Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetische Zellen sollen Schäden im Körper reparieren

23.12.2008
Ein Traum der Medizin ist es, lokal begrenzte Schäden im Körper mit Hilfe gesunder Zellen zu beheben. Doch wie lässt sich verhindern, dass die Zellen nicht gleich vom Blutstrom fortgespült werden, bevor sie in das Gewebe einwachsen?

Wissenschaftler der Universität Bonn haben zusammen mit Kollegen aus München und Berlin eine Lösung dieses Problems gefunden: Sie präparierten die Hilfszellen so, dass diese sich mittels starker Magnete an die passende Stelle dirigieren ließen. Die Forscher berichten in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift PNAS über ihre Ergebnisse.

Der Focus der Veröffentlichung liegt auf Zell- und Gentherapie. Dabei versucht man, einzelne Zellen im Körper genetisch so zu verändern, dass sie therapeutische Effekte haben. Die behandelten Zellen können dann beispielsweise Wirkstoffe erzeugen, die einen Tumor zurückdrängen. "In aller Regel möchte man sehr gezielt vorgehen, um Nebenwirkungen zu vermeiden", erklärt Professor Dr. Alexander Pfeifer vom Pharmazentrum Bonn.

Um die gewünschten Gene zu den entsprechenden Zellen zu transportieren, verwendet man "Genfähren". Häufig handelt es sich dabei um Viren. Im Grunde genommen sind das nämlich ohnehin nichts anderes als Transporter für Gene: Wenn sie auf eine passende Zelle treffen, "klammern" sie sich daran fest und injizieren ihre eigenen Erbanlagen. Dadurch programmieren sie die befallene Zelle um, die daraufhin - statt das zu tun, wofür sie eigentlich da ist - jede Menge neuer Viren produziert.

Zielgerichtete Therapien und Positionierung von Zellen

Man kann nun das Viren-Erbgut entfernen und durch "therapeutische" Gene ersetzen. Beim Infektionsvorgang gelangen diese Gene dann in die Zelle und rüsten sie mit neuen Funktionen aus. Doch dieser Vorgang braucht Zeit. Professor Pfeifer erklärt: "Sie müssen lange genug in der Nähe ihrer Zielzellen gehalten werden, um ihr Erbgut zu übertragen."

Schwierig wird das beispielsweise, wenn man den therapeutischen Virencocktail über die Blutbahn injiziert. Einerseits verteilt dieser sich dann im ganzen Körper und gelangt eventuell nicht in ausreichender Konzentration zu der Stelle, wo er hin soll. Zudem reißt der Blutstrom die Viren unter Umständen wieder fort, bevor sie ihre Genfracht injizieren können. "Wir haben die Viren daher an magnetische Partikel gekoppelt", erklärt Pfeifer. "Wenn wir von außen magnetische Felder anlegen, können wir die so modifizierten Genfähren daher an den erkrankten Stellen im Körper festhalten.

Doch nicht nur Viren lassen sich so im Körper an die passende Stelle dirigieren. Die Forscher nutzen dieses Verfahren, um Zellen magnetisch zu machen und so mit Hilfe eines Magneten an eine bestimmte Stelle zu ziehen. Pfeifer und Kollegen machten so auch Endothelzellen magnetisch - das sind Zellen, die die Blutgefäße auskleiden. "In Mäusen mit geschädigten Arterien konnten wir die Endothelzellen so genau in den geschädigten Arterien positionieren", betont Pfeifer. "Damit eröffnen sich natürlich völlig neue Therapieoptionen."

Kontakt:
Professor Dr. Alexander Pfeifer
Pharmazentrum der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5410 oder -11
E-Mail: alexander.pfeifer@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Arterie Blutbahn Blutstrom Endothelzelle Infektionsvorgang Magnet Virencocktail Virus Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten