Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf den Millimeter genau - Hochpräzise Bestrahlung von Lungen- und Lebertumoren

13.03.2009
Die sogenannte stereotaktische Strahlentherapie ermöglicht eine auf den Punkt genaue Bestrahlung von Tumorherden im Körper des Patienten. Ärzte können diese Form der Bestrahlung in einer einzigen Sitzung ("Radiochirurgie") oder in mehreren Sitzungen ("fraktioniert") durchführen.

Aufgrund ihrer hohen Präzision wird die stereotaktische Bestrahlung auch als "Operation ohne Messer" bezeichnet. In der Vergangenheit kam das Verfahren vor allem bei Hirntumoren zum Einsatz. Doch auch bei Lungen- und Lebertumoren bietet es mittlerweile Aussicht auf eine langfristige Eindämmung des Krebsleidens. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich neuerer Untersuchungen hin.

Bei einer stereotaktischen Behandlung werden die Strahlen aus vielen Richtungen von außen auf den Tumor gelenkt. Wie in einem Brennglas bündelt sich die volle Dosis im Tumorherd. Das umliegende Gewebe bleibt weitgehend verschont. "Das Verfahren ist technisch sehr aufwendig. Wir benötigen hierfür ein spezielles Navigationssystem, mit dem sich bestimmte Punkte im Körper ansteuern und die Koordinaten des Bestrahlungsgebietes dreidimensional ermitteln lassen", erklärt Professor Dr. med. Volker Budach, Präsident der DEGRO und Chefarzt an der Klinik für Radioonkologie an der Berliner Charité. Vor jeder Behandlungssitzung erfolgt zudem eine bildgestützte Lagekontrolle am Bestrahlungsgerät - meist in Form einer Computertomographie (CT).

Bei Lungentumoren ist das Fokussieren der Strahlen schwierig. Denn mit den Atembewegungen verändert auch der Tumor seine Lage. Strahlentherapeuten setzen daher verschiedene Methoden ein, um den Tumor oder die Metastase (Tochtergeschwulst) exakt zu treffen. So wird der Patient entweder unter kurzzeitigem Anhalten des Atems oder mit eingeschränkter Atembeweglichkeit bestrahlt. Andere Möglichkeiten bei freier Atmung sind das sogenannte "Gating" oder auch das "Tracking". Beim "Gating" erfolgt die Bestrahlung immer nur dann, wenn der Tumor komplett vom fixierten Strahlenbündel erfasst wird. Beim "Tracking" folgt das Strahlenbündel dem bewegten Tumor. "Patienten mit Lungenkrebs im frühen Stadium, die wegen ihres Alter oder bestimmter Begleiterkrankungen nicht für eine Operation oder Chemotherapie infrage kommen, bietet die stereotaktische Therapie die einzige Chance auf eine Heilung", so Budach.

Auch Lebermetastasen lassen sich unter Schonung des gesunden Gewebes stereotaktisch bestrahlen. Tochtergeschwülste in der Leber treten bei vielen Tumorerkrankungen wie Darm- und Brustkrebs auf. "Häufig sind die Patienten jedoch zu schwach für eine Operation und die Metastasen zu groß für andere Verfahren wie zum Beispiel die Verödung mit einer Sonde", berichtet Budach. "In diesen Fällen ist die stereotaktische Bestrahlung eine gut verträgliche Alternativtherapie. Aber auch bei erneutem Tumorwachstum nach einer Operation bietet sie gute Aussichten auf lokale Heilung."

Nebenwirkungen treten bei der stereotaktischen Bestrahlung selten auf. "Nur in wenigen Fällen kommt es zu leichter Übelkeit, Appetitlosigkeit oder zu vorübergehendem Husten", so Budach. Weitere Vorteile des Verfahrens: Es sind nur wenige Bestrahlungen erforderlich. Bei den meisten Patienten kann die Behandlung daher ambulant durchgeführt werden.

Pressekontakt für Rückfragen:

Silke Stark
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 / 8931-572
Fax: 0711 / 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit