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Knochenmarkkrebs gezielt bekämpfen: erstmals besonders aggressives Protein bei Patientin gehemmt

02.07.2013
Bestimmte Patienten mit Knochenmarkkrebs könnten von einem neuen Therapieansatz profitieren: Ein Wirkstoff – der bereits bei der Behandlung von Schwarzem Hautkrebs eingesetzt wird – hemmt gezielt das überaktive Protein BRAF, das den Krebs besonders aggressiv macht.

Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg ist es bei einer Patientin mit Multiplem Myelom erstmals gelungen, gestreute und gegen gängige Therapien resistente Krebszellen zurückzudrängen. Fallbericht und weitere Studienergebnisse sind im Fachmagazin „Cancer Discovery“ erschienen.

Veränderungen in der Erbinformation (Gen-Mutationen) des Proteins BRAF treten bei verschiedenen Krebsarten wie Schwarzem Hautkrebs, der sogenannten Haarzell-Leukämie, Darm- und Eierstockkrebs gehäuft auf. In Folge der Mutation ist BRAF überaktiv und gibt dauerhaft Signale zur Zellteilung. Die Krebszellen mit dieser Veränderung vermehren sich schnell und bilden Absiedlungen in anderen Organen. Beim Multiplen Myelom kommt die BRAF-Mutation bei vier Prozent der Patienten vor.

Wissenschaftler um Dr. Marc-Steffen Raab, Leiter der Max-Eder-Forschungseinheit „Experimentelle Therapien hämatologischer Neoplasien", gemeinsam getragen von der Medizinischen Klinik V (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho), dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe, zeigten in Kooperation mit Kollegen des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Heidelberg in der aktuellen Studie erstmals, dass die Mutation beim Multiplen Myelom – vergleichbar zum Schwarzen Hautkrebs – den Krankheitsverlauf aggressiver macht und damit die Prognose der Patienten verschlechtert.

Gleichzeitig erwies sich der Gendefekt als ein geeigneter Ansatzpunkt für eine zielgerichtete Therapie. Seit 2011 ist ein spezifischer BRAF-Hemmer (Wirkstoff: Vemurafenib) für die Therapie des Schwarzen Hautkrebs, der bereits Metastasen gebildet hat, zugelassen. Mit diesem Medikament behandelten die Mediziner eine Patientin, deren Myelom auf keine der gängigen Therapien mehr ansprach. Die Hauttumoren bildeten sich zurück, die Myelomzellen im Knochenmark vermehrten sich nicht weiter. „Der Patientin geht es gut und wir können bei ihr seit acht Monaten keine Krankheitsaktivität mehr feststellen“ sagt Dr. Marc-Steffen Raab.

Wirksamkeit des Medikaments soll in weiteren klinischen Studien geprüft werden

In der Studie wurden 379 Patienten des Myelomzentrums Heidelberg untersucht, bei sieben von ihnen fanden sich Veränderungen des BRAF-Gens. Diese Patienten litten häufiger als Patienten ohne BRAF-Mutation unter einer sehr aggressiven Erscheinungsform des Myeloms: Bei 57 Prozent bildeten sich Absiedlungen der Krebszellen unter der Haut, die kaum noch auf Therapien ansprachen; die Patienten überlebten im Durchschnitt deutlich kürzer. Ein vergleichbar schwerer Krankheitsverlauf trat nur bei 17 Prozent der Myelom-Patienten ohne BRAF-Mutation auf. „Ob eine BRAF-Mutation vorliegt, ist für die weitere Therapieplanung also durchaus relevant“, so Raab.

„Damit haben wir erstmals gezeigt, dass eine individualisierte Therapie, die gezielt an einer einzelnen genetischen Veränderung der Krebszellen ansetzt, auch beim Multiplen Myelom sinnvoll und erfolgsversprechend sein kann“, so der Wissenschaftler. Geplant sind nun weitere Studien, um die Wirksamkeit des Medikaments an einer größeren Patientenzahl zu überprüfen.
Heidelberger Myelomzentrum ist führend in Deutschland

Rund 3.500 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am Multiplen Myelom. Eine Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von einer Transplantation mit Stammzellen aus dem eigenen Blut ist heute die wirksamste Behandlungsform und bietet die Chance auf langfristige Krankheitskontrolle. „Aber das vielversprechende Behandlungsergebnis mit Vemurafenib zeigt einen neuen therapeutischen Ansatzpunkt für einige unserer Patienten, denen wir bisher nicht zufriedenstellend helfen konnten“, erklärt Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter des Myelomzentrums der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen NCT. Das Heidelberger Myelomzentrum ist mit 1.400 Patienten, die hier jedes Jahr betreut werden, eine der weltweit größten Einrichtung dieser Art und führend in Deutschland.

Literatur:
Andrulis M, Lehners N, Capper D, Penzel R, Heining C, Huellein J, Zenz T, von Deimling A, Schirmacher P, Ho AD, Goldschmidt H, Neben K, Raab MS. Targeting the BRAF V600E Mutation in Multiple Myeloma. Cancer Discov. 2013 Apr 23. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Max-Eder-Nachwuchsgruppe.131641.0.html
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Multiples-Myelom.131686.0.html

Kontakt:
Dr. med. Marc-Steffen Raab
Medizinische Klinik V,
Universitätsklinikum Heidelberg
und
Deutsches Krebsforschungszentrum
Tel: 06221 / 56-8008
E-Mail: marc.raab@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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