Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medikamentöse Therapie für Kinder mit Rheuma verbessern

17.09.2009
In Deutschland leiden etwa 20 000 Kinder und Jugendliche an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Zwar sind heute immer mehr wirksame Arzneimittel verfügbar. Diese sind bisher jedoch nur begrenzt zugelassen.

Um den kleinen Patienten zu helfen, greifen Ärzte häufig trotzdem darauf zurück. Welche Medikamente sich für Kinder mit Rheuma eignen, diskutieren Experten im Rahmen des 37. Kongresses der DGRh. Gemeinsam mit der Assoziation für Orthopädische Rheumatologie (ARO) und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) tagt die DGRh vom 23. bis 26. September 2009 in Köln.

In der "Kinderkerndokumentation" erfassen Forscher jährlich die Daten von etwa 6 000 rheumakranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Darin zeigt sich, dass moderne Medikamente den Kindern helfen, ihre Schmerzen lindern und ihnen einen lebenswerteren Alltag ermöglichen. "Die Kinderrheumatologie hat in letzter Zeit erhebliche Fortschritte gemacht und mehrere große Studien scheinen sehr vielversprechend", sagt Dr. med. Kirsten Minden, Vorstandsmitglied der GKJR aus Berlin und Studienleiterin der "Kinderkerndok". Dies gilt vor allem für Biologika. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente mildern nicht nur die Symptome von Rheuma. Sie greifen auch direkt in die entzündlichen Prozesse ein. Indem sie etwa den entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha binden, verhindern sie, dass die Entzündung im Gelenk fortschreitet.

Etwa 15 000 Kinder leiden hierzulande unter Juveniler Idiopathischer Arthritis (JIA), der häufigsten chronisch-entzündlichen Rheumaform bei Kindern und Jugendlichen. "Trotz guter Studienlage sind bislang nur wenige neue Medikamente für Kinder mit einer solchen chronischen Arthritis zugelassen, da diese Verfahren mehrere Jahre dauern", sagt Kinder- und Jugendrheumatologin Minden. Seit April 2008 ist das Biologikum Abatacept in den USA im Einsatz, Tocilizumab in Japan. Europa wartet noch darauf. Hier sind Etanercept und seit

August 2008 Adalimumab zugelassen. Die Erlaubnis gilt aber nur für Kinder, bei denen mehr als fünf Gelenke betroffen sind. Derzeit bekommt auf diese Weise jedes zehnte Kind mit einer JIA ein Biologikum.

Auch einige Basismedikamente - ursprünglich für Erwachsene entwickelt - sind vielfach nicht für Kinder genehmigt. Denn ihre Markteinführung liegt oft lange zurück, weshalb sich Studien für die Hersteller mitunter nicht mehr lohnen. Viele Präparate haben sich jedoch über Jahre in der Praxis bewährt. "Um den betroffenen Kindern zu helfen, behandeln Kinderrheumatologen sie außerhalb der Zulassung mit diesen Arzneimitteln", erläutert Minden. Dieser "Off-lable-Use" betrifft bei selteneren rheumatischen Erkrankungen etwa 10 Prozent der kleinen Patienten. Die Ärzte stützen sich dabei nicht nur auf ihre langjährige Erfahrung. Auch medizinische Leitlinien geben ihnen fundierte Hinweise, wie die Präparate einzusetzen sind.

Angesichts der günstigen Entwicklungen im medikamentösen Bereich erscheint es umso bedauerlicher, dass es hierzulande noch immer fünf Monate dauert, bis junge Patienten zum Facharzt gelangen. Denn dabei gehe wertvolle Zeit verloren, bedauert Minden: "Vom Beginn der Symptome bis hin zum ersten Besuch bei einem Kinderrheumatologen sollten nicht mehr als sechs Wochen vergehen." Denn nur eine frühzeitige Therapie schützt vor späteren Schäden. Mit bundesweit 85 Kinderrheumatologen sei der Bedarf nur zu etwa zwei Drittel gedeckt. Welche Ärzte und Medikamente rheumakranken Kindern und Jugendlichen helfen, diskutiert die DGRh auf einer Pressekonferenz am 17. September 2009 in Köln.

Terminhinweise:

Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 37. Kongresses der DGRh:
"Ob Alt oder Jung: Rheuma geht uns Alle an - denn es kann Jeden treffen"
Donnerstag, 17. September 2009, 11.00 bis 12.00 Uhr
Marriott Hotel, Raum Cappucino, Johannisstrasse 76-80, 50668 Köln
Vortrag "Off-Label-Use in der Pädiatrie"
Donnerstag, 24. September 2009, 14.35 bis 14.55 Uhr
Congress-Saal 2, Congress-Centrum Ost,
Deutz-Mühlheimer-Straße 51, Eingang Ost, 50679 Köln
Symposium: "Off-Label-Use in der Rheumatologie"
Freitag, 25. September 2009, 10.00 bis 11.30 Uhr
Offenbachsaal, Congress-Centrum Ost,
Deutz-Mühlheimer-Straße 51, Eingang Ost
50679 Köln
Ansprechpartner für Journalisten:
Kongress-Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
spirgat@medizinkommunikation.org
DGRh-Pressestelle
Sandra Wittig
Luisenstraße 41
10117 Berlin
Tel: 030/240484-80
Fax: 030/240484-79
sandra.wittig@dgrh.de

Dr. Cornelia Rufenach | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgrh.de/kongress2009.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE