Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Konditionstraining statt Schonen: Trainingsmethoden für Rheumatiker

31.03.2010
Konditionstraining statt Schonen: Rehamediziner der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie zweier Rehakliniken erprobten neue Trainingsmethoden für Rheumatiker. Diese könnten einen Paradigmenwechsel in der Bewegungstherapie für Rheumatiker bedeuten.

Durch ein Konditionstraining können Rheumakranke ihre Leistungsfähigkeit stärker verbessern als bei einer Standardrehabilitation. Das zeigen erste Ergebnisse einer kontrollierten Studie mit 402 Patienten.

In dem Projekt arbeitet das Institut für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit zwei Rehabilitationskliniken zusammen. Das Team entwickelte ein Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining "KAKo", kombiniert mit einem Motivationstraining. Für diesen umfassenden Ansatz und seine überzeugende Darstellung erhielten die Forscher gerade auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung, dem größten deutschen Rehabilitationskongress, einen Preis.

Die konventionelle Empfehlung bei Rheuma sind schonende Gymnastik und physikalische Anwendungen. Eine Arbeitsgruppe um Institutsleiter Professor Dr. Wilfried Mau aus Halle verordnete den Rehabilitanden dagegen ein anspruchsvolles Sportprogramm: Dreimal wöchentlich traten sie zuerst für 30 Minuten auf dem Ergometer in die Pedale. Danach durchliefen sie zusammen ein halbstündiges Zirkeltraining mit Kraft- und Koordinationsübungen. Zum Abschluss folgten Spiele wie Federball oder Softball. Fragen der Versorgung chronisch Kranker, wie die Weiterentwicklung der Rehabilitation bei entzündlich-rheumatischen Leiden, gehören zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät.

Das Sportprogramm kam bei den zumeist an chronischer Polyarthritis (Gelenkrheuma) sowie an Spondyloarthritis (Wirbelsäulenrheuma) leidenden Patienten erstaunlich gut an. Sie hatten auch Spaß am Training in den festen Gruppen. "Etwa 80 Prozent der Teilnehmer fanden die Behandlung 'gerade richtig' und etliche sogar 'noch zu wenig'", berichtete das Projektteam auf dem 19. Rehawissenschaftlichen Kolloquium in Leipzig. "Ich habe gar nicht gewusst, was ich doch noch alles kann", zitierte Mau eine typische Äußerung von Patienten, zu zwei Dritteln Frauen. Die Altersspanne reichte von 18 bis 60, wobei das Durchschnittsalter bei 48 Jahren lag.

Leistungsfähigkeit deutlich gestiegen
Die Ergebnisse am Ende des stationären Aufenthalts, dem zweiten von fünf Messzeitpunkten, belegten, dass die "KAKo"-Teilnehmer signifikant mehr für ihre körperliche Funktionsfähigkeit und ihr seelisches Wohlbefinden erreichten als die entsprechende Kontrollgruppe. Gemessen wurde dies unter anderem mit dem SF-36 Health Survey, der acht Dimensionen der subjektiven Gesundheit und zwei Summenscores erfasst.
Bewegungspläne für den Alltag
Um die Effekte möglichst nachhaltig zu sichern, erhielten die Teilnehmer außerdem eine handlungsorientierte Motivationsschulung: Dabei planen die Betroffenen konkret, welche Aktivitäten sie wann und wo zu Hause fortführen wollen. Auch werden im Voraus Strategien gegen mögliche Hinderungsgründe entworfen. Diese Methoden haben sich anderweitig bereits bewährt, um die willentliche Verhaltenssteuerung ("Volition") zu stützen und so das typische Handlungsloch, das oft zwischen gutem Vorsatz und Praxis klafft, zu überwinden.
KAKo in Rehaklinik eingeführt
Das Projekt, das im Rahmen des Förderschwerpunkts "Chronische Krankheiten und Patientenorientierung" von der Deutschen Rentenversicherung und dem Bundesministerium für Bildung Forschung finanziert wird, läuft noch bis zum Jahresende weiter, um auch die langfristige Wirkung bis ein Jahr nach Klinikaufenthalt auszuwerten. Im beteiligten Rehazentrum der Deutschen Rentenversicherung in Bad Eilsen wurde das "KAKo"-Training schon in die Routine übernommen. Dabei kann man sich auch auf Erkenntnisse niederländischer Forscher stützen: Diese hatten 2003für eine zweijährige ambulante Trainingszeit festgestellt, dass sich "regelmäßige intensive Bewegungs- und Sportaktivitäten positiv auf die körperliche und psychische Verfassung der Patienten auswirken." Es kam auch nicht zu Gelenkschäden oder vermehrten Krankheitsschüben.
Posterpreis für das Forschungsprojekt
Auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung in Leipzig würdigte die Jury "den untersuchten Ansatz, die Nachhaltigkeit der Rehabilitation mit einem umfassenden Programm unter Berücksichtigung motivationaler Aspekte weiter zu erhöhen". Auch die kontrollierte Durchführung der Studie und die ansprechende Darstellung der Thematik trugen zu dem positiven Votum bei, so Dr. Hans-Günter Haaf von der wissenschaftlichen Kongressleitung.

Text: Leonie von Manteuffel, manteuffel(at)pressethema.de

Kontakt zur Projektleitung:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Medizinische Fakultät
Institut für Rehabilitationsmedizin
06112 Halle (Saale)
wilfried.mau(at)medizin.uni-halle.de

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.rehamedizin.uni-halle.de
http://www.forschung-patientenorientierung.de
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/rehakolloquium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops