berlin erklärte: "Die moderne Krebsmedizin kombiniert verstärkt erfolgreiche Methoden aus Chirurgie, Strahlentherapie und medikamentöser Therapie und behandelt damit zunehmend zielgenau das individuelle Krankheitsbild eines Patienten.

Somit wird die Therapie der Zukunft sehr viel personalisierter ausgerichtet sein und präziser das spezielle Krankheitsbild des einzelnen Patienten in den Blick nehmen." Als Experten bei der Pressekonferenz über neue Behandlungswege in der Krebsmedizin dabei waren zudem der Radioonkologe Prof. Dr. Michael Baumann, Direktor des Universitäts KrebsCentrum Dresden, der Medizinische Onkologe Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor des Centrums für Integrierte Onkologie Köln/Bonn sowie Prof. Dr. Christof von Kalle, Sprecher des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), das das Universitätsklinikum Heidelberg und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) gemeinsam tragen. Prof. von Kalle ersetzte in der Pressekonferenz Prof. Dr. Otmar Wiestler, Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand des DKFZ, der seine Teilnahme aus terminlichen Gründen absagen musste.

"Cancer Survivorship" als aufstrebendes Forschungsfeld

Immer mehr Menschen überleben eine Krebserkrankung. Zwar variieren je nach Tumor die Überlebensraten, die fortgeschrittensten Behandlungsformen können jedoch eine 5-Jahres-Überlebensrate von 80 % oder mehr für bestimmte Krebsarten, z.B. Gebärmutter-, Brust-, Dickdarm- und Hodenkrebs erzielen. Die moderne Krebsmedizin ist auf einem hohen Niveau angekommen und steht gleichwohl vor einem Paradigmenwechsel: "Früher war das Überleben der fast ausschließliche Zielparameter in der Krebsbehandlung; heute gilt es zusätzlich, den Behandlungsplan so aufzubauen, dass sich der Patient auch nach der Therapie über eine gute Lebensqualität freuen kann", sagt Prof. Peter M. Schlag. Das zentrale Ziel: Der Patient soll Eingriff und Therapie mit möglichst wenig Beschwerden sowie unangenehmen und belastenden Behandlungsfolgen überleben. "Cancer Survivorship", also das Überleben nach einer Krebstherapie, wird in Deutschland als Forschungsfeld, insbesondere auch unter Einbeziehung psychoonkologischer Expertise und der "Krebsselbsthilfe", mehr und mehr ausgebaut. Allein in diesem Jahr wurden dazu 1086 Studien veröffentlicht. Nur in Italien wurde mit 1147 Studien europaweit dazu mehr geforscht, und weltweit steht die USA mit 6284 Veröffentlichungen zum Thema "Cancer Survivorship" an der Spitze. Die Verbesserung und Verstetigung der langfristigen Lebensqualität soll nicht nur durch gezielte Therapieplanung (z. B. bildgestützte, navigierte, minimal invasive Eingriffe), sondern auch durch maßgeschneiderte multimodale Behandlungskonzepte, welche die Besonderheit des speziellen Tumors, aber auch die Belastbarkeit des individuellen Tumorträgers berücksichtigt, erreicht werden. Eine vorausgehende Chemotherapie beispielsweise kann den chirurgischen Eingriff erleichtern. Schließlich kann die Resektion dann deutlich begrenzter erfolgen und im größeren Umfang das gesunde Gewebe schonen.

Molekulare Therapie - die Behandlung von Krebserkrankungen jenseits der Chemotherapie

Professor Dr. Michael Hallek, Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Internistische Onkologie, spricht von einer neuen "Ära" in der Krebsmedizin: "Die Behandlung von Krebspatienten wird in Zukunft schonender und sicherer für den Patienten sein und einen größeren Heilungserfolg haben." Der Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Universität Köln ist zugleich Direktor des Centrums für Integrierte Onkologie Köln-Bonn und gehört ebenso zum Nationalen Organisationskomitee des ECCO 15 - ESMO 34. Der Krebsmediziner ist ein ausgewiesener Experte für molekulare Diagnostik und Therapien. Und genau die Fortschritte in diesem Bereich lassen ihn derart optimistisch in die Zukunft blicken, denn die Erkenntnisse der Biologie und Genetik helfen der modernen Medizin dabei, zielgenaue Therapien für Krebspatienten zu entwickeln. Unter dem Schlagwort "personalisierte Medizin" stehen immer mehr Medikamente zur Verfügung, die genau auf die verursachenden Krebs-Gene eines Patienten zugeschnitten sind. Im Gegensatz zur Chemotherapie hat diese Behandlung weniger Nebenwirkungen. In der Praxis bedeutet das, dass Krebspatienten zunächst einer molekularen Diagnostik unterzogen werden, um sie anschließend mit einem zielgenauen Medikamentencocktail zu behandeln. "Die neuen Medikamente wirken gezielt gegen die individuellen, krebsauslösenden genetischen Merkmale des Tumors", sagt Hallek. "Bei bestimmten Arten von Lungenkrebs können wir mit einer molekular maßgeschneiderten Therapie etwa 90 Prozent der Patienten wirklich helfen", sagt er.

Moderne Strahlentherapie - präziser mit Hilfe von Technologie und Biologie

Auch in der Strahlentherapie haben sich die Behandlungsmethoden verfeinert. "Die Strahlentherapie gibt es seit 100 Jahren, aber was sich technologisch in den letzten 15 Jahren verändert hat, gleicht einem Quantensprung", sagt Prof. Dr. Michael Baumann, Direktor des Universitäts KrebsCentrums Dresden und von 2010 an ECCO-Präsident. Die Strahlentherapie, so Baumann, war schon immer eine individualisierte Medizin, da Dosis und Lokalisation an die Anatomie des jeweiligen Patienten angepasst werden. "Die Technologie ist in den vergangenen Jahren sehr viel präziser geworden, so dass heute bei einer Bestrahlung gesundes Gewebe sehr viel stärker geschont wird und höhere Tumordosen möglich sind", sagt Baumann. Künftig wird das so genannte "In-Room Imaging" zu einem zentralen Bestandteil der Krebstherapie werden. Die Bildgebung findet dabei direkt am Bestrahlungsplatz statt, so dass umgehend Korrekturen durchgeführt werden können, falls sich der Tumor im Gewebe bewegt. In Zukunft werden neue Erkenntnisse der Biologie die Strahlentherapie weiter verfeinern. Molekulare Bildgebung, z.B. mit der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und molekulare Untersuchungen an Tumorgewebe liefern Informationen über die biologischen Merkmale des Tumors, nach denen die Dosis in der Strahlentherapie genauer bestimmt oder eine Kombination der Bestrahlung mit neuen Medikamenten gezielt eingesetzt werden kann.

Translationale Forschung - ein Beitrag zur künftigen Krebsbehandlung

Prof. Christof von Kalle, NCT-Direktor sowie Mitglied des Nationalen Organisationskomitee des ECCO 15 - ESMO 34, sieht die moderne Krebsforschung als "Taktgeber" für die Krebsmedizin. Und auch er stellt fest: "Wir stehen am Wendepunkt in der Krebsmedizin. Sie wird zukünftig gezielter und damit wirksamer und nebenwirkungsärmer sein." Vielfältige Erkenntnisse der Grundlagenforschung sind inzwischen in neue Präventions- und Behandlungsansätze eingeflossen: Das beste Beispiel dafür ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen Gebärmutterhalskrebs. In naher Zukunft erwartet man, dass auch etwa die Stammzellenforschung und die Entschlüsselung des Erbguts der Krebszellen zu neuen Behandlungsansätzen führen. "Eine neue Generation von Wirkstoffen ermöglicht es, die Krebszellen gezielt anzugreifen und damit gesunde Organe und Gewebe zu schonen", sagt von Kalle. Damit dieser Fortschritt den Patienten so schnell wir möglich zugute kommt, setzt von Kalle auf die "Translationale Forschung" als Bindeglied zwischen Labor und klinischer Anwendung. Auch die intensive Zusammenarbeit von Grundlagenforschern und Ärzten, wie sie in den neu eingerichteten Onkologischen Spitzenzentren praktiziert wird, trägt dazu bei, Erkenntnisse der biomedizinischen Forschung möglichst schnell in klinische Anwendungen zu übertragen.

Moderne Krebsmedizin - eine multidisziplinäre Aufgabe

Die moderne Krebsmedizin setzt zunehmend auf die Expertise verschiedener ärztlicher Fachdisziplinen, aber auch auf die Fachkenntnisse von Biologen, Genetikern und anderen technischen Disziplinen. ECCO 15 - ESMO 34, Europas größter Krebskongress, ist dafür eines der wichtigsten internationalen Foren. Es ist der einzige europäische Kongress, der das gesamte Spektrum der Krebsmedizin abdeckt und umfasst somit die Grundlagenforschung, die Translationale Forschung, Prävention, Diagnose, Behandlung, Nachsorge und Pflege und weitere Themen, wie die psychologische Unterstützung für Krebspatienten und deren Angehörige. Etwa 15.000 Experten aus 120 Ländern werden im ICC Berlin von Sonntag, 20. September bis Donnerstag, 24. September 2009 in mehr als 2000 Präsentationen aktuelle Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Krebsmedizin vorstellen und diskutieren. Der internationale Austausch ist besonders wertvoll und zukunftsträchtig, um gemeinsam neue Wege in Diagnostik und Therapie zu entwickeln und die gesundheitspolitischen Vorgaben mitzugestalten.

Der Kongress in Berlin ist erstmal gemeinsam von den beiden Non-Profit-Organisationen ECCO ("European CanCer Organisation") und ESMO ("European Society of Medical Oncology") organisiert. ECCO ist aus der früheren "Federation of European Cancer Societies" hervorgegangen und vertritt heute mehr als 20 verschiedene europäische Vereinigungen in der Krebsmedizin. 2008 haben ECCO und ESMO vereinbart, alle zwei Jahre einen gemeinsamen Kongress zu veranstalten.

Pressebüro bei ECCO 15 - ESMO 34: (Sonntag, 20. September - Donnerstag, 24. September)
Emma Mason, Mary Rice, Emma Ross, Susanne Werner
Tel: +49 30 3038 1006 und +49 30 3038 1007
Fax: +49 30 3038 1024
Weitere Informationen (nach ECCO 15 - ESMO 34):
Auf Englisch und Deutsch:
Susanne Werner
Tel.: +49 (0) 30 8573 1893
Fax: +49 (0) 30 8560 3594
Handy: +49 (0) 170 54 18 204
E-Mail: info@susannewerner.net

Susanne Werner | idw
Weitere Informationen:
http://www.berliner-krebsgesellschaft.de

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