Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lymphdrüsenkrebs: bessere Ergebnisse durch ergänzende Strahlentherapie bei ausgedehnten Tumoren

12.03.2014

Besonders aggressive B-Zell-Lymphome, eine Krebserkrankung des Lymphsystems, die vor allem bei älteren Menschen auftritt, wurden lange Zeit mit einer Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie behandelt.

In letzter Zeit wurde auf die Radiotherapie allerdings immer häufiger verzichtet, stattdessen setzten Ärzte vielversprechende neue Medikamente ein. Zwar konnten die sogenannten monoklonalen Antikörper die Therapieergebnisse verbessern.

Jedoch wurde in einer aktuellen Studie gezeigt, dass vor allem bei ausgedehnten Tumoren die Langzeiterfolge durch eine zusätzliche Strahlentherapie noch weiter optimiert werden können, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

B-Zell-Lymphome gehören zu den Non-Hodgkin-Lymphomen, die wiederum eine Untergruppe des Lymphdrüsenkrebses sind. B-Zell-Lymphome bestehen aus Zellen des Immunsystems, die normalerweise Antikörper produzieren.

Bei aggressiven Varianten des B-Zell-Lymphoms kommt es häufig zu einem ausgedehnten Befall der Lymphdrüsen, bei dem die Tumorgröße einen Durchmesser von mehr als 7,5 cm hat und der auch als „bulky disease“ bezeichnet wird. Bei diesen Patienten hat der Tumor häufig die Grenzen der Lymphdrüsen überschritten.

Die Therapie bestand lange Zeit in einer Chemotherapie, die nach den Anfangsbuchstaben der vier eingesetzten Medikamente als CHOP bezeichnet wird. Patienten mit „bulky disease“ erhielten außerdem teilweise eine Bestrahlung.

Vor einigen Jahren wurde CHOP durch ein weiteres Medikament, den monoklonalen Antikörper Rituximab, ergänzt, der gezielt B-Zellen angreift. In einer früheren Studie (RICOVER-60) konnten Forscher mit dieser Therapie die Behandlungsergebnisse bei aggressiven B-Zell-Lymphomen deutlich verbessern.

„Es ergab sich deshalb die Frage, ob auf eine Radiotherapie verzichtet werden kann“, berichtet Professor Dr. med. Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, der an der RICOVER-60-Studie beteiligt war. In einer Nachfolgestudie (RICOVER-noRTh) wurde bei 166 Patienten mit aggressiven B-Zell-Lymphomen auf die Strahlentherapie verzichtet. „Das Potenzial des Antikörpers Rituximab wurde sehr hoch eingeschätzt, sodass die Frage nach dem Stellenwert der Bestrahlung beantwortet werden musste“, sagt Professor Rübe. 

Die jetzt vorliegenden Endergebnisse bestätigen nun die Notwendigkeit der Radiotherapie. „Der Verzicht auf eine Bestrahlung der Tumoren hat trotz Rituximab die Rate der Rückfälle gegenüber den bestrahlten Patienten deutlich erhöht“, berichtet der Experte. Der Anteil der Patienten, bei denen der Krebs in den ersten drei Jahren nicht weiter fortgeschritten ist, wurde durch die Radiotherapie von 62 auf 88 Prozent gesteigert. Der Anteil der überlebenden Patienten erhöhte sich von 65 auf 90 Prozent. Die Zentren haben laut Professor Rübe bereits die Konsequenzen gezogen und bieten für die meisten Patienten mit „bulky disease“ wieder eine Strahlentherapie an.

Die Bestrahlung erfolgt beim Non-Hodgkin-Lymphom im Anschluss an die Chemotherapie. Die Dosis ist mit insgesamt 36 bis 40 Gray relativ niedrig und damit gut verträglich. „Die moderne Radiotherapie wurde von den meisten Patienten trotz des oftmals fortgeschrittenen Alters gut vertragen“, ergänzt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Michael Baumann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden.

„Der Verzicht auf die Radiotherapie in RICOVER-noRTh hat die Verträglichkeit nicht verbessert “, sagt Professor Baumann, der auf die lange Erfahrung deutscher Kliniken mit der Strahlentherapie verweist: „Die Studie zeigt, dass die Radiotherapie bei ausgewählten Patienten mit Lymphdrüsenkrebs auch in Zukunft einen hohen Stellenwert haben wird.“

Literatur:
Held, G. et al.: „Role of Radiotherapy to Bulky Disease in Elderly Patients With Aggressive B-Cell Lymphoma“ in: JOURNAL OF CLINICAL ONCOLOGY, Published Ahead of Print on February 3, 2014 as 10.1200/JCO.2013.51.4505, http://jco.ascopubs.org/content/early/2014/02/03/JCO.2013.51.4505

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Kontakt für Journalisten:
Dagmar Arnold
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
Internet: http://www.degro.org

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie