Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künftige Therapie gegen Frühgeburten?

19.07.2017

Kann man eine Todgeburt verhindern? Bei der Erforschung dieser Frage haben Wissenschaftler des Inselspitals und der Society for the Investigation of Early Pregnancy eine neue Therapieoption zur Vermeidung von Frühgeburten entdeckt.

Entzündungen und Infektionen während der Schwangerschaft sind ein wichtiger Faktor für den vorzeitigen Tod des ungeborenen Kindes. Tritt eine Infektion plötzlich und stark auf, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt.


PIF (rot) wirkt in der Plazenta (blau) gegen die Entzündung (Mikroskopische Aufnahme, Universitätsklinik für Frauenheilkunde)

Inselspital, Universitätsspital Bern

Ein wissenschaftliches Team aus Bern und Rom sowie der Firma BioIncept hat nun entdeckt, dass eine synthetische Variante des Schwangerschafts-Moleküls (PreImplantation Factor: PIF), welches der Embryo produziert, Entzündungsreaktionen während der Schwangerschaft reduziert. Die Studienergebnisse wurden am 12. Juli 2017 im Open-Access-Journal „PLOS One“ publiziert.

“PIF wirkt auf einen Schlüsselkomplex der Entzündung, den sogenannten Inflammasome Complex,“ erklärt PD Dr. Dr. med Martin Müller, Leitender Arzt der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern und Visiting Assistant Professor in der Yale School of Medicine. „Damit wird es erstmals möglich, Entzündungsreaktionen in der Schwangerschaft zu beeinflussen.“

In einer Modellstudie konnten Martin Müller und das Team zeigen, dass PIF Todgeburten reduziert, die Entzündungsreaktion mildert und das Wachstum des Fötus positiv beeinflusst. Eine Reihe von in-vivo und in-vitro-Experimenten bestätigten die entzündungshemmende Wirkung in der Plazenta.

Erstautorin Nicoletta Di Simone, Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Università Cattolica Del Sacro Cuore in Rom, überraschten die Resultate: “Zusammengefasst zeigt unsere Studie, dass PIF während der Schwangerschaft vor dem Ausbruch der Entzündung schützt.”

“Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend und ermutigen uns zu weiterer Forschung an diesem neuen Ansatz”, sagt Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Chefarzt Geburtshilfe und feto-maternale Medizin der Frauenklinik am Inselspital Bern. “Entzündungen sind der Ursprung einer zu frühen Geburt oder des vorzeitigen Todes eines Kindes. Mit dieser Entdeckung rückt eine neue Therapie der Frühgeburtlichkeit in greifbare Nähe”, ist Daniel Surbek überzeugt.

PIF wurde entdeckt und klassifiziert von Eytan Barnea, Gründer der Society for the Investigation of Early Pregnancy (SIEP) und Wissenschaftler der Firma BioIncept, LLC. Nach der Zulassung durch die Federal Drug Administration (FDA) konnte das synthetisch hergestellte Molekül in den USA bereits erfolgreich in einer ersten klinische Studie zur Autoimmunhepatitis getestet werden.

In Bern evaluieren die Forschenden nun, ob eine klinische Studie mit Schwangeren möglich ist. Ziel wäre es, bei Risikoschwangerschaften prophylaktisch PIF einzusetzen, um eine Frühgeburt zu verhindern.

Kontakt:
PD Dr. Dr. med. Martin Müller, Leitender Arzt, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital Bern, Kontakt via kommunikation@insel.ch, +41 31 632 79 25.

Weitere Informationen:

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0180642

Monika Kugemann | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.insel.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Weltweit erstes Mehrkomponenten 3D Food Printing System für personalisierte Kost
10.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

Materialien erlebbar machen - MatX 2018 - Internationale Konferenz für Materialinnovationen

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Laser erzeugt Magnet – und radiert ihn wieder aus

18.04.2018 | Physik Astronomie

Neue Technik macht Mikro-3D-Drucker präziser

18.04.2018 | Physik Astronomie

Intelligente Bauteile für das Stromnetz der Zukunft

18.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics