Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magenkrebs zielgerichtet therapieren

23.09.2014

BMBF fördert Verbundprojekt SYS-Stomach mit 3 Millionen Euro

Mehr als 700.000 Menschen sterben jährlich weltweit an Magenkrebs. Bisherige Therapieansätze wie chirurgische Eingriffe oder Chemotherapie bringen nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse. Deshalb arbeitet das Konsortium SYS-Stomach, an dem auch das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig beteiligt ist, nun an neuen zielgerichteten Therapieformen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt zunächst mit einer Summe von 3 Millionen Euro über drei Jahre, eine Verlängerung für zwei weitere Jahre ist möglich.


Das Verbundprojekt SYS-Stomach wird vom BMBF mit 3 Millionen Euro gefördert.

SYS-Stomach

Der Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Infektionen ist vielen Menschen nicht bewusst. Dabei werden ein Sechstel aller Krebserkrankungen von Keimen verursacht. So auch Magenkrebs, der überwiegend durch Helicobacter pylori ausgelöst wird. Das Bakterium lebt in den Schleimhäuten des Magens und setzt dort ein Gift frei, das Magengeschwüre und in einigen Fällen sogar Magenkrebs verursacht.

Bei der Ausbreitung der Krankheit im Körper spielt die Fähigkeit von Zellen, sich aktiv zu bewegen, die sogenannte Zellmigration, eine große Rolle. Wandern Tumorzellen unkontrolliert, können sie in Nachbargewebe eindringen, im Körper streuen und bilden Absiedlungen in anderen Organen. Diese werden Metastasen genannt und sind für die meisten Todesfälle durch Krebs verantwortlich. „Genau hier setzen neuere Therapieansätze an. Sie verändern die Migrationseigenschaften der Tumorzellen, wodurch die Metastasenbildung verhindert wird“, sagt Prof. Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung „System-Immunologie“ am HZI.

Seine Abteilung ist am Verbundprojekt SYS-Stomach beteiligt, das von Prof. Birgit Luberan der Technischen Universität München und Dr. Dieter Maier von dem Unternehmen Biomax Informatics AG koordiniert wird. In diesem wird untersucht, wie die Zellmigrationseigenschaften durch gezielte Therapien beeinflusst werden können und wie sich die veränderte Motilität der Zellen auf die Erfolgsrate der Therapie auswirkt.

Dabei werden die Signalwege in den Tumorzellen und die spezifischen Unterschiede im Verhalten der Zellen als Reaktion auf die Behandlung untersucht. Darüber hinaus wird untersucht, wie sich Zellen mit reduzierter Motilität im Zellverband verhalten, wie die Morphologie des Tumors verändert wird und wie sich das auf die Ablösewahrscheinlichkeit von Tumorzellen und damit auf die Wahrscheinlichkeit der Metastasenbildung auswirkt.

Die Wissenschaftler kombinieren in dem Projekt neueste Erkenntnisse aus den Lebenswissenschaften mit Methoden aus den Informationswissenschaften. „Um Magenkrebs auch langfristig besser behandeln zu können, müssen wir unsere Stärken und Expertisen bündeln“, sagt Meyer-Hermann. „Der ganzheitliche Ansatz des Forschungsverbundes ist dafür perfekt geeignet.“ Wissen aus dem Bereich der Tumorbiologie soll dabei mit molekularbiologischen Erkenntnissen ebenso verknüpft werden wie mit der Analyse der dynamischen internen Organisation von Tumoren.

Basierend auf den experimentellen Ergebnissen werden mathematische Modelle erstellt: zum einen für das Wachstum von Magenkrebs, zum anderen für das Ansprechen auf eine Behandlung. „Da kommen wir ins Spiel“, sagt Meyer-Hermann. „Wir treffen mit Computermodellen Vorhersagen darüber, wie sich das System unter verschiedenen Bedingungen und nach der Behandlung mit unterschiedlichen Medikamenten verhält.“ So sollen langfristig neue und effizientere Therapieformen gefunden und vorhandene Therapieansätze optimiert werden.

Neben dem HZI sind auch das Institut für Pathologie der Technischen Universität München am Klinikum rechts der Isar, das Helmholtz Zentrum München in Neuherberg, das Universitäre Krebszentrum am Uniklinikum Leipzig und das Unternehmen Biomax Informatics AG an dem Projekt beteiligt.

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. http://www.helmholtz-hzi.de

Die Abteilung „System-Immunologie“ des HZI befasst sich mit der mathematischen Modellierung von immunologischen Fragestellungen. Die Abteilung ist mit dem Braunschweig Integrated Centre for Systems Biology (BRICS) assoziiert, einem neuen Forschungszentrum für Systembiologie, das gemeinsam vom HZI und der Technischen Universität Braunschweig gegründet wurde.

Weitere Informationen:

http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/magenkreb... - Diese Pressemitteilung auf der Homepage des HZI

Rebecca Winkels | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Prozesstechnik für effizientes Bohren und Schneiden auf der LASER CHINA

22.02.2017 | Messenachrichten

IHP-Forschungsteam verbessert Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren

22.02.2017 | Automotive