Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinder brauchen Schlaf und Spiel für ein gesundes Gewicht

17.11.2011
Weniger Fernsehen, mehr Bewegung und mehr Schlaf sind bei jungen Kindern mit einem gesunden Körpergewicht verbunden.

Ausreichend Schlaf kann Kindern helfen, ein gesundes Gewicht zu halten, wie das von der EU geförderte Projekt IDEFICS (Identifikation und Prävention von ernährungs- und lebensstilbedingten Gesundheitsfaktoren bei Kleinkindern und Kindern) ergab.

Das internationale Projekt wird am BIPS – Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin der Universität Bremen – koordiniert. Ebenso gilt, je mehr Zeit Kinder vor dem Fernseher oder Computer verbringen (Bildschirmzeit), desto höher ist ihr Körpergewicht. Diese Ergebnisse wurden vom 14. Bis 16. November 2011 beim abschließenden IDEFICS-Meeting in Bremen diskutiert.

Ausreichender Schlaf ist wichtig

Wie lange Kinder schlafen, unterscheidet sich deutlich zwischen den europäischen Ländern, von 9-10 Stunden in Estland bis zu über elf Stunden in Belgien. In Süd- und Osteuropa bekommen Kinder tendenziell weniger Schlaf als im Norden. Schlafen Kinder weniger als neun Stunden pro Nacht, sind sie doppelt so anfällig für Übergewicht als Kinder mit elf Stunden Schlaf. Die Schlafdauer ist dabei unabhängig von der Jahreszeit, der Tageslänge, vom Bildungsstand der Eltern und anderen Lebensstilfaktoren, oder von bereits bestehendem Übergewicht.

Fernsehen wesentlich mit Körpergewicht verknüpft

Die IDEFICS-Forscher untersuchten verschiedene Übergewicht fördernde Verhaltensweisen und fanden, dass Fernsehen am deutlichsten mit dem Gewicht zusammenhängt. Je mehr Zeit die Kinder mit passiven Beschäftigungen verbrachten (Beschäftigungen mit geringem Energieverbrauch, z.B. Sitzen), desto größer war der Hüftumfang der Kinder. Dabei bleibt weiterhin unklar, ob dies nur an der geringen Bewegung oder auch an der damit verbundenen Art der Nahrungsaufnahme liegt.

Verknüpfung von Bildschirmzeit und Ernährung

Über alle Studienländer hinweg sahen nahezu die Hälfte aller Kinder manchmal oder oft beim Essen fern. Kinder mit höherem Fernsehkonsum aßen fett- und vor allem zuckerreichere Speisen. Diese Entdeckung war unabhängig von den individuellen Geschmacksvorlieben für fette und süße Lebensmittel, die in kontrollierten Geschmackstests objektiv erfasst wurden. Professor Wolfgang Ahrens, Koordinator der IDEFICS-Studie, rät: „Das Essen vor dem Bildschirm sollte minimiert werden, mit einem Schwerpunkt auf nahrhaften Snacks wie Obst und Gemüse. Als Durstlöscher sollten Wasser und andere kalorienfreie Getränke erste Wahl sein. Ein entsprechender Verzehr lässt sich fördern, indem diese Lebensmittel vermehrt in Kindergarten, Schule und zuhause verfügbar gemacht werden. Eltern und Aufsichtspersonen sollten sich bewusst sein, dass sie eine wichtige Vorbildfunktion haben.“

Eine gesunde Umgebung fördern

Kinder, die in ihrer Freizeit aktiv sind, sitzen weniger vor dem Bildschirm und ernähren sich eher gesund. Da die städtebauliche Umgebung das Aktivitätsniveau und die Ernährung beeinflusst, sollten Politiker und Stadtplaner sicherstellen, dass Kinder ausreichend sichere und einladende Räume zum Bewegen und Spielen wie Spielplätze, Grünflächen und Spielstrassen haben. Wo solche Strukturen nicht vorhanden sind, können Eltern bei der Gemeinde die gelegentliche Ausrichtung von Spielstrassen in der Nachbarschaft ersuchen.

Professor Ahrens dazu: “Es ist nicht richtig, allein die Eltern für das Übergewicht ihrer Kinder verantwortlich zu machen. Vielmehr ist es an der Zeit, den Einfluss der Umgebung auf das Gesundheitsverhalten unumwunden anzuerkennen. Je wirksamer Politiker, Lehrer, Aufsichtspersonen und Eltern bei der Schaffung einer gesundheitsfördernden Umgebung zusammenarbeiten, desto einfacher wird es für die Kinder, eine gesunde Lebensführung zu erlernen.“ IDEFICS hat einen wichtigen Anfang gemacht – jetzt heißt es, diese Arbeit fortzuführen.

Die IDEFICS-Studie

Derzeit im fünften und letzten Jahr hat die IDEFICS-Studie als Ausgangspunkt eine umfangreiche Querschnittserhebung mit über 16.000 Kindern zwischen zwei und neun Jahren vorgenommen. Im Anschluss fanden eine zielgerichtete Intervention und eine Nachfolgeerhebung statt, um den Einfluss von Ernährungs- und Lebensstilfaktoren auf Körpergewicht und andere Gesundheitsparameter zu erfassen. Speziell für dieses Projekt haben die IDEFICS-Forscher standardisierte Erhebungsmethoden entwickelt, um Ernährungs- und Lebensstil-Faktoren sowie psychosoziale, physische, biochemische und genetische Ursachen für Übergewicht, Fettleibigkeit, das metabolische Syndrom und gestörte Knochengesundheit zu identifizieren. Solche validierten Standards sind von besonderem Wert für zukünftige Forschung und Überwachung, da sie die Vergleichbarkeit von Daten aus verschiedenen Kontexten gestatten.

Die Auswertung der Nachfolgeerhebung wird zeigen, ob die IDEFICS-Intervention wirksam war, in welchen Ländern sie funktioniert hat und welches die ausschlaggebenden Faktoren waren, die zu einem möglichen Effekt der Intervention beigetragen haben. Professor Ahrens zum Abschluss: „Wir haben die Hoffnung, auf dieser Basis zukünftig Richtlinien und Empfehlungen entwickeln zu können; dies wird jedoch derzeit noch erforscht.“

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
Prof. Dr. Wolfgang Ahrens
Tel.: 0421-218 56822
E-Mail: ahrens@bips.uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten