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Lebensbedrohliche Blutgerinnsel in der Lunge besser behandeln

11.04.2014

Blutgerinnsel (Thromben) in der Lunge können zum Tod führen oder einen Kreislaufkollaps nach sich ziehen.

Eine frühe – Blutgerinnsel auflösende – Behandlung kann ausgewählte Patienten am Leben erhalten. Dabei ist allerdings eine erhöhte Rate von Hirnblutungen zu beachten. Diese Ergebnisse einer Studie des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) hat das New England Journal of Medicine, die weltweit renommierteste Fachzeitschrift für große klinische Studien, heute veröffentlicht.


Prof. Dr. Stavros Konstantinides (links) und Prof. Dr. Ulrich Walter (Wissenschaftlicher Leiter des CTH) präsentieren mit Stolz die Publikation im New England Journal of Medicine

Quelle: Barbara Hof-Barocke (Foto darf kostenfrei genutzt werden)

„Die PEITHO-Studie unterstützt eindeutig unsere Annahme, dass eine Abschätzung der Risiken von Patienten mit akuter Lungenembolie unbedingt notwendig ist. Darüber hinaus unterstreicht die Studie, dass diese Patienten grundsätzlich eine rasche, wirksame Thrombusauflösung benötigen", so Univ.-Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Professor für Klinische Studien am Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz und Studienleiter.

Eine Lungenembolie (LE) tritt auf, wenn sich ein Teil eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einer Vene löst, in die Lunge wandert und eins oder mehrere Lungengefäße verstopft. Dies hat in Deutschland jährlich circa 40.000 Todesopfer zur Folge. Im Zuge einer Lungenembolie ist die häufigste Todesursache ein Versagen der rechten Herzkammer, die wegen der Verstopfung der Lungenarterie durch die Gerinnsel in ihrer Funktion stark eingeschränkt ist. „Bei einer Lungenembolie wird die rechte Herzkammer akut mit einem „unüberwindbaren“ Hindernis konfrontiert“, so Prof. Konstantinides.

Die internationale multizentrisch (also an verschiedenen Orten) angelegte „PEITHO“-Studie hat die Zugabe des Thrombus-auflösenden Medikaments Tenekteplase – zusätzlich zur üblichen Behandlung mit Heparin – gegen Plazebo (plus Heparin alleine) getestet. Die sogenannte doppelblinde Studie schloss 1.006 Patienten in 13 europäischen Ländern ein. Der kombinierte primäre Endpunkt der Studie war Mortalität oder Kreislaufkollaps nach 7 Tagen. Dieser wurde in der Tenekteplase-Gruppe - im Vergleich zu der Plazebo-Gruppe – signifikant reduziert (statistisch berechneter Wert der relativen Risikoreduktion: 56 %).

„Der Preis für die Wirksamkeit der schnellen Thrombusauflösung war das vermehrte Auftreten von Blutungen, darunter auch von Schlaganfällen mit Hirnblutung“, sagt Prof. Konstantinides. Letztere traten bei 2 Prozent aller Patienten in der Thrombolyse-Gruppe (als Thrombolyse bezeichnet man eine medizinische Therapie bei Verschlüssen von Blutgefäßen) auf.

„In zukünftigen Studien werden wir unser Konzept zur Abschätzung der Risiken verfeinern und vor allem Patienten mit geringem Blutungsrisiko besser identifizieren“, so Prof. Konstantinides und ergänzt: „So könnte beispielsweise die Dosis des Medikaments bei älteren Patienten reduziert und alternative Methoden der Thrombolyse untersucht werden.“

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Französischen Ministerium für Gesundheit gefördert; die Firma Boehringer Ingelheim hat die Studie finanziell unterstützt und außerdem die Studienmedikation zur Verfügung gestellt.

Bildunterschrift: Prof. Dr. Stavros Konstantinides (links) und Prof. Dr. Ulrich Walter (Wissenschaftlicher Leiter des CTH) präsentieren mit Stolz die Publikation im New England Journal of Medicine
Quelle: Barbara Hof-Barocke (Foto darf kostenfrei genutzt werden)

Kontakt
Prof. Dr. Stavros Konstantinides
CTH-Professur „Klinische Studien“,
Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131/17-8297
E-Mail: stavros.konstantinides@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Oliver Kreft
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-7424
Fax 06131 17-3496
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über das CTH
Das Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) wird als Modellzentrum zur verbesserten Integration von Ausbildung, Forschung und Patientenversorgung unter einem translationalen Fokus vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF 01EO1003) im Rahmen des nationalen Programm „Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB)“ gefördert. Im CTH-Konzept wird die Schnittstelle zwischen Patientenbehandlung und Forschung neu definiert und so die Voraussetzung für Innovationen in der Gesundheitsversorgung geschaffen. Die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und umgekehrt ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Umgekehrt sollen klinische Beobachtungen als Anregung und Rückkoppelung direkt in die Grundlagenforschung einfließen.

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Oliver Kreft M.A. | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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