Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankheiten auf der Spur: Universitätsmedizin Mainz nimmt neue High-Tech-Gewebe-Biobank in Betrieb

28.03.2014

Gewebe-Biobank als Teil des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) an der Universitätsmedizin eingerichtet

Die Universitätsmedizin Mainz nimmt eine neue Gewebe-Biobank in Betrieb und wird dadurch als Forschungsstandort gestärkt. In dieser Gewebe-Biobank lassen sich bis zu 14.000 Gewebe-, Blut- und Speichelproben von Patienten systematisch sammeln und jahrzehntelang aufheben.


Univ.-Prof. M. Theobald (l.), Univ.-Prof. Dr. Ch. J. Kirkpatrick (2.v.l) und Univ.-Prof. Dr. U. Förstermann (r.) lassen sich von PD DR. C. Brochhausen (2. v.r.) die neue Gewebe-Bi

Verwendung des Bildes kostenfrei möglich unter Angabe der Quelle „Foto: Peter Pulkowski“

Langfristig erhofft sich die Universitätsmedizin Mainz, neue Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten zum Beispiel zu Krebserkrankungen auf Basis des Probenmaterials zu gewinnen. Die neue Gewebe-Biobank gehört zum Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) am Institut für Pathologie.

Mit jeder Probe steigt die Chance, Krankheiten zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Bis zu 14.000 Proben lassen sich im High-Tech-Kühlgerät der Gewebe-Biobank einfrieren, der vor wenigen Tagen im Keller des Gebäudes 605 eingebaut wurde. Die Proben lagern dann in der Gasphase von flüssigem Stickstoff. Es handelt sich einerseits um Proben von Tumoren und andererseits von nicht-tumorösen Veränderungen. Nicht-tumoröse Veränderungen treten beispielsweise im Zuge chronisch-entzündlicher Erkrankungen wie Rheuma auf.

Das High-Tech-Kühlgerät – auch „Smartfreezer“ genannt – muss besonderen Anforderungen genügen: So dürfen zwischen der Entnahme einer Probe und ihrer Einlagerung nur maximal 30 Minuten vergehen. Auch muss das Herunterkühlen auf minus 180 Grad extrem schnell erfolgen. „Dauert das Einfrieren zu lange, dann hätte das mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen auf eine Probe.

Denn das einzufrierende Gewebe unterliegt ja weiterhin einem biologischen Prozess, den es schnellstmöglich durch Einfrieren anzuhalten gilt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Charles James Kirkpatrick, Direktor des Instituts für Pathologie. Gleichermaßen gilt es Schwankungen bei Temperatur und Feuchtigkeit nahezu auszuschließen, denn auch das könnte den biologischen Prozess wieder in Gang setzen. Die Folge wäre eine Schädigung des Probenmaterials – vor dem Hintergrund, dass Moleküle in Gewebeproben zum Teil sehr schnell zerfallen.

Wurden bei Gewebe-Biobanken früherer Bauart noch Proben händisch eingelagert, so übernimmt diese Aufgabe jetzt ein Roboterarm. Er setzt die rund drei Zentimeter großen Probenröhrchen jeweils einzeln in die Schublade des „Smartfreezers“.

„Die Proben werden individuell angesteuert, so dass keine Probe außer der gewünschten bei Ein- und Auslagerung bewegt beziehungsweise veränderten Umwelteinflüssen unterzogen wird“, sagt Privatdozent (PD) Dr. Christoph Brochhausen-Delius, Lehrbeauftragter für Pathologie, Leiter der Elektronenmikroskopie und Wissenschaftlicher Leiter der neuen Gewebe-Biobank. Beim „Smartfreezer“ handelt es sich um ein robotisiertes minus 180 Grad kaltes Stickstofflager, in dem die Probe bis zur Entnahme lagert. Äußere Einflüsse sind ausgeschlossen, und es kommt nicht zu gewebeschädigenden Eiskristallen.

Die Identifizierung der Probenröhrchen erfolgt über einen Barcode. Damit geht eine sichere Verschlüsselung von Patientendaten einher, so dass der Patient für den Forscher anonym bleibt. „Der Datenschutz ist gewährleistet“, so Privatdozent (PD) Dr. Christoph Brochhausen-Delius. Entscheidend für die Sicherheit der Patientendaten ist vor allem, dass die Personendaten für den Wissenschaftler nicht zugänglich sind, da sie an anderer Stelle verwaltet werden.

„Die Investition in diese neue Gewebe-Biobank hat vor allem auch eine strategische Dimension. Denn die Gewebe-Biobank ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem Comprehensive Cancer Center (CCC)“, unterstreicht der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, und fügt hinzu: „Die Gewebe-Biobank ist ein Garant für hohe Probenqualität und ermöglicht die Einhaltung von Standard Operating Procedures. Das ist für das UCT und ein zukünftiges CCC von großer Bedeutung.“

Die vom Ressort Forschung und Lehre der Universitätsmedizin Mainz getragenen Kosten der Gewebe-Biobank belaufen sich auf insgesamt rund 170.000 Euro. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz aber auch Mitarbeiter von externen Kooperationspartnern können auf die Daten zugreifen. Darüber hinaus ist eine Vernetzung mit Forschungsverbünden wie dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Universitätsmedizin Mainz geplant.

Kontakt
PD Dr. Christoph Brochhausen
Unterrichtsbeauftragter, Group Leader Cartilage Tissue Engineering
Head of Electron Microscopy
Institut für Pathologie
Telefon +49 (0) 6131 17-7307
Telefax +49 (0) 6131 17-477307
E-Mail: christoph.brochhausen@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Oliver Kreft
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131 17-7424
Fax 06131 17-3496
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Oliver Kreft | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

nachricht Vorhersage entlastet das Gehirn
13.01.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie