Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleine Genschnipsel mit großer Wirkung

24.04.2014

MicroRNAs haben auch bei Herz-Kreislauferkrankungen das Potenzial für neue Therapien, denn die kleinen Genschnipsel regulieren in einem komplexen Zusammenspiel das Ablesen von Genen.

Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) entwickeln mit Hilfe von microRNAs neue Ansätze zur Behandlung von Herzinfarkt, übermäßigem Herzmuskelwachstum und Artherosklerose und wollen diese zur klinischen Anwendung bringen. Sie präsentieren Teile ihrer Forschung im Rahmen der DZHK-Session auf der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Erst seit wenigen Jahren ist bekannt, dass die Expression von Genen nicht nur von Proteinen, sondern auch durch winzige Stückchen von Ribonukleinsäuren, den sogenannten microRNAs, gesteuert wird. Insgesamt etwa 2000 solcher Moleküle kontrollieren verschiedene Signalwege und bestimmen damit entscheidende Stationen im Leben von Zellen und Geweben, von der Entwicklung über den Stoffwechsel bis zu Krankheit und Tod. Diese bahnbrechende Entdeckung gewährt nicht nur eine völlig neue Sichtweise auf die molekularen Ursachen von Krankheiten, sondern ermöglicht gleichzeitig neue Behandlungsansätze.

DZHK-Forscher fanden heraus, dass die microRNA-92a eine zentrale Rolle für das Gefäßwachstum und die Sauerstoffversorgung nach einer Unterbrechung der Blutzufuhr, wie zum Beispiel nach Herzinfarkt, spielt. Die DZHK-Arbeitsgruppen von Dr. Rabea Hinkel und Professor Christian Kupatt aus München widmen sich zusammen mit der Gruppe von Prof. Stefanie Dimmeler aus Frankfurt, der Frage, ob solch ein Therapieansatz tatsächlich in einem klinisch relevanten Model einzusetzen ist.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass eine Hemmung der microRNA-92a durch eine Katheter-basierte Applikation deutlich die Durchblutung des geschädigten Gewebes und die Herzfunktion nach Infarkt nach Ischämie/Reperfusion verbessert. Dies ist die erste Arbeit, die eine Funktionsverbesserung durch microRNA Inhibitoren in einem Großtiermodell zeigt und die damit den Weg zur klinischen Entwicklung eröffnet.

Auch die DZHK-Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Engelhardt in München lieferte wesentliche Hinweise auf die Funktion von microRNAs im Herzen. Die Forscher identifizierten eine Reihe von microRNAs, die unter kardialem Stress, z.B. verursacht durch erhöhten Blutdruck, verstärkt oder vermindert hergestellt werden.

Mehrere dieser microRNAs, darunter miR-21 und miR-378, wurden bereits umfangreich untersucht und es stellte sich heraus, dass sie entscheidend in die krankhafte Einlagerung von Bindegewebe in den Herzmuskel (Fibrose) und in übermäßiges Herzwachstum (Hypertrophie) eingebunden sind. Diese beiden Phänomene sind entscheidende Organveränderungen auf dem Weg zur Herzinsuffizienz – einer der häufigsten Todesursachen weltweit.

Die DZHK-Forscher Prof. Christoph Weber und Prof. Andreas Schober aus München veröffentlichten kürzlich in Nature Medicine Studien zur Behandlung von Atherosklerose mit der microRNA-126-5p. Diese hilft bei der Reparatur von Fluss-bedingten Schädigungen an der Innenwand von Gefäßen. Fehlt miR-126-5p, bilden sich dagegen vermehrt Ablagerungen in der Gefäßwand. Im Mausmodell konnten die Forscher bereits zeigen, dass die Gabe von miR-126-5p das Fortschreiten der Atherosklerose mindert.

Der Kardiologe und DZHK-Forscher Prof. Andreas Zeiher, der ebenfalls an den präklinischen microRNA Studien beteiligt ist, ist fasziniert von diesen Entdeckungen und den sich daraus ergebenden Behandlungsmöglichkeiten: „Da Moleküle zur Hemmung von microRNAs beim Menschen bereits erfolgreich zur Behandlung von Lebererkrankungen eingesetzt wurden, könnten diese Befunde auch neue Wege eröffnen, tatsächlich kardiovaskuläre Erkrankungen zu verhindern oder zu heilen.“

Im Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) wird nun die Expertise der verschiedenen Gruppen gebündelt, um diese neuen Therapieansätze möglichst rasch auch im klinischen Kontext zu testen.

Über das DZHK
Initiiert wurde die Gründung des DZHK als eines von sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) 2011 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die 27 Partnereinrichtungen an den 7 DZHK-Standorten wurden in einer internationalen Begutachtung ausgewählt. Zu den Partnereinrichtungen gehören 14 Universitäten bzw. Universitätskliniken sowie Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz- und Max-Planck-Institute und eine Ressortforschungseinrichtung. Daneben ist das DZHK eng mit der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und anderen externen Forschungspartnern aus dem Herz-Kreislauf-Bereich verbunden.

Das DZHK ist ein Modell dafür, wie sich individuell herausragende Wissenschaftler in einem transparenten Prozess vernetzen und dabei gemeinsame Forschungsstrategien und neue Stärken entwickeln. Rund 500 Forscherinnen und Forscher sind mittlerweile in DZHK-Projekten tätig, soviel wie in keinem anderen deutschen Herz-Kreislauf-Forschungskonsortium.

Kontakt:
Christine Vollgraf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
DZHK-Geschäftsstelle, Oudenarder Str. 16, 13347 Berlin
Tel.: 030 4593 7102, christine.vollgraf@dzhk.de
www.dzhk.de

Christine Vollgraf | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie